Kürbis, Gurke, Chili und Mais stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen der Welt – und so wollen sie auch behandelt werden: vorgezogen, nach den Eisheiligen gepflanzt und gut versorgt. Erbsen sind dagegen echte Frühstarter. Dieser Ratgeber erklärt Anbau, Ernte und Geschichte der wichtigsten Fruchtgemüse und Hülsenfrüchte im Garten.

| Gemüse | Vorkultur/Aussaat | Ins Freiland | Wichtig |
|---|---|---|---|
| Kürbis | Ende März bis Mitte April in Töpfen | ab Mitte Mai | Starkzehrer, nicht unter 10 °C |
| Gurke | Töpfe ab Ende April, Direktsaat ab Mai | ab über 12 °C | Kälteschutz mit Vlies |
| Chili | spätestens im Februar, bei 25–30 °C | nach den Eisheiligen | sehr frostempfindlich |
| Zuckermais | Vorkultur ab Mitte/Ende April | ab 12 °C Bodentemperatur | im Block pflanzen |
| Erbse | Direktsaat ab März | – | früh säen, Rankhilfe |
Kürbis: Anbau und Ernte
Kürbisse werden von Ende März bis Mitte April einzeln in Töpfe gesät, denn sie vertragen kein Pikieren. Bei etwa 20 °C keimen sie zügig. Ab Mitte Mai kommen die Pflanzen ins Beet – ungeschützt nie bei Temperaturen unter 10 °C. Kürbis ist ein Starkzehrer; 3 bis 5 Liter Kompost pro Quadratmeter decken den Grundbedarf. Moschuskürbisse brauchen viel Wärme und rund 120 Tage, Gartenkürbisse (Cucurbita pepo) kommen auch mit kühleren Lagen zurecht.
Ernte und Lagerung: Ein Kürbis ist reif, wenn der Stiel verholzt ist und sich die Schale mit dem Fingernagel nicht mehr eindrücken lässt. Bei 10 bis 15 °C und mäßiger Luftfeuchte halten viele Sorten mehrere Monate, am besten auf Stroh und getrennt von anderem Gemüse und Obst.
Geschichte des Kürbisses
Der Kürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Samen aus der Höhle Guilá Naquitz im mexikanischen Oaxaca belegen, dass Menschen den Gartenkürbis (Cucurbita pepo) schon vor rund 10.000 Jahren nutzten und züchteten. Cucurbita pepo stammt aus Mexiko und dem Süden der USA, der Moschuskürbis (C. moschata) aus Mittelamerika und der Riesenkürbis (C. maxima) aus Südamerika.
Nach Europa kam der Kürbis erst nach der Entdeckung Amerikas. Die ältesten europäischen Abbildungen finden sich in den Fruchtgirlanden der Villa Farnesina in Rom, gemalt 1515 bis 1518 – noch vor dem berühmten Kräuterbuch von Leonhart Fuchs (1542). Im 16. Jahrhundert wurde der Kürbis in Europa zunächst als Zier- und Heilpflanze angebaut.
Vorsicht vor bitteren Kürbissen und Zucchini
Speisekürbisse und Zucchini sind so gezüchtet, dass sie keine giftigen Bitterstoffe (Cucurbitacine) enthalten. Im Hausgarten können sie aber wieder auftauchen – meist, weil sich Pflanzen mit Zierkürbissen gekreuzt haben. Die erste Ernte ist dann noch unbedenklich; problematisch werden Pflanzen aus selbst gewonnenem Saatgut. Die Giftstoffe werden beim Kochen nicht zerstört und können Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Probieren Sie deshalb vor dem Kochen ein kleines Stück roh: Schmeckt es bitter, ausspucken und die ganze Frucht entsorgen.
Gurken anbauen
Die Gurke stammt vermutlich aus Indien bzw. den Vorbergen des Himalaya und wurde schon um 1500 v. Chr. kultiviert. Bei den Römern war sie beliebt – Plinius nannte sie ein Lieblingsgemüse von Kaiser Tiberius.
- Salatgurken wachsen meist im Gewächshaus; moderne Sorten setzen Früchte ohne Bestäubung an.
- Einlegegurken eignen sich für das Freiland: Vorkultur in Töpfen ab Ende April, Direktsaat ab Anfang Mai.
- Kälteschutz: Gurken vertragen keine Kälte. Unter 12 °C nehmen sie Schaden, auch die geernteten Früchte werden dann weich und wässrig. Vlies, Mulchfolie oder ein kleiner Folientunnel halten in den ersten Wochen Wärme am Beet. In Messungen lag die Nachttemperatur unter Vlies und Folie bei 14 °C statt 8 °C im Freien.
- Erziehung: Gurken an Gerüst oder Schnur hochleiten und die Früchte bis etwa 60 cm Höhe entfernen, damit die Pflanze kräftig wird.
Geerntete Gurken lagern am besten bei 12 bis 15 °C – also nicht im kalten Kühlschrankfach.
Chili anbauen
Chilis und Paprika gehören zur Gattung Capsicum. Am häufigsten ist C. annuum, das in Mexiko domestiziert wurde; im Tehuacán-Tal wurden Chilis schon vor fast 9.000 Jahren angebaut. Nach Europa kamen sie mit Kolumbus, in Deutschland sind sie seit 1542 belegt.
- Früh starten: spätestens im Februar säen, 1 bis 2 mm mit Erde bedecken. Zum Keimen brauchen Chilis 25 bis 30 °C, die Keimung kann bis zu vier Wochen dauern.
- Jungpflanzen über 20 °C halten und erst nach den Eisheiligen ins Freie stellen.
- Blüte: Am besten blühen Chilis bei 16 bis 21 °C; sehr warme Nächte lassen Blüten abfallen.
Schärfe: Verantwortlich ist Capsaicin, das vor allem im hellen Gewebe sitzt, an dem die Samen hängen – nicht in den Samen selbst. Gemessen wird die Schärfe in Scoville-Einheiten, von 0 bei Gemüsepaprika bis etwa 16 Millionen bei reinem Capsaicin.
Zuckermais anbauen
Zuckermais wird erst gesät, wenn der Boden in 5 cm Tiefe mindestens 12 °C warm ist – direkt ab Anfang Mai oder vorgezogen ab Mitte April. Unter 10 °C stockt das Wachstum.
- Im Block pflanzen: Mais wird vom Wind bestäubt. Pflanzen Sie ihn deshalb nicht in einer langen Reihe, sondern in einem Block von mindestens 4 m², mit etwa 25–30 × 50 cm Abstand.
- Abstand zum Feldmais: Mindestens 500 m, sonst werden die Körner stärkehaltig und weniger süß. Der Pollen wirkt sich bei Mais schon im selben Jahr auf die Körner aus.
- Ernte: in der Milchreife, etwa drei bis vier Wochen nachdem die Narbenfäden braun geworden sind. Danach sinkt die Qualität schnell – am besten direkt kochen.
Ein Hingucker ist schwarzer Zuckermais wie die alte US-Sorte 'Black Mexican' aus dem 19. Jahrhundert: Zur Erntezeit sind die Körner noch milchig-weiß, ausgereift färben sie sich blauschwarz.
Erbsen anbauen
| Typ | Merkmal | Aussaat |
|---|---|---|
| Palerbse | glatte, stärkereiche Samen, verträgt leichten Frost | am frühesten |
| Markerbse | schrumpelige, süße Samen, frostempfindlicher | etwas später |
| Zuckererbse | Hülse ohne Pergamentschicht, wird ganz gegessen | März bis Juni |
Erbsen werden etwa 5 cm tief gesät, zwei bis vier Reihen pro 1,20-m-Beet. Niedrige Sorten bis etwa 40 cm brauchen keine Stütze; höhere Sorten bekommen Reisig oder Maschendraht, sobald sie etwa 10 cm hoch sind. Früh säen lohnt sich: Erbsen brauchen zur Blüte eine Tageslänge von 12 bis 14 Stunden. Etwa acht bis zehn Wochen nach der Saat beginnt die Ernte.
Stickstoff aus der Luft: Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden Luftstickstoff, Erbsen brauchen daher kaum Dünger. Auf dasselbe Beet sollten Hülsenfrüchte erst nach vier bis fünf Jahren wieder.
Erbsenwickler: Die Larven dieses Falters fressen in den Hülsen. Frühe Saat, schnell blühende Sorten und ein Kulturschutznetz helfen.
Weitere Anleitungen: Gemüsegarten anlegen und Wurzelgemüse anbauen.





