BEBUC ist ein Exzellenzstipendium für begabte Studierende und Schüler in der Demokratischen Republik Kongo. Der Name steht für „Bourse d'Excellence Bringmann aux Universités Congolaises“. Gegründet wurde das Programm 2008 von Chemikern aus Würzburg und Kinshasa. Organisiert wird es vom Förderverein Uni Kinshasa e.V. (fUNIKIN). Ziel ist, im Kongo eine neue Generation von Professorinnen und Professoren auszubilden. Dieser Artikel erklärt, wie das Stipendium funktioniert, wer dahintersteht und was es bisher erreicht hat.
Hinweis: Aktuelle Informationen, Bewerbungsunterlagen und Kontaktdaten finden Sie auf der offiziellen Website des Programms, bebuc.org. Die frühere Adresse foerderverein-uni-kinshasa.de gehört nicht mehr zum Verein.
Wie aus einer Chemie-Kooperation ein Exzellenzprogramm wurde
Die Wurzeln reichen bis 1993 zurück. Damals begann eine Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für Organische Chemie der Universität Würzburg und der Universität Kinshasa. Über die Jahre wurden mehr als 40 Tonnen Bücher und Laborgeräte in den Kongo gebracht. Aus der Forschung ging unter anderem das erste deutsch-kongolesische Patent hervor, außerdem wurde eine neue Pflanzenart beschrieben, Ancistrocladus ileboensis.
2008 starteten Prof. Gerhard Bringmann (Universität Würzburg) und Prof. Virima Mudogo (Universität Kinshasa, selbst Würzburger Alumnus und später Vizerektor) das Stipendienprogramm. Anfangs bezahlten private Paten die Stipendien.
| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 2008 | Start mit 4 Bachelor-Stipendiaten in Chemie und Pharmazie an der Universität Kinshasa |
| 2009 | 16 Stipendiaten, weitere Fächer; Gründung des Fördervereins Uni Kinshasa e.V. |
| 2010 | Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung steigt ein, das Programm öffnet sich für alle Fächer und für Butembo |
| 2012 | 8 Universitäten, 3 weiterführende Schulen und 1 Grundschule, rund 70 Stipendiaten |
| 2016 | 178 Stipendiaten, davon 102 im Bachelor, 23 im Master, 15 in der Promotion und 38 Schüler |
| 2023 | 191 Stipendiaten, fast die Hälfte davon Frauen |
Der Förderverein Uni Kinshasa e.V.
Der Verein (kurz fUNIKIN) wurde 2009 gegründet und organisiert das Programm. Die Finanzen in Europa verwaltet die Universität Würzburg. Die meisten Mitglieder leben im Kongo; 2023 hatte der Verein mehr als 2.000 Mitglieder, die Website nennt heute rund 2.000 Mitglieder aus fast 60 Ländern. Präsident war 2023 Alfred Forchel, ehemaliger Präsident der Universität Würzburg; Gerhard Bringmann ist Ehrenpräsident.
Das Büro in Kinshasa liegt auf dem Campus der Universität Kinshasa.
So funktioniert das Stipendium
Auswahl
- Vorauswahl nach Noten, Lebenslauf und Motivationsschreiben
- Persönliches Gespräch über Fachwissen, Persönlichkeit, Lebensziele und die Bereitschaft, später als Wissenschaftler im Kongo zu arbeiten
- Jährliche Prüfung: Jeder Stipendiat muss sich jedes Jahr in einer zehnminütigen Präsentation an der Tafel auf Englisch beweisen, bevor das Stipendium verlängert wird.
Erwartet werden herausragende Leistungen, gut organisiertes Studium, Sprachkenntnisse – vor allem gutes Englisch –, soziale Kompetenz und ethische Werte.
Leistungen und Pflichten
- finanzielle Unterstützung und Büchergeld
- intensive Betreuung durch Mentoren, oft Professoren aus Europa
- Seminare, Exkursionen und ein verpflichtender Englischkurs
- Hilfe bei der Suche nach Master- und Promotionsplätzen im Ausland
- ein jährlicher Bericht der Stipendiaten
Es gibt Stipendien für Schüler, für Bachelor, Master und Promotion sowie ein Rückkehrstipendium. Das Bachelorstudium findet im Kongo statt, Master und Promotion meist im Ausland. Wer danach zurückkehrt, wird beim Start als Wissenschaftler im Kongo unterstützt. Die Stipendiaten wählen an jedem Standort Sprecher und einen landesweiten Sprecherrat.
Partnerhochschulen und Geldgeber
2016 waren 25 kongolesische Universitäten und Schulen beteiligt. Dazu gehören unter anderem:
- Kinshasa: Université de Kinshasa (UNIKIN), Université Protestante au Congo
- Bukavu: Université Catholique de Bukavu, Université Officielle de Bukavu, Collège Alfajiri
- Butembo: Université Catholique du Graben (seit 2010) und weitere Einrichtungen
- Lubumbashi und Mbujimayi
- Kisangani: erste Stipendiaten 2014
- Goma und Kikwit
Wichtigster Geldgeber ist seit 2010 die Else Kröner-Fresenius-Stiftung aus Bad Homburg; 2017 bewilligte sie die fünfte dreijährige Förderung in Folge. Weitere Unterstützer sind die Holger-Pöhlmann-Stiftung, Mitgliedsbeiträge, Patenschaften und Spenden.
Bilanz: Professoren, Preise, Vorbilder
Das Ziel von BEBUC ist eine kritische Masse von mindestens 100 dauerhaft im Kongo lehrenden Professoren. 2016 gab es sechs „BEBUC-Professoren“, 2023 waren es 19. Die Programmwebsite nennt heute 26 Professoren, sieben promovierte Absolventen auf dem Weg zur Professur und 76 Masterabsolventen.
Einige Beispiele:
- Tania Bishola Tshitenge: Bachelor in Kinshasa, Master in Nairobi, Promotion in Heidelberg (2021), heute Professorin für Biologie an der Universität Kinshasa
- Christian Nkanga: Master und Promotion an der Rhodes University in Südafrika, 2019 jüngster Pharmazie-Professor des Kongo
- Hypolite Muhindo Mavoko: Promotion in Antwerpen, Rückkehr 2016, seit 2022 Lehrstuhl für Infektionskrankheiten
- Vivi Maketa: Tropenmedizinerin an der Universität Kinshasa, ausgezeichnet mit dem Early Excellence in Science Award 2023 der Bayer Foundation
2012 erhielten Bringmann und Mudogo in Kinshasa eine hohe kongolesische Auszeichnung in Gold, vergleichbar mit dem Bundesverdienstkreuz. Es war das erste Mal, dass ein deutsch-kongolesisches Team so geehrt wurde. Bringmann erhielt außerdem das Bundesverdienstkreuz am Bande und mehrere kongolesische Ehrendoktorwürden.
Die Universität Kinshasa
Die Universität Kinshasa (UNIKIN) wurde 1954 als Lovanium-Universität auf dem Mont Amba gegründet, hervorgegangen aus einer medizinischen Stiftung der belgischen Universität Löwen. 1971 legte Präsident Mobutu sie mit anderen Hochschulen zur Nationaluniversität UNAZA zusammen, 1981 wurde sie wieder eigenständig. Im Studienjahr 2018/19 hatte sie fast 30.000 Studierende. Der Campus liegt im Stadtteil Lemba, rund 25 Kilometer südlich des Zentrums. Mehr über die Stadt lesen Sie in unserem Stadtporträt Kinshasa.
BEBUC unterstützen
Das Programm ist aktiv; im Oktober 2026 erschien der sechste BEBUC-Newsletter. Wer helfen möchte, hat mehrere Möglichkeiten:
| Möglichkeit | Umfang laut Programmwebsite |
|---|---|
| Patenschaft für einen Schüler | 50 US-Dollar im Monat (600 US-Dollar im Jahr) |
| Patenschaft für einen Bachelor-Studenten | 120 US-Dollar im Monat (1.440 US-Dollar im Jahr) |
| zweijähriger Master im Ausland | rund 20.000 US-Dollar insgesamt |
| Mitgliedschaft im Förderverein | über das Formular auf bebuc.org |
| Mentoring | für Wissenschaftler, die Stipendiaten fachlich begleiten möchten |
Kontakt und Spendeninformationen gibt es direkt beim Programm auf bebuc.org.
Quellen
- BEBUC: offizielle Website
- BEBUC: About
- BEBUC: Selection process
- BEBUC: Participate
- idw: Kongolesisches Verdienstkreuz in Gold für zwei Professoren (2012)
- Universität Würzburg: BEBUC scholarship program – continuation granted
- Universität Würzburg: Congo – now more than 150 BEBUC scholars
- Universität Würzburg, einBLICK 2023 (PDF)
- BEBUC: Dr. Vivi Maketa wins the Bayer Foundation EESA
- Wikipedia: University of Kinshasa
- Universität Würzburg: Pressemitteilung BEBUC, Dezember 2014 (PDF)
- Universität Würzburg: Pressemitteilung BEBUC, Juli 2016 (PDF)
- Universität Würzburg: Pressemitteilung BEBUC, Mai 2019 (PDF)
- Universität Würzburg: Bundesverdienstkreuz für Gerhard Bringmann (PDF)


