Wer am Hermsdorfer Kreuz von der A9 abfährt, sieht südwestlich des Kreuzes ein auffällig massives Gebäude mit Sandsteinsäulen. Es ist der historische Autobahn-Rasthof Hermsdorfer Kreuz, gebaut ab 1936 zusammen mit dem Kreuz selbst und 1938 eröffnet. Er ist einer der ältesten erhaltenen Rasthöfe der Reichsautobahn und gilt als Kulturdenkmal. Dieser Artikel erzählt seine Geschichte – von der Planung als „größte Raststätte Deutschlands“ über die Mitropa-Jahre in der DDR bis heute.
Das Hermsdorfer Kreuz: zweitältestes Autobahnkreuz Deutschlands
Das Hermsdorfer Kreuz verbindet die A4 (Frankfurt am Main–Dresden) mit der A9 (Berlin–München). In seiner Grundform, einem Kleeblatt, existiert es seit Dezember 1936. Es entstand als Teil der durchgehenden Autobahn von Berlin nach München und ist nach dem Schkeuditzer Kreuz bei Leipzig das zweitälteste Autobahnkreuz Deutschlands.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1936 | Das Kreuz geht in Grundform (Kleeblatt) in Betrieb |
| 1938 | Der Rasthof wird am 5. November öffentlich eröffnet |
| 1989 | rund 15.000 Fahrzeuge pro Tag |
| 1989–1992 | Umbau für 190 Millionen D-Mark: drei neue Brücken, 2,5 km Lärmschutzwand, 24 km modernisierte Autobahn; Freigabe am 15. Dezember 1992 |
| 2015 | rund 113.000 Fahrzeuge pro Tag (Zählung der Bundesanstalt für Straßenwesen) |
Der Umbau nach der Wende wurde ein Jahr früher fertig als geplant. Ein weiterer Ausbau auf sechs Fahrstreifen mit einer zusätzlichen Rampe von Erfurt Richtung Berlin ist seit Jahren geplant, wurde aber mehrfach verschoben.
Ein Rasthof im Stil der Reichsautobahn
Der Rasthof wurde zusammen mit dem Kreuz geplant. Er war als Typ „Rasthof“ gedacht, also mit Übernachtung – vor allem für Fernfahrer. Einen ersten Entwurf mit Sandstein und Fachwerk lieferte der Berliner Architekt Friedrich Tamms, der von 1935 bis 1939 als beratender Architekt beim Reichsautobahnbau tätig war. Ausgeführt wurde das Gebäude aber im monumentalen Stil der Zeit.
Die Pläne waren groß: Nach lokaler Überlieferung sollte hier die größte Autobahnraststätte Deutschlands entstehen. Bis 1940 wurden zwei Tankstellen, eine Fußgängerunterführung und der Ostflügel des Rast- und Motelgebäudes fertig. Der Rest wurde wegen des Krieges nie gebaut. In den letzten Kriegstagen war im Rasthof Personal des „Transportkorps Speer“ einquartiert.
Um ein angebliches „Hitler-Zimmer“ ranken sich bis heute Geschichten. Ob Hitler hier je übernachtet hat, ist nicht belegt.
Was vom Original erhalten ist
- Sandsteinfenstergewände, Sandsteinsäulen und ein monumentaler Eingang
- Außenleuchten aus dem Jahr 1937
- eine Kassettendecke im Innern
- die nahezu originale Fußgängerunterführung
- Teile der Originalausstattung
Mitropa und Transitverkehr: die DDR-Jahre
In der DDR lag das Hermsdorfer Kreuz an der wichtigsten Transitstrecke zwischen West-Berlin und Bayern. Den Rasthof betrieb die Mitropa; alte Ansichtskarten mit der Aufschrift „HO Rasthof Hermsdorfer Kreuz“ deuten darauf hin, dass zeitweise auch die staatliche Handelsorganisation HO zuständig war. Die Hotelrezeption stammt aus den 1970er-Jahren. In dieser Zeit wurden auch die alten Tankstellen durch Typenbauten des Mineralölbetriebs MINOL ersetzt; ein Mitropa-Kiosk ist bis heute erhalten.
Eine ähnliche Transitgeschichte hat die nur rund 20 Kilometer entfernte Raststätte Rodaborn bei Triptis, die ab 1986 nur gegen D-Mark bewirtete.
Der Rasthof heute
Das Restaurantgebäude gilt als Kulturdenkmal und ist weitgehend im Originalzustand. Zuletzt wurde es als „Rasthof & Motel Hermsdorfer Kreuz“ geführt; die Adresse lautet Am Rasthof 1, 07629 Schleifreisen. Der örtliche Heimatverein zeigte hier zeitweise ein kleines Museum, unter anderem mit einer Krupp-Registrierkasse und einem Fernschreiber.
Zum aktuellen Betrieb gibt es widersprüchliche Angaben: Laut Wikipedia war der Rasthof 2025 ungenutzt, einige Hotelportale führen das Motel dagegen weiter. Wer hinfahren möchte, sollte vorher bei der Stadt Hermsdorf oder vor Ort nachfragen. Von außen lässt sich das Gebäude an der Ausfahrt Hermsdorf-Süd jederzeit ansehen.
Ausflugsziele rund ums Kreuz
- Teufelstalbrücke: die große Bogenbrücke der A4, rund zwei Kilometer westlich des Kreuzes
- Industriegeschichte Hermsdorf: Porzellanfabrik, Hescho und KWH, dazu die Technische Sammlung im Rathaus
- Am Neuen Haus: ein Wohnblock des Neuen Bauens von Thilo Schoder aus dem Jahr 1927
- Einen Überblick über die Stadt gibt unser Porträt Hermsdorf in Thüringen.


