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Strickanleitung umdrehen: Raglan-Strickjacke von oben stricken

Melanie Groß
Redaktion parifar
Aktualisiert am 24.10.20266 Min. Lesezeit3 Quellen geprüft

Eine Strickanleitung von unten nach oben lässt sich umdrehen, indem Sie mit der letzten Maschenzahl am Halsausschnitt beginnen und jede Abnahme durch eine Zunahme ersetzen. Am einfachsten gelingt das bei einer Raglan-Strickjacke: Sie schlagen am Hals an, nehmen entlang von vier Raglanlinien zu, legen die Ärmel still und stricken Körper und Ärmel nach unten weiter. Der große Vorteil: Sie können während der Arbeit anprobieren und Länge sowie Weite anpassen.

Hände arbeiten an einem grauen Strickteil
Strickteile lassen sich auch von oben nach unten arbeiten. Foto: Pixabay (Pixabay-Inhaltslizenz)

Prinzip: Was sich beim Umdrehen ändert

Beim Raglanärmel verlaufen die Nähte schräg von der Achsel bis zum Halsausschnitt. Er ist nach Lord Raglan benannt, der einen Mantel mit so angesetzten Ärmeln trug. Beim Stricken von oben (in Anleitungen oft RVO, „Raglan von oben“) entstehen diese Linien ohne Naht, weil Sie alle Teile in einem Stück arbeiten. Die Tabelle zeigt, wie Sie Elemente einer Anleitung von unten übertragen.

Anleitung von untenUmgedreht: von oben
Anschlag am SaumAnschlag am Halsausschnitt mit der Maschenzahl, die von unten am Hals übrig bleibt
Raglanabnahmen, z. B. in jeder 2. ReiheRaglanzunahmen im selben Rhythmus und in gleicher Anzahl
Abgekettete Maschen unter der AchselNeu angeschlagene Maschen unter der Achsel
Ärmelzunahmen vom Handgelenk zum OberarmÄrmelabnahmen vom Oberarm zum Handgelenk
Bündchen am Anfang, Halsblende am SchlussHalsblende am Anfang oder Schluss, Bündchen zuletzt, elastisch abketten
Rechts und links geneigte Abnahmen an den RaglanlinienRechts und links geneigte Zunahmen aus dem Querfaden, damit die Linien symmetrisch bleiben

Symmetrische Muster wie Rippen, Perlmuster oder Zöpfe sehen in beiden Richtungen gleich aus. Lochmuster mit Blättern, Bildmotive oder Farbmuster stehen dagegen auf dem Kopf. Zeichnen Sie das Diagramm dafür von oben nach unten neu oder suchen Sie eine Anleitung, die von vornherein von oben arbeitet.

Material, Maschenprobe und Maße

MaterialBeispiel für diese Anleitung
GarnKategorie 3 (Light/DK), z. B. Merino oder Wollmischung
NadelnRundnadel 4 mm (80 cm) für Passe und Körper, 3,5 mm für Bündchen und Blenden, Nadelspiel oder lange Rundnadel für Magic Loop an den Ärmeln
Maschenprobe22 Maschen und 30 Reihen glatt rechts = 10 × 10 cm (Beispielwert)
Zubehör5 Maschenmarkierer (einer farbig), 2 Maschenraffer oder Restfäden, Knöpfe, Wollnadel
Garnmengenach Banderole und Größe; für eine Jacke mehrere Knäuel derselben Farbpartie

Die Maschenprobe ist bei einer Jacke Pflicht. Stricken Sie mindestens 14 × 14 cm, waschen oder feuchten Sie die Probe an und messen Sie in der Mitte. Als Orientierung für die Körpermaße nennt das Craft Yarn Council für Damengröße M einen Brustumfang von 91,5–96,5 cm, einen Oberarmumfang von 28 cm und eine Armlochtiefe von 17,5–19 cm. Eine Jacke braucht zusätzlich Bewegungsweite.

Beispielrechnung für Größe M

Die folgenden Zahlen gelten für die Beispiel-Maschenprobe. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein, das Verfahren bleibt gleich.

  • Anschlag am Hals: 88 Maschen (etwa 40 cm). Einteilung: Vorderteil 14 M, Raglanmasche 1 M, Ärmel 14 M, Raglanmasche 1 M, Rücken 28 M, Raglanmasche 1 M, Ärmel 14 M, Raglanmasche 1 M, Vorderteil 14 M.
  • Phase 1: 26-mal in jeder Hinreihe 8 Maschen zunehmen, je eine vor und nach jeder Raglanmasche. Danach: Vorderteile je 40 M, Ärmel je 66 M, Rücken 80 M.
  • Phase 2: 7-mal in jeder Hinreihe nur am Körper zunehmen (4 Maschen pro Reihe), die Ärmel bleiben bei 66 M. Danach: Vorderteile je 47 M, Rücken 94 M, insgesamt 324 M.
  • Raglantiefe: 66 Reihen, also rund 22 cm. Sie ist länger als die Armlochtiefe, weil die Linie am Hals beginnt.
  • Körperweite: 47 + 94 + 47 + 4 Raglanmaschen + 2 × 9 neue Achselmaschen = 210 M, das sind etwa 95,5 cm, mit Knopfblende rund 98,5 cm.
  • Oberarm: 66 + 9 Achselmaschen = 75 M, etwa 34 cm.
Rucki Zucki RVO / Strickjacke Raglan von Oben / Teil 1 / Maschenprobe & Berechnung
Video: Rucki Zucki RVO / Strickjacke Raglan von Oben / Teil 1 / Maschenprobe & Berechnung (YouTube-Kanal Woolhouse - Stricken, Häkeln & mehr)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Mit der Rundnadel 4 mm 88 Maschen locker anschlagen. Ein zu fester Anschlag ist der häufigste Grund, warum der Kopf später nicht durch den Halsausschnitt passt.
  2. Eine Rückreihe links stricken und dabei die vier Raglanmaschen mit Markierern kennzeichnen.
  3. Optional den Nacken erhöhen: Über die Rückenmaschen 2 bis 3 Paar verkürzte Reihen stricken, damit die Jacke hinten nicht nach unten rutscht.
  4. Zunahme-Hinreihe Phase 1: bis zur Raglanmasche stricken, 1 M aus dem Querfaden verschränkt zunehmen, Raglanmasche rechts, 1 M zunehmen. An allen vier Linien wiederholen. Rückreihen links. 26-mal arbeiten.
  5. Phase 2: Zunahmen nur auf der Körperseite der Raglanmaschen setzen, also vor der ersten, nach der zweiten, vor der dritten und nach der vierten Raglanmasche. 7-mal arbeiten.
  6. Anprobieren: Die Passe sollte bis unter die Achsel reichen. Fehlt Tiefe, 1 bis 2 Zunahmereihen ergänzen; das ändert die Weite nur leicht.
  7. Trennen: Vorderteil stricken, die 66 Ärmelmaschen auf einen Restfaden legen, 9 Maschen für die Achsel neu anschlagen, Rücken stricken, zweiten Ärmel stilllegen, 9 Maschen anschlagen, Vorderteil stricken. Auf der Nadel liegen 210 Maschen.
  8. Den Körper glatt rechts bis etwa 5 cm vor der Wunschlänge stricken, dann mit Nadel 3,5 mm ein Bündchen 1 re/1 li arbeiten und elastisch abketten.
  9. Ärmel: 66 Maschen auf das Nadelspiel nehmen, aus den 9 Achselmaschen 9 Maschen auffassen (75 M), Rundenbeginn in der Achselmitte. 13-mal in jeder 8. Runde 2 Maschen abnehmen (49 M), in der letzten Runde 1 Masche abnehmen, Bündchen 2 re/2 li über 48 M. Ärmellänge am Arm prüfen.
  10. Blenden: An beiden Vorderkanten mit Nadel 3,5 mm etwa 3 Maschen aus je 4 Reihen auffassen, rund 3 cm im Rippenmuster stricken, in einer Blende Knopflöcher einarbeiten. Halsblende auffassen, stricken, locker abketten.
  11. Fäden vernähen, die Jacke waschen oder anfeuchten, auf Maß legen und trocknen lassen. Knöpfe annähen.
Infografik: Raglanjacke von oben – Vom Halsanschlag bis zum Bündchen
Infografik: parifar.com. Quelle: Craft Yarn Council, Wikipedia
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Typische Fehler

  • Zunahmen vergessen oder verdoppelt: Nach jeder Zunahmereihe die Maschen eines Abschnitts zählen. Vorder- und Rückenteil müssen immer im gleichen Verhältnis wachsen.
  • Ärmel zu weit: Entsteht, wenn bis zur vollen Körperweite überall zugenommen wird. Deshalb gibt es Phase 2 mit Zunahmen nur am Körper.
  • Löcher an den Raglanlinien: Die Querfadenzunahme verschränkt stricken. Ein Umschlag ist nur richtig, wenn Sie bewusst eine Lochlinie wollen.
  • Löcher an der Achsel: Beim Auffassen der Ärmelmaschen in den Ecken je eine Masche zusätzlich aufnehmen und in der nächsten Runde wieder abnehmen.
  • Anleitung umgedreht, Muster steht Kopf: Vorher prüfen, ob das Muster eine Richtung hat. Bei Zopf- oder Rippenmustern spielt es keine Rolle.

Wer lieber ein Projekt mit festen Teilen strickt, findet bei der langen Strickjacke mit Zopfmuster ein Beispiel für die klassische Bauweise.

Häufige Fragen

Kann ich jede Anleitung von unten nach oben umdrehen?

Raglan- und Rundpassenmodelle lassen sich gut umrechnen. Bei eingesetzten Ärmeln mit Armkugel ist es aufwendiger, weil die Kugelform neu berechnet werden muss.

Warum gibt es Phase 1 und Phase 2?

Wer gleichmäßig an allen vier Linien zunimmt, bekommt oft zu weite Ärmel, bevor der Körper breit genug ist. Mit Zunahmen nur am Körper gleichen Sie das aus.

Wie viele Maschen schlage ich unter der Achsel an?

Meist einige Zentimeter, im Beispiel 9 Maschen, also etwa 4 cm. Mehr Achselmaschen machen Körper und Ärmel gleichzeitig weiter.

Funktioniert das auch für einen Pullover?

Ja. Dann schlagen Sie in Runden an und teilen die Maschen auf Rücken, Vorderteil und zwei Ärmel auf. Der vordere Ausschnitt entsteht durch verkürzte Reihen am Rücken.

Quellen

Melanie Groß schreibt für parifar über Reisen, Selbermachen und Alltag. Jeder Ratgeber wird mit Quellen geprüft und regelmäßig aktualisiert.