Der Große Knollen ist mit 687 Metern einer der bekanntesten Aussichtsberge im Südharz. Auf seinem Gipfel stehen ein steinerner Aussichtsturm und die Baude Großer Knollen, und von hier reicht der Blick an klaren Tagen vom Brocken bis zum Großen Inselsberg im Thüringer Wald. Dieser Artikel fasst zusammen, was den Berg ausmacht, wie Sie hinaufkommen und was Sie vor dem Besuch wissen sollten.
Hinweis: Die Domain grosserknollen.de gehört nicht zur Baude und ist keine offizielle Seite des Betreibers. Öffnungszeiten der Baude und des Turms erfragen Sie am besten vorher telefonisch.
Der Große Knollen: Lage und Höhe im Südharz
Der Gipfel liegt auf 687,4 Metern über Normalhöhennull im gemeindefreien Gebiet Harz im Landkreis Göttingen (Niedersachsen) und gehört zum Naturpark Harz. Die nächsten Orte sind schnell erreicht:
- Sieber: etwa 3,5 km nördlich
- Scharzfeld: etwa 5 km südwestlich
- Bad Lauterberg im Harz: etwa 5 km südöstlich
- Herzberg am Harz: etwa 6,3 km westsüdwestlich
Rund einen Kilometer südwestlich liegt der Kleine Knollen (631 m). Zwischen beiden Gipfeln entspringt die Bremke, ein Zufluss der Oder. Im Volksmund heißt der Berg oft nur „Knollen“. Eine Straße für den öffentlichen Verkehr führt nicht hinauf, der Gipfel ist nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.
Vom Vulkan zum Aussichtsberg: Geologie und Bergbau
Der Knollen ist ein Überbleibsel des Vulkanismus im Rotliegend, also im Unterperm vor rund 300 bis 257 Millionen Jahren. Erhalten sind vor allem die Förderschlote und Spalten, durch die das Magma aufstieg. Das Gestein ist Rhyolith, früher „Quarzporphyr“ genannt: blassviolett bis rosa, in den Spalten rötlich. Es besteht zu etwa drei Vierteln aus Kalifeldspat und zu einem Fünftel aus Quarz. Baude und Turm stehen auf einem rund 50 Meter mächtigen Rest einer Rhyolith-Decke. Eine Infotafel des UNESCO-Geoparks Harz (Landmarke 5, Geopunkt 9) erklärt das vor Ort.
Etwa 800 Meter östlich des Gipfels lag die Knollengrube. Dort wurde vom 16. Jahrhundert bis 1925 Eisenerz abgebaut. Mit rund 2.500 Tonnen pro Jahr war sie zuletzt die größte und letzte Eisenerzgrube im Südharz, das Erz ging an die Ilseder Hütte.
Der Knollenturm: Geschichte und Aussicht bis zum Inselsberg
Schon 1890 stand auf dem Gipfel ein hölzerner Aussichtsturm von etwa acht Metern Höhe. Nach Unfällen und Blitzschäden baute der Harzklub-Zweigverein Bad Lauterberg einen gemauerten Turm, der im August 1904 eingeweiht wurde. 1961 wurde er auf seine heutige Höhe von 20 Metern aufgestockt. Eine steile Wendeltreppe führt zur Aussichtsplattform, der Aufstieg ist kostenlos.
Oben öffnet sich ein weiter Rundblick:
- Harzgipfel: vom Wurmberg über den Brocken bis zur Hanskühnenburg
- Richtung Süden: Rotenberg und Eichsfeld
- Bei guter Fernsicht: der Große Inselsberg im Thüringer Wald, rund 100 km entfernt, und Höhen des Weserberglands
Für den Turm gibt es ein LEADER-Projekt der Region Osterode am Harz zur Sanierung: Turmhaube und Mauerwerk sollen instand gesetzt werden, dazu kommen eine neue Treppenbeleuchtung und eine neue Stahltür zur Plattform. Während solcher Arbeiten kann der Turm zeitweise gesperrt sein.
Die Baude Großer Knollen: Vom „Knollerich“ bis heute
Eine bewirtschaftete Gaststätte am Turm gab es spätestens in der Zwischenkriegszeit. Am 10. April 1934 brannten Hof- und Gasthausgebäude ab. Ab 1949 bewirtschaftete und baute Fritz Goericke, genannt der „Knollerich“, das Haus wieder auf. Die heutige Baude wurde 1961 eröffnet und später renoviert und erweitert. Baude und Turm gehören der Stadt Herzberg am Harz.
Eine oft erzählte Anekdote: Als Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf Ende der 1950er-Jahre zu Besuch war, gab es oben noch kein Telefon. Er soll mit einer Taschenlampe Morsezeichen in Richtung Hannover geschickt haben.
Seit 1949 haben die Pächter mehrfach gewechselt. 2019 übernahm Sven Wode aus Bad Lauterberg die Baude. Auf der Karte stehen typische Wanderergerichte wie Erbsensuppe, Mettwurst- und Schinkenbrot oder Harzer Roller.
| Baude Großer Knollen | Angaben laut Tourismusportalen |
|---|---|
| Öffnungszeiten | Dienstag bis Sonntag 9–17 Uhr, Montag Ruhetag |
| Telefon | 05585 222 |
| Extras | Ladestation für E-Bike-Akkus, Stempelstelle der Harzer Wandernadel |
Die Angaben können sich ändern. Rufen Sie vor dem Besuch kurz an, besonders im Winter und wenn Sie mit einer Gruppe kommen.
Wanderwege zum Knollen: Von Sieber, Herzberg, Bad Lauterberg und Scharzfeld
Viele Wege führen auf den Knollen, darunter der Europäische Fernwanderweg E6. Die gängigsten Aufstiege:
| Start | Strecke | Charakter |
|---|---|---|
| Sieber | ca. 4 km (einfach) | kürzester Weg, teils steil mit Serpentinen; alternativ durchs Gatzemannstal oder 6 km über den gleichmäßig ansteigenden Forstweg Tiefenbeek |
| Siebertal | ca. 8 km, 3 Std. | rund 400 Höhenmeter |
| Bad Lauterberg (Lutterstraße) | ca. 6,5 km (einfach) | rund 380 Höhenmeter, durchs Heibeektal und an der Hentschel-Köte am Knollenkreuz vorbei |
| Scharzfeld (Parkplatz Einhornhöhle) | ca. 7 km (einfach) | gut 350 Höhenmeter, als BaudenSteig ausgeschildert |
| Herzberg (Bahnhof) | ca. 22,5 km Rundweg, gut 5,5 Std. | über Kleinen Knollen und Jägerfleck, zurück durchs Siebertal |
| St. Andreasberg | ca. 12 km (einfach) | Kammweg meist über 600 Meter Höhe |
Harzer BaudenSteig: Die 3. Etappe von Sieber nach Bad Lauterberg ist 14,75 km lang (etwa 5 Stunden, mittelschwer). Sie führt über Gatzemannstal und Otto-Hermann-Hütte zum Knollen, dann über Hentschel-Köte, Forsthaus Hohensee, Bismarckturm und Hausberg nach Bad Lauterberg. Der leichtere BaudenSteig-Rundweg Nr. 4 startet am Parkplatz Tiefenbeek in Sieber: 10,9 km, etwa 3,5 Stunden, über die Knollenstraße hinauf und über Jägerfleck und Invalidenweg hinab ins Siebertal, vorbei am Gasthaus „Zum Paradies“.
Wandernadel, BaudenSteig und Mountainbike: Tipps für den Besuch
- Harzer Wandernadel: Am Gipfel liegt die Stempelstelle Nr. 150 „Großer Knollen“. In der Nähe finden Sie Nr. 152 am Knollenkreuz und Nr. 151 an der Burgruine Scharzfels.
- Mountainbike: Der Knollen liegt an Strecken der Volksbank Arena Harz, etwa der schweren Runde HE1 „Tour der Giganten“ ab Herzberg (41,7 km, rund 4,5 Stunden) über Hanskühnenburg und Großen Knollen.
- E-Bike: An der Baude können Sie den Akku laden.
- Fernsicht: Die beste Sicht gibt es an klaren, trockenen Tagen, oft im Herbst und nach Kaltfronten.
- Ausrüstung: Die Aufstiege von Sieber sind teils steil, festes Schuhwerk lohnt sich.
Wer gern Aussichtspunkte mit Geschichte besucht, findet auf Parifar auch einen Beitrag zur Teufelstalbrücke in Thüringen.
Quellen
- Wikipedia: Großer Knollen
- Ergin (1978): Alkalirhyolithgänge im Gebiet des Großen Knollen
- Harzer Wandernadel: Stempelstelle 150 Großer Knollen
- Ausflugsziele Harz: Großer Knollen bei Herzberg
- Harz-Beat: Die Baude Großer Knollen
- Outdooractive: Baude Großer Knollen
- Wikivoyage: Scharzfeld
- Harzinfo: Harzer BaudenSteig, Etappe 3
- Harzinfo: BaudenSteig-Rundweg Nr. 4 Sieber
- Harzinfo: HE1 Tour der Giganten
- Volksbank Arena Harz: Akku laden am Großen Knollen
- LEADER-Region Osterode am Harz: Projekte





