project peace: das Bildungsjahr für Frieden, Ökologie und Gemeinschaft

project peace war ein freies Bildungs- und Entwicklungsjahr für junge Erwachsene, meist zwischen 18 und 25 Jahren. Ab 2011 lebten jedes Jahr kleine Gruppen zusammen, beschäftigten sich mit Friedensarbeit, Ökologie und Gemeinschaft und gingen für mehrere Monate in Projekte im In- und Ausland. Dieser Artikel stellt das Konzept und die Geschichte vor und zeigt, welche Orientierungsjahre es heute für junge Menschen gibt.

Kloster Schlehdorf am Kochelsee
Kloster Schlehdorf am Kochelsee, der erste Standort von project peace. Foto: Rufus46, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Hinweis: Die frühere Domain projectpeace.de wird nicht mehr vom Verein betrieben. Den letzten öffentlich ausgeschriebenen Jahrgang haben wir für 2022/23 gefunden; ob das Programm weiterläuft, ist uns nicht bekannt.

Das Konzept: ein Jahr für Frieden, Ökologie und Kulturwandel

project peace verstand sich als „Studien- und Praxisjahr“ für junge Menschen, die nach Schule oder Ausbildung Orientierung suchten und sich für eine friedlichere, nachhaltigere Gesellschaft engagieren wollten. Getragen wurde es vom gemeinnützigen Verein project peace e.V. Das Programm war politisch und religiös unabhängig und arbeitete mit Partnern wie dem Katharina-Werk in Basel zusammen.

Typische Inhalte waren:

  • Friedensarbeit und Gewaltfreie Kommunikation
  • Ökologie, Permakultur und die „Tiefenökologie“ nach Joanna Macy
  • Wirtschaft und gesellschaftlicher Wandel
  • Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung
  • Gemeinschaftsbildung und Forumtheater

In späteren Jahrgängen war das Programm in fünf Perspektiven gegliedert: Persönlichkeitsentwicklung, Gemeinschaft, Politik, Ökologie und Spiritualität.

Ablauf des Jahres

PhaseDauerInhalt
Gemeinsames Leben und Lernenca. 3 MonateThemenwochen, Seminare und Alltag in der Gruppe
„UnterwegsZeit“ca. 6 MonateMitarbeit in Projekten in Deutschland oder im Ausland
Rückkehr und Reflexionca. 2 MonateErfahrungen auswerten und in den Alltag mitnehmen

Die Gruppen umfassten meist 10 bis 15, maximal 16 Teilnehmende. Eine Teilnehmerin des Jahrgangs 2018/19 berichtete von Themenwochen zu Gewaltfreier Kommunikation, Aktivismus und Permakultur, einer Friedenswoche in Bosnien und einem Besuch im Hambacher Forst. Ihre UnterwegsZeit verbrachte sie unter anderem im Projekt Klein Jasedow in Vorpommern. Das Jahr war kostenpflichtig; Höhe und Finanzierung der Beiträge sind in den Quellen nicht genannt, der Verein warb um Spenden und Patenschaften.

Geschichte: von Schlehdorf nach Sulzbrunn

  • 2011: Start des ersten Jahrgangs, damals im Umfeld der Münchner Sinn-Stiftung.
  • Bis 2017: Sitz auf dem KlosterGut Schlehdorf am Kochelsee in Oberbayern.
  • Ab Ende 2017/2018: Umzug in die Gemeinschaft Sulzbrunn bei Sulzberg im Oberallgäu, ins Haus „Villa Damai“.
  • 2019: Mitorganisation des 1. Sulzbrunner Symposiums „Rebell*innen des Friedens“.
  • 2020: Start des 10. Jahrgangs mit neuem Team; die Altersspanne wurde zeitweise erweitert.
  • 2021: nach Angaben eines offenen Briefs über 100 Teilnehmende seit der Gründung.
  • 2022/23: zehnmonatiger Jahrgang von September 2022 bis Juli 2023 in Sulzbrunn.

Die Gründerin Adelheid Tlach-Eickhoff

Gegründet wurde project peace von Adelheid Tlach-Eickhoff. Die Montessori-Pädagogin war in der interreligiösen Friedensarbeit aktiv, leitete internationale Peacecamps mit und gründete eine freie Schule mit. Sie lebt in der Gemeinschaft Sulzbrunn. Als Schirmherr unterstützte der Publizist Geseko von Lüpke das Projekt.

Kritik ehemaliger Teilnehmender

2021 veröffentlichten ehemalige Teilnehmende einen offenen Brief, über den das Rechercheportal „Allgäu ⇏ rechtsaußen“ berichtete. Sie warfen dem Projekt vor, zu nachlässig mit verschwörungsideologischen und antisemitischen Inhalten in einer Alumni-Gruppe umgegangen zu sein, kritisierten einzelne Programminhalte und forderten eine Antidiskriminierungsklausel in der Satzung. Ein Vorstandsmitglied erklärte damals, es sei „schon einiges in Bewegung“. Es handelt sich um Vorwürfe aus dem Brief, nicht um festgestellte Tatsachen.

Alternativen: Orientierungsjahre und Freiwilligendienste heute

Wer heute ein Jahr für Orientierung und Engagement sucht, hat mehrere etablierte Möglichkeiten:

FormatAlterDauerBesonderheiten
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)bis 276–18 Monate, meist 12mindestens 25 Seminartage bei 12 Monaten, Taschengeld
Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)bis 276–18 Monate, meist 12Einsatz in Natur- und Umweltschutz
Bundesfreiwilligendienst (BFD)keine Obergrenze6–18 Monate, meist 12Taschengeld-Obergrenze 2026: 676 Euro im Monat
kulturweit18–266 oder 12 MonateKulturfreiwilligendienst im Ausland der Deutschen UNESCO-Kommission

Jedes Jahr nehmen fast 55.000 junge Menschen an einem FSJ oder FÖJ teil. Anders als ein freies Bildungsjahr wie project peace sind diese Dienste gesetzlich geregelt, sozialversichert und für Teilnehmende kostenlos. Wer stärker an Gemeinschaftsleben und persönlicher Entwicklung interessiert ist, findet außerdem Seminarangebote von Gemeinschaften und Transition-Initiativen.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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