Die Teufelstalbrücke führt die A4 rund zwei Kilometer westlich des Hermsdorfer Kreuzes über das Teufelstal. Die erste Brücke von 1938 war mit 138 Metern Bogenspannweite damals die siebtgrößte Stahlbeton-Bogenbrücke der Welt. Heute stehen an ihrer Stelle zwei neue Bogenbrücken in derselben Form. Dieser Artikel erklärt, wie die alte Brücke gebaut wurde, warum sie trotz Denkmalschutz abgerissen wurde und was das Teufelstal heute zu bieten hat.
Die Brücke im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Lage | A4 zwischen Hermsdorfer Kreuz und Jena, rund 2 km westlich des Kreuzes |
| Bauweise | Stahlbeton-Bogenbrücke |
| Bogenspannweite | 138 m |
| Höhe über dem Tal | rund 53–54 m |
| Gesamtlänge | rund 253 m |
| Alte Brücke | gebaut 1936–1938, abgerissen 1999 |
| Neue Brücken | Südbrücke 1996–1998, Nordbrücke bis 2002 |
Der Bau 1936–1938
Gebaut wurde die erste Teufelstalbrücke von Juni 1936 bis August 1938 von der Firma Grün & Bilfinger. Sie bestand aus zwei Teilbauwerken, je eines pro Fahrtrichtung, und kostete rund 2,1 Millionen Reichsmark. Im August 1938 wurde sie vollständig für den Verkehr freigegeben.
An der Planung waren einige der bekanntesten Bauingenieure der Zeit beteiligt:
- Den Vorentwurf lieferte das Brückenbüro der Obersten Bauleitung in Halle unter Mitwirkung von Arnold Agatz.
- Paul Bonatz, Architekt vieler Reichsautobahnbrücken, war wahrscheinlich für die Gestaltung verantwortlich.
- Emil Mörsch beriet bei der Statik, Franz Dischinger prüfte die Bögen und Otto Graf untersuchte das Langzeitverhalten des Betons.
Die Bögen waren 7,05 Meter breit und am Kämpfer, also am Auflager, 2,8 Meter stark, im Scheitel 1,3 Meter. Betoniert wurde auf einem großen Lehrgerüst aus Holz, das nach dem ersten Bogen seitlich verschoben und für den zweiten wiederverwendet wurde. Nach dem Bau bearbeiteten Steinmetze die Betonoberfläche von Hand, damit sie wie Naturstein wirkte. Die Fahrbahn ruhte ursprünglich auf zwölf Stützen pro Bogen.
Zu schmal für die Zukunft: Abriss eines Denkmals
Für eine Zerstörung der Brücke im Zweiten Weltkrieg gibt es keine Belege; anders als die Saalebrücke bei Jena, die im April 1945 gesprengt wurde, blieb sie offenbar stehen. Sechs Jahrzehnte lang trug sie den Verkehr der A4, nach 1990 einen stark wachsenden.
Beim sechsstreifigen Ausbau der A4 in den 1990er-Jahren galt die alte Brücke als zu schmal und nicht mehr sanierungsfähig. Deshalb entstand von 1996 bis 1998 zunächst eine neue Südbrücke, wieder auf einem Holzlehrgerüst und in der gleichen Bogenform, aber mit doppelt so großem Abstand der Stützwände. Sie wurde im Mai 1998 übergeben.
1999 wurde die alte Brücke abgerissen, obwohl sie unter Denkmalschutz stand. Bis 2002 entstand an ihrer Stelle die Nordbrücke im gleichen Typ, rund 53 Meter hoch. Heute überspannen zwei parallele Stahlbetonbögen mit je 138 Metern das Tal – die Form der Brücke von 1938 ist also erhalten geblieben, die Substanz nicht.
Das Teufelstal heute
Das Teufelstal gehört zum FFH-Schutzgebiet „Zeitzgrund – Teufelstal – Hermsdorfer Moore“, einem europäischen Naturschutzgebiet mit Mooren, Bachtälern und Wäldern. Von den Wanderwegen im Tal sieht man die Brücken von unten; die Perspektive auf die hohen Bögen ist eindrucksvoller als die Überfahrt.
Im benachbarten Zeitzgrund liegt außerdem ein historischer Pechofen, ein Zeugnis des alten Waldgewerbes, in dem aus Baumharz Pech gewonnen wurde.
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