Hermsdorf (Thüringen) 1

Hermsdorf in Thüringen: Keramikstadt am Hermsdorfer Kreuz

Die meisten Menschen kennen Hermsdorf nur vom Verkehrsfunk: Am Hermsdorfer Kreuz treffen die A4 und die A9 aufeinander. Dabei hat die Kleinstadt im Osten Thüringens mehr zu bieten – eine über 850 Jahre alte Ortsgeschichte, eine prägende Keramikindustrie und ein technisches Museum, das man hier nicht erwarten würde.

Hermsdorf auf einen Blick

BundeslandThüringen
LandkreisSaale-Holzland-Kreis
Einwohnerrund 8.200 (Stand 2022)
Lagezwischen Jena und Gera, jeweils etwa 20 bis 25 km entfernt
Erste Erwähnung1173
Stadtrechtseit 7. Oktober 1969
Bekannt fürTechnische Keramik, Hermsdorfer Kreuz (A4/A9)
PartnerstädteLahnstein und Grünstadt (Rheinland-Pfalz)

Geschichte: vom Rastplatz an der Handelsstraße zur Industriestadt

Hermsdorf ist seit 1173 belegt, eine weitere Urkunde nennt den Ort 1256. Schon im Mittelalter lag er an einem Verkehrsweg: Der Gasthof „Zum Schwarzen Bär“ ist bereits 1170 urkundlich nachgewiesen. Das heutige Gebäude wurde 1646 auf den Grundmauern der älteren Herberge neu errichtet.

Den eigentlichen Aufschwung brachte die Eisenbahn. Mit dem Bau der Strecke Weimar–Gera in den Jahren 1872 bis 1876 begann die Industrialisierung. Das Dorf wuchs zu einem Standort der Porzellan- und Keramikindustrie heran. Wie der Ort in den 1920er-Jahren auf die Wohnungsnot reagierte, zeigt der Wohnblock Am Neuen Haus von Thilo Schoder.

Zur Geschichte gehört auch ein dunkles Kapitel: Im Zweiten Weltkrieg mussten in Hermsdorf 3.586 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus 15 Nationen arbeiten, die meisten davon in den Isolatorenwerken der Hescho. Bei US-Luftangriffen vom 9. bis 11. April 1945 kamen 13 Menschen ums Leben.

Das Stadtrecht erhielt Hermsdorf vergleichsweise spät: am 7. Oktober 1969.

Keramik aus Hermsdorf

Kein Wirtschaftszweig hat Hermsdorf so geprägt wie die Keramik. Die Hescho (Hermsdorf-Schomburg-Isolatoren-Gesellschaft) stellte Isolatoren aus Porzellan für die Elektrotechnik her. Zu DDR-Zeiten wurde daraus der Großbetrieb VEB Keramische Werke Hermsdorf (KWH), der den Ort über Jahrzehnte bestimmte.

Nach 1990 führte die Tridelta AG den Betrieb weiter. Auf dem ehemaligen Werksgelände hat sich inzwischen ein Mix aus kleinen und mittelständischen Unternehmen angesiedelt. Dass die Keramik-Tradition weiterlebt, zeigt die Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS), die in Hermsdorf zu technischer Keramik forscht. Die ganze Geschichte von der Porzellanfabrik bis heute lesen Sie in unserem Artikel zur Industriegeschichte Hermsdorf.

Das Hermsdorfer Kreuz

Das Hermsdorfer Kreuz verbindet die A4 (Frankfurt am Main–Dresden) mit der A9 (Berlin–München). Es besteht in seiner Grundform seit Dezember 1936 und ist damit das zweitälteste Autobahnkreuz Deutschlands.

  • 1989: rund 15.000 Fahrzeuge pro Tag
  • 1989 bis 1992: Umbau für 190 Millionen D-Mark, Verkehrsfreigabe am 15. Dezember 1992
  • 2015: etwa 113.000 Fahrzeuge pro Tag

Ein Überbleibsel aus der Anfangszeit ist der historische Autobahn-Rasthof Hermsdorfer Kreuz, gebaut ab 1936 und 1938 eröffnet. Rund zwei Kilometer westlich überspannt die Teufelstalbrücke das Teufelstal, an der A9 bei Triptis liegt die Raststätte Rodaborn. Hermsdorf hat heute drei eigene Autobahnanschlüsse.

Sehenswürdigkeiten

  • Technische Sammlung Hermsdorf: ein Vereinsmuseum im Rathaus, das die Technik- und Industriegeschichte des Ortes zeigt.
  • Großmeßsender Hermsdorf: ein funktionsfähiger Hochspannungs-Messsender von 1941 mit bis zu 40 Kilowatt Leistung – ein seltenes Technikdenkmal.
  • Gasthof „Zum Schwarzen Bär“: das historische Gasthaus an der alten Handelsstraße.
  • St.-Salvator-Kirche: die Stadtkirche, deren Vorgängerbau ins 12. Jahrhundert zurückreicht.
  • Historischer Autobahn-Rasthof: ein Zeugnis der frühen Autobahngeschichte, gebaut ab 1936.

Anreise

Mit dem Auto: über das Hermsdorfer Kreuz; die Stadt hat drei Anschlussstellen an A4 und A9.
Mit der Bahn: Der Bahnhof Hermsdorf-Klosterlausnitz liegt an der Strecke Weimar–Gera.

Lohnt sich ein Stopp?

Für einen ganzen Urlaub ist Hermsdorf zu klein. Als Zwischenstopp auf einer Fahrt über die A4 oder A9 lohnt sich die Stadt aber: Wer sich für Technikgeschichte interessiert, findet mit der Technischen Sammlung und dem Großmeßsender zwei ungewöhnliche Ziele, und nach Jena und Gera ist es nicht weit.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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