Interieur

Gewächshaus aus Plexiglas selber bauen: Anleitung und Materialkunde

Melanie Groß
Redaktion parifar
Aktualisiert am 24.10.20265 Min. Lesezeit3 Quellen geprüft

Ein kleines Gewächshaus oder Tomatendach aus Acrylglas (PMMA, bekannt als Plexiglas) lässt sich mit einem Holzrahmen gut selbst bauen. Für das Dach eignen sich Stegplatten, weil sie leicht sind, viel Licht durchlassen und dank ihrer Luftkammern dämmen. Entscheidend für ein dauerhaft dichtes Ergebnis sind ausreichend Gefälle, das richtige Bohrwerkzeug und genug Spiel für die Wärmeausdehnung. Polycarbonat ist die schlagfestere Alternative, braucht aber eine UV-Schutzschicht.

Gewächshaus mit Glasdach und Rahmen in einem Garten
Gewächshäuser verlängern die Gartensaison. Foto: Pixabay (Pixabay-Inhaltslizenz)

Materialkunde: Acrylglas (PMMA) oder Polycarbonat?

Beide Kunststoffe sind klar, leicht und lassen sich mit Heimwerkerwerkzeug bearbeiten. Im Alltag unterscheiden sie sich vor allem bei Schlagfestigkeit, Witterungsbeständigkeit und Kratzempfindlichkeit.

EigenschaftAcrylglas (PMMA)Polycarbonat (PC)
Lichtdurchlässigkeit (3 mm massiv)bis ca. 92 %ca. 88 %
UV und Witterungvon Natur aus witterungs- und alterungsbeständigohne Schutzschicht Vergilbung und Versprödung
Schlagfestigkeitnur bedingt schlagzäh, kann bei harten Schlägen brechensehr zäh, splittert bei mittleren Schlägen nicht
Kratzfestigkeitvergleichsweise gutrelativ kratzempfindlich
Wärmeausdehnungca. 70–85 × 10⁻⁶ pro Kelvinca. 65 × 10⁻⁶ pro Kelvin
Temperaturbeständigkeitwird ab etwa 100 °C weichdauerhaft bis etwa 125 °C
Empfindlich gegenAlkohol, Aceton, Lösemittel (Spannungsrisse)aggressive Reiniger, Scheuern

Für die meisten Gartenprojekte ist Acrylglas eine gute Wahl, wenn Sie lange Klarheit ohne Vergilbung wünschen. Spielen Kinder in der Nähe Ball oder ist Ihre Region häufig von Hagel betroffen, kann Polycarbonat sinnvoller sein. Achten Sie dann darauf, die UV-geschützte Seite nach außen zu montieren.

Stegplatte oder Massivplatte?

Stegplatten bestehen aus zwei oder mehr Lagen, die durch Stege verbunden sind. Die eingeschlossene Luft dämmt: Laut Hersteller Röhm erreicht eine 16 mm starke PLEXIGLAS-Stegplatte einen U-Wert von 2,5 W/m²K, Einfachglas liegt bei 5,8 W/m²K. Die Lichtdurchlässigkeit liegt bei bis zu 91 Prozent. Stegplatten sind daher die übliche Wahl für Dächer und Wände eines Gewächshauses, das auch im Frühjahr und Herbst genutzt wird.

Massivplatten sind glasklar und eignen sich für Seitenwände, Frühbeetdeckel oder einen offenen Regenschutz für Tomaten. Sie dämmen kaum, sind aber leichter zu verarbeiten. Die nötige Plattenstärke hängt vom Abstand der Unterkonstruktion ab; richten Sie sich nach den Angaben des Plattenherstellers.

Planung: Standort, Gefälle und Unterkonstruktion

  • Standort: sonnig und gut belüftet, damit Pflanzen nach Regen oder Gießen rasch abtrocknen. Windgeschützt, aber nicht im Schatten von Bäumen.
  • Dachneigung: Röhm nennt für Überdachungen mindestens 5 Grad (90 mm pro Meter), damit Regenwasser sicher abläuft.
  • Unterkonstruktion: verwindungsfrei aus Holz oder Metall. Flächen, die an der Platte anliegen, sollten hell oder reflektierend sein, weil sich dunkle Flächen stärker aufheizen.
  • Verträgliche Materialien: Dichtungen und Klemmprofile müssen mit Acrylglas verträglich sein. Weich-PVC, Farblösemittel und Entfettungsmittel gehören nicht an die Platte.
  • Baurecht: Ob ein Gewächshaus genehmigungsfrei ist, regelt die Bauordnung Ihres Bundeslandes. Kleine Bauten sind oft verfahrensfrei; fragen Sie im Zweifel beim Bauamt nach.

Material und Werkzeug

BereichWas Sie brauchen
RahmenKanthölzer und Latten aus witterungsbeständigem Holz, Pfostenträger oder Fundamentsteine, Holzschutz
VerglasungStegplatten fürs Dach, Steg- oder Massivplatten für die Wände
Profile und ZubehörAluminium-Klemm- und U-Profile, Aluminium-Klebeband (oben), Anti-Dust-Band (unten), verträgliche Dichtbänder
Befestigungrostfreie Schrauben mit Dichtscheiben
WerkzeugKreis- oder Stichsäge mit feinem Hartmetallblatt, Acrylglasbohrer oder Stufenbohrer, Senker, Akkuschrauber, Wasserwaage, Sprühflasche zum Kühlen

Wer keine Säge mit passendem Blatt besitzt, bestellt die Platten fertig auf Maß. Händler wie Kunststoffplattenonline.de bieten zum Beispiel Plexiglas Zuschnitt nach Maß an. Vergleichen Sie vorab Plattentyp, Stärke, UV-Angaben und Garantie.

Gewächshaus selber bauen | Teil 1 | Mach's selber
Video: Gewächshaus selber bauen | Teil 1 | Mach's selber (YouTube-Kanal Mach's selber)

Schritt für Schritt: ein kleines Gewächshaus bauen

  1. Untergrund vorbereiten: Fläche ebnen, Fundamentsteine oder Punktfundamente setzen und exakt waagerecht ausrichten.
  2. Rahmen bauen: Pfosten aufstellen, mit Querriegeln aussteifen und die Dachsparren mit mindestens 5 Grad Gefälle montieren. Den Sparrenabstand an die Plattenbreite anpassen.
  3. Holz schützen: Holzschutz auftragen und vollständig trocknen lassen. Auflageflächen hell streichen oder mit hellem Band abdecken.
  4. Maße nehmen: Jede Fläche einzeln ausmessen und das Dehnungsspiel abziehen (siehe unten). Anschließend die zugeschnittenen Plexiglasplatten bestellen oder selbst sägen – mit Schutzfolie, eingespannter Platte und Wasserkühlung.
  5. Bohren: Speziell geschliffene Acrylglasbohrer verwenden, mit niedriger Drehzahl arbeiten, mit Wasser kühlen und kurz vor dem Durchbruch den Druck verringern. Der Abstand zum Rand sollte mindestens das 1,5-Fache des Bohrdurchmessers betragen. Bohrungen etwas größer als die Schraube ausführen, damit sich die Platte bewegen kann.
  6. Stegplatten verschließen: Die Stege laufen in Gefällerichtung. Die obere Kante mit Aluminium-Klebeband dicht verschließen, die untere mit Anti-Dust-Band und einem U-Profil mit Ablauflöchern, damit Kondenswasser abfließen kann.
  7. Platten montieren: Platten in die Profile legen, UV-Seite nach außen, und die Profile handfest verschrauben. Zu fest angezogene Schrauben erzeugen Spannungen und Risse.
  8. Lüftung einbauen: Tür und mindestens ein Dach- oder Seitenfenster einplanen. Ein reines Tomatendach bleibt an den Seiten offen.
  9. Schutzfolie abziehen: Erst wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind.

Wärmeausdehnung richtig einplanen

Acrylglas dehnt sich bei Wärme deutlich stärker aus als Glas oder Holz. Mit dem Ausdehnungskoeffizienten von etwa 70 × 10⁻⁶ pro Kelvin ergibt sich rechnerisch: Eine 1 m lange Platte, die zwischen −20 °C im Winter und +60 °C in praller Sonne schwankt, verändert ihre Länge um rund 5,6 mm. Bei 2 m Plattenlänge sind es schon gut 11 mm. Planen Sie dieses Spiel in Länge und Breite ein und spannen Sie Platten nie starr zwischen Holzteile.

Infografik: Plexiglas-Gewächshaus in 5 Schritten – Die wichtigsten Punkte für ein dichtes, langlebiges Dach
Infografik: parifar.com. Quelle: Röhm GmbH, Wikipedia
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Typische Fehler

  • Schrauben zu fest angezogen oder Bohrungen zu knapp – die Platte reißt an den Löchern.
  • Normaler Metallbohrer mit hoher Drehzahl – Ausbrüche und Risse.
  • Kein Dehnungsspiel – die Platten wölben sich oder drücken aus den Profilen.
  • Offene Stegkammern – Schmutz, Insekten und Algen setzen sich in den Kammern fest.
  • Reinigung mit Glasreiniger oder Alkohol – es entstehen feine Spannungsrisse.

Tomaten im Kunststoffhaus: Braunfäule vorbeugen

Ein Regenschutz ist eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans). Der Pilz infiziert Tomaten, wenn Blätter, Stängel oder Früchte über mehrere Stunden nass bleiben. Das Landesamt für Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt ein Tomatendach mit offenen Seiten zur Belüftung und genügend Überstand gegen Schrägregen. Gießen Sie direkt an die Wurzeln, nicht über die Blätter, und pflanzen Sie Tomaten möglichst weit entfernt von Kartoffeln. In geschlossenen Gewächshäusern gilt: an warmen Tagen regelmäßig lüften, damit sich keine feuchte Luft staut. Weitere Anbautipps finden Sie in unserem Beitrag Fruchtgemüse anbauen.

Häufige Fragen

Wie reinige ich ein Gewächshaus aus Plexiglas?

Mit lauwarmem Wasser, etwas Spülmittel und einem weichen, fusselfreien Tuch oder Schwamm – immer feucht, nie trocken reiben. Fensterreiniger und andere alkoholhaltige Mittel sind ungeeignet. Mit dem Hochdruckreiniger arbeiten Sie unter 100 bar und unter 70 °C; rotierende Bürsten sind tabu.

Ist Plexiglas besser als Glas für ein Gewächshaus?

Acrylglas ist deutlich leichter und splittert nicht wie Glas. Als Stegplatte dämmt es zudem besser als Einfachglas. Dafür ist es weicher und kratzt leichter.

Wie lange halten Acrylglas-Stegplatten?

Röhm gibt für seine Stegplatten eine Garantie von 30 Jahren und nennt kaum Vergilbung über diesen Zeitraum. Bei anderen Herstellern sollten Sie die Garantiebedingungen prüfen.

Kann ich Plexiglas selbst schneiden?

Ja, mit einer Kreis- oder Stichsäge und einem feinzahnigen Hartmetallblatt. Die Schutzfolie bleibt dabei auf der Platte, und die Platte wird fest eingespannt.

Quellen

Melanie Groß schreibt für parifar über Reisen, Selbermachen und Alltag. Jeder Ratgeber wird mit Quellen geprüft und regelmäßig aktualisiert.