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Braukurs: Ablauf, Kosten und was Hobbybrauer beim Zoll beachten müssen

Melanie Groß
Redaktion parifar
Aktualisiert am 24.10.20266 Min. Lesezeit4 Quellen geprüft

Ein Braukurs ist ein angeleiteter Workshop in einer Brauerei, Gasthausbrauerei oder Brauschule, in dem Sie an einem Tag selbst einen Sud herstellen: Malz einmaischen, die Würze läutern, mit Hopfen kochen und mit Hefe zur Gärung ansetzen. Trinkfertig ist das Bier erst nach einigen Wochen, deshalb holen Sie es meist später ab oder bekommen es zugeschickt. Ein Tageskurs mit Verkostung und Mittagessen kostet zum Beispiel bei mydays 89,90 Euro pro Person (Stand Oktober 2026). Wer danach zu Hause weiterbraut, darf laut Zoll bis zu fünf Hektoliter Bier im Jahr steuerfrei für den Eigenbedarf herstellen.

Reihe dunkler Bierflaschen mit Kronkorken auf einer Küchenarbeitsplatte
Selbst gebrautes Bier reift nach dem Abfüllen in der Flasche nach. Foto: Pixabay (Pixabay-Inhaltslizenz)

Braukurs im Überblick

MerkmalTypische Ausprägung
OrtBrauerei, Gasthausbrauerei, Brauschule oder mobile Brauanlage bei Ihnen
Dauervon einem halben Tag bis zu mehrtägigen Seminaren, ein typischer Tageskurs dauert rund 7 Stunden
InhalteRohstoffkunde (Malz, Hopfen, Hefe, Wasser), Brauprozess, Brauereiführung, aktives Brauen, Verkostung
Ergebniseigenes Bier nach mehreren Wochen Reifezeit, oft einige Liter pro Person, dazu häufig eine Urkunde
Teilnehmendeöffentliche Gruppenkurse oder geschlossene Gruppen für Freunde und Firmen
KostenBeispiel Tageskurs: 89,90 Euro pro Person (mydays, Stand Oktober 2026)

So entsteht Ihr Bier: die Brauschritte

Im Kurs arbeiten Sie die Schritte nach, die auch in großen Brauereien ablaufen, nur in kleinerem Maßstab. Der Braumeister erklärt dabei, wie jeder Schritt Geschmack, Farbe und Alkoholgehalt beeinflusst.

  1. Schroten: Das Malz wird in einer Mühle aufgebrochen. Die Spelzen sollen dabei möglichst ganz bleiben, weil sie später beim Läutern als natürlicher Filter dienen.
  2. Maischen: Das Schrot wird mit warmem Wasser vermischt und schrittweise erhitzt. Bei verschiedenen Temperaturstufen, den sogenannten Rasten, arbeiten Enzyme aus dem Malz: Um 45 °C werden Eiweiße abgebaut, um 65 °C entsteht vor allem vergärbare Maltose, knapp über 70 °C bilden sich Dextrine, die das Bier vollmundiger machen. Über 78 °C werden die Enzyme zerstört. Mit der Jodprobe prüfen Sie, ob die Stärke vollständig verzuckert ist.
  3. Läutern: Die süße Flüssigkeit, die Würze, wird von den festen Malzresten, dem Treber, getrennt. Zuerst läuft die Vorderwürze ab, anschließend wird mit heißem Wasser nachgegossen, um restlichen Zucker aus dem Treber zu spülen.
  4. Würzekochen: Die Würze wird mit Hopfen gekocht. Dabei lösen sich die Bitterstoffe, unerwünschte Aromastoffe verdampfen, die Würze wird keimfrei, und Eiweiß flockt als Heißtrub aus. Am Ende wird der Stammwürzegehalt gemessen.
  5. Ausschlagen und Kühlen: Der Trub setzt sich ab, zum Beispiel im Whirlpool, dann wird die klare Würze auf Gärtemperatur gekühlt und belüftet, damit die Hefe genug Sauerstoff hat.
  6. Gärung: Nach Zugabe der Hefe beginnt die Hauptgärung. Obergärige Hefen arbeiten bei etwa 18 bis 24 °C, untergärige bei etwa 8 bis 14 °C. Nach rund fünf bis acht Tagen ist ein Großteil des Malzzuckers zu Alkohol und Kohlensäure vergoren.
  7. Nachgärung und Reifung: Im geschlossenen Behälter bindet das Bier Kohlensäure und klärt sich. Je nach Sorte dauert das mehrere Wochen.

Im Kurs schaffen Sie an einem Tag in der Regel die Schritte bis zum Anstellen mit Hefe. Gärung und Reifung übernimmt danach die Brauerei, beim mydays-Kurs in Fürth (Odenwald) etwa vier Wochen, bevor Sie Ihr Bier abholen.

Infografik: Vom Malz zum Bier – Die wichtigsten Schritte im Braukurs
Infografik: parifar.com. Quelle: Wikipedia (Bierherstellung)
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Welche Braukurse gibt es?

  • Kurz- oder Schnupperkurs: Einführung in Rohstoffe und Brauprozess, oft mit Verkostung, teils ohne eigenes Mitbrauen.
  • Tageskurs: Sie brauen selbst einen Sud unter Anleitung, meist mit Brauereiführung, Verkostung und Verpflegung.
  • Mehrtägiges Brauseminar: mehr Theorie, etwa zu Rohstoffen, Wasser, Hefeführung und Bierfehlern, oft für Hobbybrauer gedacht, die zu Hause weitermachen wollen.
  • Gruppen- und Firmenkurse: geschlossene Termine, teils mit mobiler Brauanlage an einem Ort Ihrer Wahl.
  • Brau-Reisen: Pakete mit Übernachtung, Braukurs und Rahmenprogramm, meist für Gruppen.

Für wen eignet sich ein Braukurs?

Ein Braukurs passt zu Menschen, die Bier nicht nur trinken, sondern verstehen möchten, und zu allen, die überlegen, selbst zu Hause zu brauen. Vorkenntnisse sind für Einsteigerkurse nicht nötig. Als Gruppenerlebnis funktioniert er gut für Freundeskreise, Vereine und Teams, weil die Wartezeiten beim Maischen und Kochen Raum für Gespräche lassen.

Diese Voraussetzungen sollten Sie beachten:

  • Mindestalter: Weil verkostet wird, legen Anbieter ein Mindestalter fest, meist 16 oder 18 Jahre. Prüfen Sie das vor dem Kauf eines Gutscheins.
  • Kleidung: feste, geschlossene Schuhe und Kleidung, die nass werden und Malzstaub abbekommen darf. Im Sudhaus ist es warm und feucht.
  • Anreise: Planen Sie die Heimfahrt ohne eigenes Auto ein, wenn Sie an der Verkostung teilnehmen.
  • Hygiene: Sauberkeit ist beim Brauen entscheidend, die Brauerei gibt entsprechende Regeln vor.

Was kostet ein Braukurs?

Die Preise hängen von Dauer, Leistungen und der Menge des Biers ab, das Sie mitnehmen. Zwei Beispiele, Stand Oktober 2026:

AngebotLeistungenPreis
Tageskurs in Fürth (Odenwald), über mydaysca. 7 Stunden, Brauereiführung, Selberbrauen, Verkostung, Mittagessen, 8 Liter eigenes Bier nach etwa 4 Wochen, Urkunde89,90 Euro pro Person
Brau-Wochenende in Nesselwang (Allgäu) für Gruppen, über Hirschfeld3 Tage mit 2 Übernachtungen und Frühstück, Braukurs mit Braumeister, Brauereiführung, Menüs, Diplom; ab 10 Personenab 249 Euro pro Person im Doppelzimmer

Vergleichen Sie bei anderen Angeboten, ob Speisen, Getränke und das eigene Bier im Preis enthalten sind und ob Abholung oder Versand extra kosten.

Hobbybrauen zu Hause: Was der Zoll erlaubt

Viele Kursteilnehmer brauen danach zu Hause weiter. Bier unterliegt in Deutschland der Biersteuer, für Haus- und Hobbybrauer gilt aber eine Freimenge. Nach den aktuellen Angaben des Zolls (Stand Oktober 2026) gilt:

  • Freimenge: Sie dürfen im eigenen Haushalt bis zu fünf Hektoliter, also 500 Liter Bier, pro Kalenderjahr steuerfrei brauen.
  • Nur Eigenverbrauch: Das Bier muss für den eigenen Verbrauch bestimmt sein, verkaufen dürfen Sie es nicht.
  • Keine Anzeige vorab: Eine Anmeldung vor dem Brauen ist für Haus- und Hobbybrauer nicht mehr vorgesehen.
  • Über der Freimenge: Wer mehr braut, gibt beim Hauptzollamt eine Steueranmeldung ab (Formular 2075). Für die überschreitende Menge gilt der Regelsteuersatz von 0,787 Euro je Hektoliter und Grad Plato. Beispiel des Zolls: Bei sechs Hektolitern mit 12 Grad Plato fallen für den einen zusätzlichen Hektoliter 9,44 Euro an.
  • Brauen bei Veranstaltungen: Wer zu Vorführzwecken braut, etwa auf einem Dorffest oder im Unterricht, zeigt das vorher formlos beim Hauptzollamt an und meldet die Menge danach mit Formular 2075.

Viele ältere Ratgeber nennen noch 200 Liter und eine Anmeldepflicht beim Hauptzollamt. Diese Regelung ist überholt, maßgeblich sind die aktuellen Angaben auf zoll.de.

Bierbrauen zu Hause | Kochen und Küche
Video: Bierbrauen zu Hause | Kochen und Küche (YouTube-Kanal Kochen & Küche - Genuss seit über 40 Jahren)

Anbieter auswählen und als Geschenk verpacken

  • Mitbrauen oder Zuschauen: Klären Sie, ob die Teilnehmenden selbst Hand anlegen oder ob es eher ein Seminar mit Vorführung ist.
  • Gruppengröße: In kleinen Gruppen kommen Sie häufiger selbst an den Kessel.
  • Eigenes Bier: Wie viele Liter gibt es, wann und wo wird es abgeholt, ist Versand möglich?
  • Bierstil: Manche Anbieter brauen ein festes Rezept, andere lassen die Gruppe mitentscheiden.
  • Unterlagen: Für spätere Hobbybrauer sind Rezept und Kursunterlagen zum Mitnehmen wertvoll.

Als Geschenk ist ein Gutschein mit freier Terminwahl praktisch, weil öffentliche Kurse oft nur an wenigen Tagen stattfinden. Für Paare oder Freunde lohnt sich ein gemeinsamer Termin, beim späteren Abholen des Biers können Sie gleich ein kleines Verkostungstreffen einplanen. Wer lieber gemeinsam isst als braut, findet mit einem Dinner in the Dark eine genussorientierte Alternative, für Gruppen mit Lust auf Spannung ist ein Citythriller eine Idee.

Häufige Fragen zum Braukurs

Kann ich mein Bier am Ende des Kurses mitnehmen?

Meist nicht sofort. Das Bier muss erst gären und reifen, je nach Sorte einige Wochen. Viele Brauereien laden zur Abholung ein oder verschicken die Flaschen.

Brauche ich Vorkenntnisse?

Nein. Einsteigerkurse erklären Rohstoffe und Brauschritte von Grund auf. Für Fortgeschrittene gibt es Seminare mit mehr Theorie.

Darf ich mein selbst gebrautes Bier verschenken?

Die Zollseite stellt klar, dass das steuerfreie Bier für den eigenen Verbrauch bestimmt ist und nicht verkauft werden darf. Zur unentgeltlichen Weitergabe macht sie keine eigene Angabe. Fragen Sie im Zweifel beim zuständigen Hauptzollamt nach.

Wie viel Bier darf ich zu Hause brauen?

Steuerfrei bis zu fünf Hektoliter pro Kalenderjahr. Darüber hinaus fällt Biersteuer an, die Sie beim Hauptzollamt anmelden.

Quellen

Melanie Groß schreibt für parifar über Reisen, Selbermachen und Alltag. Jeder Ratgeber wird mit Quellen geprüft und regelmäßig aktualisiert.