Interieur

Webteppich selber machen: Anleitung mit selbstgebautem Webrahmen

Melanie Groß
Redaktion parifar
Aktualisiert am 24.10.20265 Min. Lesezeit2 Quellen geprüft

Einen Webteppich machen Sie selbst, indem Sie aus vier Holzlatten und Nägeln einen Webrahmen bauen, darauf eine straffe Kette aus kräftigem Baumwollgarn spannen und Stoffstreifen oder T-Shirt-Garn als Schuss im Wechsel über und unter den Kettfäden durchführen. Dicht angeschlagen entsteht ein Schussrips, bei dem die Kette fast verschwindet, so wie beim traditionellen Fleckerlteppich. Für einen Läufer von etwa 60 × 90 cm brauchen Sie ein Wochenende.

Bunter Teppich aus Wollfäden in Nahaufnahme
Teppiche lassen sich aus Stoffresten und Wolle selbst weben. Foto: Engin Akyurt via Unsplash

Steckbrief

MerkmalAngabe
Fertige Größeca. 60 × 90 cm plus Fransen
Rahmen-Innenmaßca. 75 × 125 cm
BindungLeinwandbindung, dicht angeschlagen als Schussrips
Kettdichte1 Faden pro cm (61 Kettfäden)
SchussmaterialStoffstreifen 2–3 cm breit oder T-Shirt-Garn
ZeitaufwandRahmen 2 Stunden, Weben 8–12 Stunden

Material und Werkzeug

Für den Webrahmen

  • 2 Holzlatten 24 × 48 mm, je 135 cm (Seiten), und 2 Latten, je 75 cm (oben und unten)
  • 8 Holzschrauben 4 × 60 mm sowie 4 Flachwinkel mit passenden kurzen Schrauben
  • ca. 130 Drahtstifte 2,0 × 40 mm (je 61 Stück oben und unten plus Reserve)
  • Akkuschrauber, Hammer, Zollstock, Bleistift, Schleifpapier Körnung 120

Für den Teppich

  • Kettgarn: reißfestes Baumwollgarn oder Baumwollkordel 1,5–2 mm, ca. 80 m (61 Fäden × 125 cm plus Reserve)
  • Schuss: etwa 100 m Stoffstreifen oder T-Shirt-Garn; alte Bettwäsche, T-Shirts und Jeans sind geeignet, sollten aber ähnlich dick sein
  • Webkamm oder große Gabel zum Anschlagen, ein glattes Holzlineal (60 cm) als Fachstab
  • Webschiffchen oder ein flaches Stück Pappe zum Aufwickeln des Schusses
  • Schere, große Stopfnadel, Antirutschunterlage in Teppichgröße

Die Schussmenge hängt stark von Material und Anschlag ab. Weben Sie die ersten 10 cm, messen Sie den Verbrauch und rechnen Sie auf die Gesamtlänge hoch.

Webrahmen selbst bauen

  1. Rahmen verschrauben: Setzen Sie die kurzen Latten an den Enden zwischen die langen, sodass ein Rechteck mit etwa 75 × 125 cm Innenmaß entsteht. Bohren Sie vor, verschrauben Sie die Ecken und sichern Sie sie zusätzlich mit Flachwinkeln. Prüfen Sie die Diagonalen: Sind beide gleich lang, ist der Rahmen rechtwinklig.
  2. Nagelreihen anzeichnen: Zeichnen Sie auf der oberen und unteren Latte mittig eine Linie und markieren Sie darauf, zentriert, 61 Punkte im Abstand von 1 cm. Beide Reihen müssen exakt gegenüberliegen.
  3. Nägel einschlagen: Schlagen Sie die Drahtstifte leicht schräg nach außen etwa 15 mm tief ein, sodass 25 mm herausstehen. Die Schrägstellung verhindert, dass die gespannte Kette abrutscht.
  4. Glätten: Schleifen Sie Kanten und Splitter ab, an denen sich das Garn verfangen könnte.

Den Teppich weben: Schritt für Schritt

Let's show: Weben mit Hulahoop-Reifen - runder Teppich, Sitzkissen DIY
Video: Let's show: Weben mit Hulahoop-Reifen - runder Teppich, Sitzkissen DIY (YouTube-Kanal selfmade_by_veri)
  1. Kette spannen: Knoten Sie das Kettgarn am ersten Nagel unten links fest. Führen Sie es senkrecht nach oben, außen um den ersten und zweiten Nagel herum und am zweiten Nagel senkrecht wieder nach unten. Unten legen Sie es außen um den zweiten und dritten Nagel und führen es am dritten wieder nach oben. So entstehen 61 parallele Kettfäden im Abstand von 1 cm. Halten Sie gleichmäßige, kräftige Spannung; die Fäden sollen beim Zupfen wie eine Saite klingen. Das Ende verknoten Sie am letzten Nagel.
  2. Anfangskante weben: Weben Sie etwa 10 cm über den unteren Nägeln zuerst 2 cm mit Kettgarn in Leinwandbindung: abwechselnd über einen, unter einen Kettfaden. Diese Kante hält die Kette auf Abstand und verhindert, dass die Stoffstreifen später herausrutschen.
  3. Fach öffnen: Schieben Sie das Lineal über-unter durch die Kette und stellen Sie es hochkant. So entsteht eine Öffnung (das Fach), durch die Sie den Schuss in einem Zug führen.
  4. Erster Schuss: Ziehen Sie den Stoffstreifen durch das Fach und lassen Sie am Rand 10 cm überstehen. Dieses Ende legen Sie in der nächsten Reihe um den Randfaden und weben es mit ein.
  5. Im Bogen einlegen: Legen Sie jeden Schuss nicht gerade, sondern in einem flachen Bogen oder in mehreren kleinen Wellen ein, bevor Sie ihn anschlagen. So hat der Schuss genug Länge, um sich um die Kettfäden zu legen, und die Ränder ziehen sich nicht ein.
  6. Anschlagen: Drücken Sie die Reihe mit Webkamm oder Gabel fest nach unten. Je dichter Sie anschlagen, desto weniger ist von der Kette zu sehen.
  7. Nächste Reihe: Ohne Lineal führen Sie den Schuss in der Gegenrichtung genau umgekehrt: dort über, wo er vorher unter war. Mit einem zweiten Lineal, das Sie im Gegenrhythmus einfädeln, geht es schneller.
  8. Streifen anstückeln und Farben wechseln: Lassen Sie neue Streifen 5–10 cm mit dem alten im selben Fach überlappen. Für Muster wechseln Sie die Farbe immer am Rand; breite Streifen in zwei Farben wirken ruhiger als viele schmale.
  9. Endkante: Etwa 15 cm vor den oberen Nägeln weben Sie wieder 2 cm mit Kettgarn als Abschluss.
  10. Abnehmen und Fransen: Heben Sie die Kettschlaufen von den Nägeln, schneiden Sie sie mittig auf und verknoten Sie je zwei bis vier benachbarte Fäden mit einem Überhandknoten direkt an der Webkante. Fransen auf gleiche Länge kürzen.
Infografik: Webteppich in 6 Schritten – Vom Lattenrahmen zum Läufer mit Fransen
Infografik: parifar.com. Quelle: parifar, Wikipedia, Aktion DAS SICHERE HAUS
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Variante: runder Teppich auf einem Hula-Hoop-Reifen

Ein Gymnastikreifen ist der einfachste selbstgebaute Rundwebrahmen. Die Kette spannen Sie sternförmig über die Mitte, die Zahl der Speichen muss ungerade sein, damit das Über-unter-Prinzip beim Rundweben aufgeht. Sie weben spiralförmig von der Mitte nach außen und schneiden die Kette am Ende vom Reifen. Das Video zu dieser Anleitung zeigt diese Technik für einen runden Teppich oder ein Sitzkissen.

Typische Fehler

  • Ränder ziehen sich ein: Der Schuss wurde zu straff eingelegt. Immer im Bogen einlegen und den Randfaden nur locker umschlingen.
  • Kette zu locker: Das Gewebe wird wellig und ungleichmäßig. Lieber neu spannen, bevor Sie viele Reihen gewebt haben.
  • Unterschiedlich dicke Streifen: Dicke Jeans neben dünner Viskose ergibt Beulen. Schneiden Sie dünne Stoffe breiter und dicke schmaler.
  • Kette sichtbar und lückig: Zu wenig angeschlagen oder zu weite Kettdichte für feines Material.
  • Zu nah an den Nägeln gewebt: Ohne 15 cm Reserve bleibt nicht genug Kette für Knoten und Fransen.

Sicherheit und Pflege

Ein handgewebter Teppich liegt ohne Unterlage nicht rutschfest. Wegrutschende Läufer und Falten in Vorlegern gehören zu den häufigen Ursachen schwerer Stürze in der Wohnung, deshalb gehört eine Antirutschmatte oder ein Klebebelag aus dem Baumarkt unbedingt darunter. Legen Sie den Teppich nicht vor Treppen ab und achten Sie darauf, dass die Kanten flach liegen. Beim Rahmenbau tragen Sie beim Nageln eine Schutzbrille, und der fertige Rahmen gehört wegen der herausstehenden Nägel außer Reichweite von Kindern.

Teppiche aus Baumwollstreifen saugen Sie mit niedriger Saugstufe ohne Bürstwalze. Kleine Läufer lassen sich meist von Hand in lauwarmem Wasser waschen; liegend trocknen, damit sie sich nicht verziehen.

Häufige Fragen

Woher bekomme ich genug Stoff?

Für einen Läufer reichen meist ein bis zwei alte Bettbezüge oder ein Stapel T-Shirts. Wer Stoffreste lieber vernäht, findet Ideen in der Anleitung für eine Patchworkdecke aus Stoffresten.

Kann ich auf dem Rahmen auch für die Wand weben?

Ja, mit feinerem Garn und engerer Kette. Eine Alternative für Wandbehänge mit klaren Formen ist die Punch-Needle-Technik, die wir im Artikel Wandteppich mit geometrischem Muster zeigen.

Wie breit sollten Stoffstreifen sein?

Bei Baumwollstoffen 2–3 cm, bei dünnen Stoffen bis 4 cm, bei Jeans 1,5 cm. Entscheidend ist, dass alle Streifen gedreht etwa gleich dick sind.

Quellen

Melanie Groß schreibt für parifar über Reisen, Selbermachen und Alltag. Jeder Ratgeber wird mit Quellen geprüft und regelmäßig aktualisiert.