Die Raststätte Rodaborn an der A9 bei Triptis gilt als erste Autobahnraststätte Deutschlands. Ihre Geschichte ist ungewöhnlich: Sie begann als Walderholungsheim an einer angeblichen Radiumquelle, wurde 1936 zur Raststätte, in der DDR zum Devisen-Rasthof mit Intershop und nach 2004 zum Schauplatz eines bundesweit beachteten „Bratwurststreits“. Hier finden Sie die wichtigsten Stationen und den aktuellen Stand.
Lage
Rodaborn liegt auf der Wittchensteiner Höhe im Stadtwald, rund zwei Kilometer nördlich von Triptis im Saale-Orla-Kreis. Erreichbar ist das Gelände über den Triptiser Ortsteil Oberpöllnitz. Bis zum Hermsdorfer Kreuz sind es etwa 20 Kilometer nach Norden.
Eine Heilquelle im Stadtwald
An der Stelle entspringt die Roda, ein 33,6 Kilometer langer Fluss, der südlich von Jena in die Saale mündet. Mitte der 1920er-Jahre untersuchten Wissenschaftler der Universität Jena das Quellwasser und stellten gelöstes Radon fest, damals „Radiumemanation“ genannt. Die Quelle galt deshalb als Heilquelle; auf alten Postkarten heißt sie „Radiumquelle“. Eine spätere Nachmessung durch einen Hobbyforscher ergab allerdings keine auffällig erhöhte Strahlung.
Triptiser Bürger gründeten daraufhin eine Genossenschaft, der Handwerker, Gewerbetreibende, Industrielle und die Stadt angehörten. 1928 eröffnete sie ein Walderholungsheim mit Ausflugsgaststätte.
Von der Ausflugsgaststätte zur Autobahnraststätte
Von 1934 bis 1936 wurde die Reichsautobahn Leipzig–Nürnberg gebaut, und sie führte direkt an Rodaborn vorbei. Am 20. Dezember 1936 eröffnete das Haus als Autobahnraststätte. Betreiber war nicht die Reichsautobahn-Gesellschaft, sondern weiterhin ein privater Pächter.
Ob Rodaborn damit wirklich die „erste Autobahnraststätte Deutschlands“ war, hängt von der Definition ab. Rodaborn war ein umgenutztes Ausflugslokal. Das Rasthaus am Chiemsee gilt dagegen als erste große, eigens für die Autobahn gebaute Raststätte; es öffnete erst 1938 (manche Quellen nennen 1937). Die Stadt Triptis und Wikipedia nennen Rodaborn die erste Autobahnraststätte.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1928 | Eröffnung als Walderholungsheim mit Gaststätte |
| 1936 | Eröffnung als Autobahnraststätte am 20. Dezember |
| 1938 | Erweiterung auf 250 Plätze |
| ab 1939 | Halt der Reichsbahn-Schnellbusse Berlin–München |
| 1959 | Übergang an die Stadt Triptis, Verpachtung an die staatliche HO |
| 1981–1986 | Schließung und Sanierung |
| 1986 | Wiedereröffnung als Mitropa-Transitraststätte mit Intershop |
| 2004 | Schließung wegen des sechsstreifigen Ausbaus der A9 |
| 2009 | Verkauf der Immobilie durch den Bund an private Käufer |
| 2023 | Schließung des Ausflugsrestaurants im Juni |
Im Krieg blieb das Haus unbeschädigt. Bis Ende der 1950er-Jahre gab es zwölf Gästezimmer.
Devisen, Intershop und Stasi
Nach der Sanierung eröffnete die Mitropa die Raststätte 1986 als Transitraststätte. Bedient wurden nur Reisende im Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin, bezahlt wurde in D-Mark. Dazu gehörte ein Intershop. DDR-Bürgern war der Zutritt verboten, Volkspolizei und Staatssicherheit kontrollierten das Gelände.
Nach der Wende betrieb die Mitropa AG bis 1998 einen Reiseshop mit rund 30 Mitarbeitern. Am 30. Juni 2004 schloss die Raststätte endgültig, weil die A9 sechsstreifig ausgebaut wurde. Eine Petition an den Bundestag änderte daran nichts.
Der Bratwurststreit
2009 kaufte ein Ehepaar die Immobilie vom Bund. Ab 2010 verkauften die neuen Besitzer Thüringer Bratwurst über den rund zwei Meter hohen Zaun an Autofahrer auf dem Parkplatz – Kunden machten sich per Glocke oder Zuruf bemerkbar. Daher stammt der Name „Bratwurst über den Zaun“, unter dem Rodaborn in vielen Restaurantverzeichnissen steht.
2013 untersagte das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr den Verkauf und drohte ein Zwangsgeld an. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit:
- Mai 2016: Das Verwaltungsgericht Gera weist die Klage ab. Der Verkauf über den Zaun sei eine erlaubnispflichtige Sondernutzung der Autobahn.
- Mai 2017: Das Oberverwaltungsgericht in Weimar lässt die Berufung nicht zu.
- Juni 2018: Auch ein zweites Verfahren um eine Sondernutzungserlaubnis scheitert vor dem Verwaltungsgericht Gera.
Der Fall wurde sogar im Ausland aufgegriffen; das Schweizer Fernsehen SRF berichtete 2016 vom „Bratwurstkrieg“.
Rodaborn heute
Im Juni 2023 hat die Besitzerin das Ausflugsrestaurant geschlossen. Gebäude und Grundstück stehen seitdem zum Verkauf, ein Imbiss auf dem Gelände soll weiterlaufen. Eine offizielle Website der Raststätte gibt es nicht mehr. Ob der Imbiss geöffnet hat, sollten Sie vor einem Umweg kurz prüfen.
Lohnend ist der Wanderweg Rodaborn der Stadt Triptis: rund sieben Kilometer, etwa zwei Stunden, Start am Bahnhof Triptis. Der Weg führt zur Roda-Quelle, deren Sanierung geplant ist.
Mehr zur Autobahngeschichte der Region lesen Sie in unseren Artikeln zum Rasthof Hermsdorfer Kreuz und zur Teufelstalbrücke.
Quellen
- Wikipedia: Rodaborn
- Stadt Triptis: Wanderweg Rodaborn
- Wikipedia: Autobahnrasthof
- Gemeinde Bernau am Chiemsee: Reichsautobahn und Rasthaus Chiemsee
- VerkehrsRundschau: Raststätten-Rebellin verkauft weiter Bratwurst
- VerkehrsRundschau: Neue Runde im Bratwurststreit
- SRF: In Deutschland tobt ein Bratwurstkrieg
- Geigerzählerforum: Radiumquelle Rodaborn
- LTO: OVG Thüringen – Aus für Bratwurst-Stand an der A9


