Osterwasser: Bedeutung und Brauchtum

Osterwasser ist Wasser, das in der Osternacht oder am Ostermorgen vor Sonnenaufgang aus einer Quelle, einem Bach oder einem Fluss geschöpft wird. Nach altem Volksglauben schenkt es Schönheit und Gesundheit – aber nur, wenn man auf dem Hin- und Rückweg kein Wort spricht. Besonders lebendig ist der Brauch bis heute in der Lausitz bei den Sorben. Hier erfahren Sie, woher das Osterwasser kommt, welche Regeln gelten und was es mit dem kirchlichen Osterwasser zu tun hat.

Was ist Osterwasser?

Das Wort hat zwei Bedeutungen:

  • Volksbrauch: Wasser aus einem fließenden Gewässer, geschöpft in der Osternacht oder am frühen Ostermorgen. Um diesen Brauch geht es in diesem Artikel.
  • Kirchliches Osterwasser: das Taufwasser, das in der katholischen Osternacht gesegnet und das ganze Jahr über für Taufen verwendet wird.

Der Volksbrauch gilt als sehr alt und wird oft auf vorchristliche Zeit zurückgeführt. Belegen lässt sich das allerdings nicht.

Die Regeln: schweigend vor Sonnenaufgang

Traditionell holten junge, unverheiratete Frauen und Mädchen das Osterwasser. Dabei galten strenge Regeln:

  1. Zeit: zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang am Ostersonntag
  2. Ort: fließendes Wasser, also Quelle, Bach oder Fluss; in der Lausitz möglichst ein Gewässer, das nach Osten fließt, „dem Sonnenaufgang entgegen“
  3. Schweigen: auf dem Hin- und Rückweg kein Wort, nach manchen Überlieferungen auch ungesehen

Wasser, das zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang geschöpft wurde, sollte ein ganzes Jahr wirken.

Plapperwasser: wenn das Schweigen bricht

Wer unterwegs sprach oder lachte, hatte verloren: Das Wasser verlor seine Kraft und wurde in der Lausitz zum „Plapperwasser“, im Weserbergland zum „Quasselwasser“. Das wussten auch die jungen Männer im Dorf. Sie lauerten den Mädchen am Weg auf und versuchten, sie zu erschrecken oder zum Lachen zu bringen. Aus dem ernsten Ritual wurde so oft ein Spiel zwischen den jungen Leuten.

Was man dem Osterwasser zutraute

AnwendungErhoffte WirkungRegion
Waschen von Gesicht und Körperfeine Haut, Schönheit, Gesundheit, „ewige Jugend“Lausitz und weit verbreitet
Augen und Haut benetzenHilfe bei Augenleiden und Hautausschlägenweit verbreitet
Vieh tränken oder besprengengesunde TierePommern, Lausitz
Felder besprengengute Ernteeinige sorbische Dörfer
im Haus verspritzenSchutz vor UngezieferFranken, Baden
Kinder damit taufenbesonders kluge KinderFranken

Außerdem galt Osterwasser als besonders haltbar. Schon die „Oekonomische Encyklopädie“ von Krünitz (1773–1858) berichtet, vor Sonnenaufgang geschöpftes Flusswasser gerate „nicht in Fäulniß“. Wissenschaftlich belegt ist keine dieser Wirkungen; es handelt sich um Volksglauben.

Hochburg Lausitz: Osterwasser bei den Sorben

In der Ober- und Niederlausitz gehört das Osterwasserholen zu den bekanntesten sorbischen und wendischen Osterbräuchen; im Niedersorbischen heißt es jatšowna wóda. Es zählt zu den lebendigen sorbischen Osterbräuchen, neben dem Osterreiten und den kunstvoll verzierten sorbischen Ostereiern.

Ein Beispiel für die heutige Praxis ist Hornow in der Niederlausitz: Nach einem Bericht von 2009 holen dort Frauen der Kirchengemeinde das Wasser schweigend bei Sonnenaufgang am Ostermontag; damals waren es 13 Frauen.

Weitere Regionen, in denen der Brauch überliefert ist, sind das frühere Pommern, die Altmark, das Weserbergland und Baden.

Osterwasser in der Kirche

In der katholischen Osternacht wird die Osterkerze dreimal in das Taufwasser getaucht, um es zu segnen. Anschließend wird die Gemeinde mit dem neuen Wasser besprengt, zur Erinnerung an die eigene Taufe. Früher nahmen Gläubige von diesem geweihten Wasser mit nach Hause, als Mittel gegen Gicht und Hautkrankheiten.

Kirchlicher und volkstümlicher Brauch standen in Konkurrenz. Das gilt als ein Grund, warum der „heidnische“ Brauch in katholischen Gegenden weniger bekannt ist. Wie die Osterkerze am Osterfeuer entzündet wird, lesen Sie in unserem Artikel über das Osterfeuer.

Osterwasser selbst holen

  • Prüfen Sie den Sonnenaufgang am Ostersonntag und planen Sie den Weg vorher bei Tageslicht.
  • Nehmen Sie ein sauberes Gefäß mit Deckel und eine Taschenlampe mit.
  • Gehen Sie nur an sichere Uferstellen; im Frühjahr führen Bäche oft Hochwasser.
  • Osterwasser ist zum Waschen gedacht, nicht zum Trinken – Bachwasser ist kein Trinkwasser.
  • Wer mit Kindern geht, kann das Schweigen zum Spiel machen: Wer zuerst spricht, trägt den Krug.

Weitere Bräuche rund ums Fest finden Sie in unserer Rubrik Ostern, etwa den Emmausgang am Ostermontag oder die geschmückten Osterbrunnen in Franken.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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