Der Emmausgang ist ein christlicher Brauch, der heute vor allem in Süddeutschland und Österreich gepflegt wird. Er findet traditionell am Ostermontag statt. Dieser Tag wird auch Emmaustag genannt. Der Brauch erinnert an den Gang der Jünger Jesu nach Emmaus. Laut dem Lukasevangelium erschien Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Sie erkannten ihn zunächst nicht. Der Emmausgang verbindet religiöse Besinnung mit einem Spaziergang in der erwachenden Natur. Er gehört zu den ältesten Ostertraditionen im deutschsprachigen Raum.
Die biblische Erzählung als Grundlage
Die Geschichte des Emmausgangs stammt aus dem Neuen Testament. Im Lukasevangelium (Kapitel 24, Verse 13-35) wird berichtet, wie zwei Jünger am dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu von Jerusalem nach Emmaus wanderten. Der Ort lag etwa 60 Stadien (ungefähr 11 Kilometer) von Jerusalem entfernt.
Unterwegs schloss sich ein Fremder den beiden an. Sie unterhielten sich über die Ereignisse der vergangenen Tage. Die Jünger waren traurig. Sie hatten gehofft, Jesus sei der Messias, der Israel befreien würde. Der Fremde erklärte ihnen die Schriften und zeigte, dass der Messias leiden musste.
Am Abend luden die Jünger den Fremden zum Essen ein. Als er das Brot brach, erkannten sie ihn plötzlich als den auferstandenen Jesus. Im selben Moment verschwand er. Die Jünger kehrten sofort nach Jerusalem zurück. Dort berichteten sie den anderen von ihrer Begegnung.
Diese Geschichte steht im Zentrum des Emmausgangs. Der Brauch soll die Erfahrung der Jünger nachempfinden: das Unterwegssein, das Gespräch über den Glauben und die Erkenntnis der Auferstehung.
Wann und wo der Brauch entstand
Der genaue Ursprung des Emmausgangs ist nicht genau bekannt. Religiöse Prozessionen und Spaziergänge am Ostermontag gab es jedoch schon im Mittelalter. In vielen Gemeinden war es üblich, am Tag nach dem Ostersonntag gemeinsam durch die Felder zu gehen.
Der Brauch verbreitete sich besonders in den katholisch geprägten Regionen Süddeutschlands und Österreichs. Im bayerischen und österreichischen Raum gehörte der Emmausgang lange zum festen Bestandteil des Osterfestes. Die Menschen verbanden den Spaziergang mit Gebet, Gesang und religiöser Besinnung.
In manchen Gegenden entwickelte sich der Emmausgang auch unabhängig von der Kirche. Familien nutzten den Ostermontag für einen gemeinsamen Ausflug ins Grüne. Die religiöse Bedeutung trat dabei manchmal in den Hintergrund.
So wird der Emmausgang heute gefeiert
Der Emmausgang ist ein geistlicher Spaziergang. Er kann allein, in der Familie oder in der Gemeinde gemacht werden. Viele Gemeinden organisieren am Ostermontag einen gemeinsamen Gang mit Stationen zum Gebet.
Typisch für den Emmausgang sind:
- Ein Spaziergang durch die frühlingshafte Natur
- Gemeinsames Gebet oder Bibellesung unterwegs
- Das Singen von Osterliedern
- Ein abschließendes gemeinsames Mahl
Der Spaziergang führt oft zu einer Kirche, einer Kapelle oder einem anderen besonderen Ort. Dort findet manchmal ein kurzer Gottesdienst statt. Das gemeinsame Essen am Ende erinnert an das Mahl in Emmaus, bei dem die Jünger Jesus erkannten.
Der Emmausgang ist kein starres Ritual. Jede Gemeinde und jede Familie kann ihn nach eigenen Wünschen gestalten. Wichtig ist das Unterwegssein und die Besinnung auf Ostern.
Besonderheiten in Bayern und Österreich
In Bayern und Österreich ist der Emmausgang besonders verbreitet. Hier gibt es verschiedene lokale Traditionen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.
In Bayern beginnt der Tag oft mit einem Festgottesdienst. Danach machen sich die Gläubigen auf den Weg. Viele Gemeinden haben feste Routen mit Wegkreuzen oder Kapellen als Stationen. Unterwegs wird gebetet und gesungen.
In Österreich hat der Emmausgang ebenfalls eine lange Tradition. Besonders im Gebiet des Weinviertels gibt es einen verwandten Brauch namens „Grean“. Der Name kommt von „ins Grüne gehen“. Am Ostermontag treffen sich Familien und Freunde im Freien oder in einem Weinkeller. Dort wird gegessen und getrunken. Der Brauch verbindet die religiöse Bedeutung des Emmausgangs mit geselligem Beisammensein.
In manchen österreichischen Gemeinden führt der Emmausgang zu einem bestimmten Ziel. Das kann eine Kirche sein, aber auch ein Gasthaus oder ein Heuriger. Das gemeinsame Mahl am Ende ist hier besonders wichtig.
Der Fackelzug in Borghorst
Eine ganz besondere Form des Emmausgangs gibt es im westfälischen Borghorst bei Steinfurt. Dort pflegt der Schützenverein „Prinzen Schützengesellschaft von 1490″ einen alten Brauch.
Am Ostersonntag in der Dämmerung ziehen die Mitglieder mit Fackeln und Messinglaternen durch den Ort. Diese Laternen werden Emmauslaternen genannt. Die Teilnehmer singen unterwegs christliche Lieder. Der Zug endet in der örtlichen Kirche. Dort findet ein festlicher Gottesdienst statt.
Dieser Brauch ist außergewöhnlich, weil er nicht am Ostermontag, sondern bereits am Ostersonntag stattfindet. Außerdem ist er mit einer weltlichen Organisation (dem Schützenverein) verbunden. Die Verbindung von Schützenwesen und kirchlicher Tradition ist typisch für das Münsterland und andere Regionen Westfalens.
Der Emmausgang und das Osterfest
Der Emmausgang ist Teil der Osterfeierlichkeiten. Das Osterfest ist das wichtigste Fest im christlichen Kirchenjahr. Es feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
Die Karwoche vor Ostern erinnert an das Leiden und Sterben Jesu:
- Gründonnerstag: das letzte Abendmahl
- Karfreitag: die Kreuzigung
- Karsamstag: die Grabesruhe
Am Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung. Der Ostermontag ist in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag. Er gibt Zeit zur Fortsetzung der Osterfreude.
Der Emmausgang passt gut zu dieser Freude. Er führt die Gläubigen hinaus in die erwachende Natur. Der Frühling symbolisiert neues Leben. Das passt zur Botschaft von Ostern: Jesus hat den Tod besiegt.
Verbindung zum jüdischen Passafest
Das christliche Osterfest hat seine Wurzeln im jüdischen Passafest (auch Pessach genannt). Dieses Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Laut der biblischen Erzählung befreite Gott das Volk Israel aus der Sklaverei.
Am Vorabend des Auszugs schlachteten die Israeliten ein Lamm. Mit dem Blut bestrichen sie ihre Türpfosten. Der Todesengel ging an diesen Häusern vorüber („Passa“ bedeutet „Vorübergehen“). So wurden die erstgeborenen Söhne der Israeliten verschont.
Das Passafest wird im Frühling gefeiert, ungefähr zur Zeit des ersten Frühlingsvollmonds. Es dauert eine Woche. In dieser Zeit wird ungesäuertes Brot gegessen. Man nennt dieses Brot Mazzen.
Jesus feierte das Abendmahl am Abend vor seiner Kreuzigung. Es war wahrscheinlich ein Passamahl. Daher sind Ostern und Passa eng verbunden. Der Emmausgang erinnert indirekt auch an diese jüdischen Wurzeln des christlichen Festes.
Bedeutung für Gemeinden und Familien
Der Emmausgang hat sowohl eine religiöse als auch eine soziale Bedeutung. Für Gemeinden bietet er die Möglichkeit, nach den feierlichen Gottesdiensten der Ostertage zusammenzukommen. Der Spaziergang ist weniger formell als ein Gottesdienst. Er ermöglicht Gespräche und Begegnungen.
Für Familien ist der Emmausgang eine Gelegenheit, den Ostermontag gemeinsam zu verbringen. Kinder können die biblische Geschichte durch das eigene Erleben besser verstehen. Das Gehen, Beten und Essen macht die abstrakte Erzählung greifbar.
Viele Menschen schätzen den Emmausgang auch als Ruhepunkt. Nach den oft hektischen Osterfeiertagen bietet er Zeit für Besinnung. Das langsame Gehen durch die Natur hilft beim Entspannen. Es öffnet Raum für Gedanken über den Glauben und das Leben.
Ähnliche Bräuche in anderen Regionen
Der Emmausgang ist nicht der einzige Osterbrauch mit Bezug zur Emmausgeschichte. In verschiedenen europäischen Ländern gibt es ähnliche Traditionen.
In Tschechien gibt es ebenfalls den Emmausgang. Er ist dort unter dem Namen „Pouť do Emaus“ bekannt. Auch hier gehen Menschen am Ostermontag spazieren und besuchen Märkte.
In Italien und Spanien finden am Ostermontag Prozessionen statt. Sie haben oft einen ähnlichen Charakter wie der Emmausgang. Die Menschen ziehen betend durch die Straßen oder hinaus aufs Land.
In protestantisch geprägten Regionen ist der Emmausgang weniger verbreitet. Dort gibt es aber andere Formen der Osterfeier. Manche evangelische Gemeinden haben den Brauch in den letzten Jahren neu entdeckt. Sie organisieren ökumenische Emmausgänge zusammen mit katholischen Gemeinden.
Der Emmausgang in der heutigen Zeit
In den letzten Jahrzehnten erlebt der Emmausgang eine gewisse Wiederbelebung. Besonders Stadtgemeinden entdecken ihn neu. Viele Menschen suchen nach alternativen Formen der Religiosität. Der Emmausgang bietet eine solche Alternative.
Anders als ein klassischer Gottesdienst findet der Emmausgang im Freien statt. Er ist niedrigschwellig. Auch Menschen, die selten in die Kirche gehen, können teilnehmen. Die Verbindung von Bewegung, Natur und Spiritualität spricht viele an.
Einige Gemeinden gestalten den Emmausgang als Pilgerweg. Sie markieren einen Rundweg mit Stationen. An jeder Station gibt es einen kurzen Impuls: einen Bibeltext, ein Gebet oder eine Frage zum Nachdenken. Die Teilnehmer können den Weg allein oder in Gruppen gehen.
Andere Gemeinden organisieren geführte Emmausgänge. Ein Pfarrer oder eine Pastoralin begleitet die Gruppe. Unterwegs gibt es Erläuterungen zur Emmausgeschichte und zum Osterfest.
Praktische Tipps für einen eigenen Emmausgang
Wer einen eigenen Emmausgang machen möchte, braucht keine besonderen Vorbereitungen. Hier sind einige Anregungen:
- Route wählen: Ein Rundweg von etwa einer Stunde ist ideal. Der Weg sollte durch die Natur führen.
- Bibel mitnehmen: Die Emmausgeschichte kann unterwegs gelesen werden (Lukas 24, 13-35).
- Stationen einplanen: An schönen Plätzen kann man anhalten und beten oder nachdenken.
- Gemeinsam essen: Am Ende gehört ein Mahl dazu. Es kann einfach sein: Brot, Wein, Käse.
- Offen bleiben: Der Emmausgang soll keine Last sein. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung des Unterwegsseins.
Emmaus-Tradition in der Emmaus-Bewegung
Der Name Emmaus ist auch mit einer sozialen Bewegung verbunden. Die Emmaus-Gemeinschaften wurden 1949 von Abbé Pierre in Frankreich gegründet. Sie helfen Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Der Name verweist auf die biblische Emmausgeschichte. Wie die Jünger den auferstandenen Jesus erkannten, sollen Menschen in Not neue Hoffnung finden. In Deutschland gibt es Emmaus-Gemeinschaften unter anderem in Köln, Krefeld und Bergisch Gladbach.
Diese soziale Bedeutung von Emmaus ist vom religiösen Brauch zu unterscheiden. Beide teilen aber den gleichen biblischen Hintergrund.
Quellen
- Wikipedia: Emmausgang, Erklärung des Brauchs mit historischen Hintergründen
- Die-Bibel.de: Passafest, Informationen zum jüdischen Passafest als Hintergrund von Ostern
- Emmaus Köln, Website der Emmaus-Gemeinschaft in Köln mit Berichten über Veranstaltungen und Geschichte
- Katholisch.de: Osterbräuche, Übersicht über verschiedene Osterbräuche

