Kunst und Haltung e.V. 1

Kunst und Haltung e.V.

Kunst und Haltung e.V. ist ein Kunstverein mit Sitz in Düsseldorf. Der Verein wurde im Jahr 2021 von dem Fotografen und Videokünstler Horst Wackerbarth und dem Künstler Michael Krisch gegründet. Der Verein setzt sich für gesellschaftlich relevante Kunst ein. Er thematisiert Aspekte, die im etablierten Kunstbetrieb oft wenig Beachtung finden. Kunst und Haltung e.V. versteht sich als Plattform für Künstler, die mit ihrer Arbeit Stellung beziehen wollen. Der Name des Vereins ist Programm: Kunst soll nicht nur ästhetisch sein, sondern auch eine klare Haltung zeigen.

Die beiden Köpfe hinter dem Projekt

Horst Wackerbarth

Horst Wackerbarth wurde am 4. Juli 1950 in Fritzlar geboren. Er ist ein deutscher Foto- und Videokünstler. Sein bekanntestes Werk ist das Projekt mit der Roten Couch. Seit 1979 fotografiert er Menschen aus aller Welt auf einem roten Sofa. Dieses Konzept entwickelte sich zu seinem Markenzeichen. Wackerbarth studierte Photographie an der Hochschule für bildende Künste Kassel. Nach seinem Studium ging er zunächst in die USA. Dort begann er gemeinsam mit dem amerikanischen Künstler Kevin Clarke das Red Couch Project.

Seit 1984 lebt und arbeitet Wackerbarth in Düsseldorf. Er war lange Zeit als Werbe- und Modefotograf tätig. Ab 1995 widmete er sich verstärkt künstlerischen und dokumentarischen Projekten. Bis heute hat er über 1.200 Menschen aus 43 Ländern auf der Roten Couch porträtiert. Seine Arbeit steht für Diversität. Menschen aller Altersgruppen, sozialer Hintergründe und Identitäten haben auf seinem Sofa Platz genommen.

Wackerbarth erhielt mehrere Auszeichnungen. 1984 bekam er die Goldmedaille des Art Directors Club. 2003 gewann er den World Press Photo Award. Seine Werke sind in international bedeutenden Sammlungen vertreten.

Neben seiner künstlerischen Arbeit engagiert sich Wackerbarth auch sozial. Er ist Namensgeber und Pate der Horst-Wackerbarth-Gruppe im Raphaelshaus in Dormagen. Das ist ein katholisches Jugendhilfezentrum.

Michael Krisch

Michael Krisch ist ebenfalls Künstler und lebt in Düsseldorf. Er arbeitet in verschiedenen Bereichen der bildenden Kunst. Krisch ist offen für unterschiedliche Formen von Kultur. Zusammen mit Wackerbarth teilt er die Überzeugung, dass Kunst mehr sein kann als Dekoration.

Was der Verein erreichen will

Kunst und Haltung e.V. hat ein klares Ziel. Der Verein möchte Kunst fördern, die etwas zu sagen hat. Es geht nicht um Kunst um der Kunst willen. Der Verein interessiert sich für Arbeiten, die sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen. Das können Themen sein wie:

  • Soziale Gerechtigkeit
  • Migration und Integration
  • Umwelt und Klimawandel
  • Menschenrechte
  • Erinnerungskultur

Der Verein sieht Kunst als Werkzeug für Dialog. Künstler sollen mit ihren Werken Diskussionen anstoßen. Sie sollen zum Nachdenken anregen. Der Name „Kunst und Haltung“ drückt genau das aus. Es reicht nicht, technisch gut zu sein. Künstler sollen auch eine Position beziehen.

Der Verein unterstützt vor allem Künstler, die im etablierten Kunstbetrieb weniger Beachtung finden. Das betrifft oft Künstler, deren Werke unbequem sind. Oder Künstler, die sich nicht an aktuelle Trends halten. Kunst und Haltung e.V. bietet diesen Künstlern eine Bühne.

Wie der Verein arbeitet

Der Verein organisiert verschiedene Veranstaltungen. Dazu gehören Ausstellungen, Gespräche und Workshops. Die Formate sind bewusst vielfältig gehalten. Das Ziel ist immer der Austausch. Künstler sollen mit dem Publikum in Kontakt kommen. Und das Publikum soll die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen.

Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist die Vernetzung. Der Verein bringt Künstler zusammen, die ähnliche Interessen haben. So entstehen neue Kooperationen. Manchmal arbeiten Künstler aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Das kann zu spannenden Ergebnissen führen.

Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Fördermittel. Als gemeinnütziger Verein kann er Spendenquittungen ausstellen. Die Gründer arbeiten ehrenamtlich. Das Geld fließt direkt in die künstlerischen Projekte.

Düsseldorf als Standort für zeitgenössische Kunst

Düsseldorf hat eine lange Tradition als Kunststadt. Die Stadt beherbergt mehrere wichtige Kunstinstitutionen. Dazu gehören die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, das NRW-Forum und die Kunstakademie Düsseldorf. Auch viele renommierte Galerien haben hier ihren Sitz.

Die Kunstakademie Düsseldorf ist eine der bekanntesten Kunsthochschulen in Deutschland. Berühmte Künstler wie Joseph Beuys, Gerhard Richter und Günther Uecker haben dort gelehrt oder studiert. Die Stadt hat auch eine lebendige freie Kunstszene. Es gibt viele kleine Galerien und Projekträume.

In diesem Umfeld ist Kunst und Haltung e.V. entstanden. Der Verein profitiert von der Infrastruktur der Stadt. Gleichzeitig will er sich von den etablierten Institutionen abheben. Der Verein richtet sich an ein Publikum, das mehr will als den üblichen Museumsbetrieb.

Düsseldorf ist auch bekannt für die Düsseldorfer Schule der Fotografie. Bernd und Hilla Becher haben an der Kunstakademie gelehrt. Sie prägten eine ganze Generation von Fotografen. Zu ihren Schülern gehören Andreas Gursky, Thomas Struth und Candida Höfer. Horst Wackerbarth steht zwar nicht direkt in dieser Tradition. Aber er arbeitet in der gleichen Stadt. Und er nutzt Fotografie ebenfalls als künstlerisches Medium.

Gesellschaftlich relevante Kunst im Mittelpunkt

Was bedeutet gesellschaftlich relevante Kunst? Der Begriff ist bewusst offen gehalten. Er umfasst verschiedene Ansätze. Allen gemeinsam ist der Bezug zur Gegenwart. Die Kunst soll sich mit aktuellen Themen beschäftigen. Sie soll auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren.

Ein Beispiel ist Wackerbarths Rotes-Sofa-Projekt. Es ist mehr als nur eine Sammlung von Porträts. Wackerbarth stellt jedem Porträtierten zwölf universelle Lebensfragen. Die Antworten werden als Video aufgezeichnet. Es geht um Themen wie Glück, Tod, Angst und Hoffnung. So entsteht ein Archiv menschlicher Erfahrungen.

Das Projekt zeigt Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft. Prominente sitzen neben Unbekannten. Nobelpreisträger neben Analphabeten. Das ist ein bewusstes Statement. Wackerbarth will zeigen: Alle Menschen sind gleich wichtig. Ihre Geschichten verdienen es, gehört zu werden.

Diese Haltung prägt auch den Verein. Kunst und Haltung e.V. interessiert sich nicht nur für etablierte Künstler. Der Verein fördert auch Nachwuchskünstler. Und er gibt Künstlern eine Chance, die im Mainstream keinen Platz finden.

Die Kunstszene in Düsseldorf abseits der großen Museen

Neben den bekannten Institutionen gibt es in Düsseldorf eine alternative Kunstszene. Diese Szene ist weniger sichtbar. Sie findet in kleinen Räumen statt. In ehemaligen Fabriken. In Hinterhöfen. In temporären Projekträumen.

Ein Beispiel ist das Weltkunstzimmer auf der Ronsdorfer Straße. Das ist ein Kunstzentrum der Hans Peter Zimmer-Stiftung. Seit mehr als zehn Jahren bietet es Raum für Ausstellungen, Konzerte und Performances. 2025 bespielt der Künstler Mischa Kuball das Weltkunstzimmer mit dem Projekt „space_relations“. Dabei arbeiten rund 20 Künstler aus verschiedenen Ländern zusammen.

Solche Orte sind wichtig für die Kunstszene. Sie bieten Raum für Experimente. Sie ermöglichen Kunst, die in Museen keinen Platz findet. Kunst und Haltung e.V. bewegt sich in diesem Umfeld. Der Verein ist Teil dieser alternativen Szene. Er vernetzt sich mit anderen Projekträumen und Initiativen.

Die freie Kunstszene hat es oft schwer. Es gibt wenig Geld. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist gering. Trotzdem ist sie wichtig. Hier entstehen neue Ideen. Hier werden Grenzen ausgetestet. Und hier werden Künstler sichtbar, die sonst übersehen würden.

Wackerbarths Ansatz: Menschen eine Stimme geben

Horst Wackerbarths Werk dreht sich um Menschen. Er bezeichnet sich selbst als „Menschensammler“. Sein Ziel ist es, eine Galerie der Menschheit zu schaffen. Diese Galerie soll für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

Die Idee erinnert an historische Projekte. Der amerikanische Fotograf Edward S. Curtis dokumentierte Anfang des 20. Jahrhunderts die indigenen Völker Nordamerikas. Der deutsche Fotograf August Sander schuf sein Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Beide wollten ihre Zeit festhalten. Wackerbarth verfolgt ein ähnliches Ziel.

Doch es gibt einen Unterschied. Wackerbarth fotografiert nicht nur. Er führt auch Interviews. Er stellt Fragen zu grundlegenden Lebensthemen. So entstehen nicht nur Bilder. Es entstehen auch Geschichten. Die Menschen erzählen von ihren Erfahrungen. Von ihren Ängsten und Hoffnungen. Das macht das Projekt persönlicher.

Die Rote Couch fungiert dabei als Bühne. Sie ist ein Ready-Made im Sinne von Marcel Duchamp. Ein gewöhnlicher Gegenstand wird zum Kunstobjekt. Die Couch steht an ungewöhnlichen Orten. Vor Fabriken. In Wüsten. Am Strand. Der Kontrast zwischen dem alltäglichen Möbelstück und der ungewöhnlichen Umgebung erzeugt Spannung.

Der Verein als Plattform für Dialog

Kunst und Haltung e.V. will mehr sein als ein typischer Kunstverein. Der Verein versteht sich als Plattform. Eine Plattform für Künstler. Und eine Plattform für das Publikum.

Der Dialog steht im Zentrum. Kunst soll nicht nur angeschaut werden. Sie soll besprochen werden. Deshalb organisiert der Verein auch Gesprächsformate. Künstler erklären ihre Arbeit. Das Publikum kann Fragen stellen. So entsteht ein echter Austausch.

Dieser Ansatz unterscheidet den Verein von klassischen Galerien. In einer Galerie kauft man Kunst. Man schaut sie an. Aber man spricht selten mit den Künstlern. Bei Kunst und Haltung e.V. ist das anders. Der persönliche Kontakt ist wichtig.

Das passt zu Wackerbarths Arbeitsweise. Auch bei seinem Rote-Couch-Projekt steht der Mensch im Mittelpunkt. Es geht ihm nicht nur um das perfekte Bild. Es geht ihm um die Geschichte dahinter.

Der Name als Programm

Der Name „Kunst und Haltung“ ist bewusst gewählt. Er drückt eine Überzeugung aus. Kunst soll nicht neutral sein. Kunst soll Position beziehen. Das ist die Haltung, die der Verein vertritt.

Das bedeutet nicht, dass der Verein eine bestimmte politische Richtung vorgibt. Die Haltung kann unterschiedlich aussehen. Wichtig ist nur, dass sie authentisch ist. Künstler sollen sich nicht verstellen. Sie sollen zeigen, wofür sie stehen.

In einer Zeit, in der viel über Aktivismus in der Kunst diskutiert wird, ist das eine klare Ansage. Der Verein glaubt: Kunst kann die Welt nicht verändern. Aber sie kann zum Nachdenken anregen. Sie kann Diskussionen anstoßen. Und sie kann Menschen verbinden.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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