Wurzelgemüse anbauen: Möhre, Rote Bete, Rettich, Pastinake, Kartoffel und mehr

Wurzel- und Knollengemüse sind das Rückgrat der Selbstversorgung: Sie wachsen zuverlässig, liefern viel Ertrag auf wenig Fläche und lassen sich oft bis ins Frühjahr lagern. Dieser Ratgeber erklärt den Anbau von Möhre, Roter Bete, Rettich, Pastinake, Schwarzwurzel, Knollensellerie, Steckrübe, Knollenziest und Kartoffel – mit Saatterminen, Abständen und Tipps zur Lagerung.

Möhren im Beet im Winter
Möhrenanbau mit Winterernte in der Pfalz. Foto: Schlaghecken Josef, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
GemüseAussaat/PflanzungAbstandErnte
Möhreab Ende Februar bis JuniReihen 15–25 cmnach ca. 3–6 Monaten
Rote BeteMitte April bis Anfang Juli25 × 8 cmnach 3–4 Monaten
RettichFrühjahr bis Sommer, je nach Sorteca. 20 × 20 cmFrühjahr bis Herbst
PastinakeMitte März bis Anfang Mai30–40 × 10 cmMitte September bis März
SchwarzwurzelFrühjahr25 × 6 cmab Oktober
KnollenselleriePflanzung nach den Eisheiligen bis Ende Juni40 × 40 cmHerbst
KnollenziestKnollen im Frühjahr legenReihen 40–50 cmOktober bis Februar
KartoffelMitte April bis Anfang Mai70 × 35 cmSommer bis Herbst

Möhren anbauen

Möhren brauchen Geduld: Je nach Bodentemperatur dauert es zwei bis vier Wochen, bis die Keimlinge erscheinen. Gesät wird ab Ende Februar etwa 1 bis 2 cm tief, frühe Sorten in Reihen mit 15 cm Abstand, Sommermöhren mit 20 cm und Lagermöhren mit 25 cm. Frühe Sorten brauchen rund 80 bis 90 Tage, Lagermöhren bis zu 190 Tage.

  • Markiersaat: Ein paar Radieschen- oder Salatsamen in der Reihe keimen schnell und zeigen, wo gehackt werden darf.
  • Möhrenfliege: Sie fliegt ab Ende April. Ein Vlies oder dichtes Netz direkt nach der Saat schützt die Möhren.
  • Frost: Junge Pflanzen vertragen leichten Frost; Spätfrost kann aber dazu führen, dass Möhren schon im ersten Jahr blühen.

Möhren sind das carotinreichste Gemüse; der Gehalt liegt je nach Sorte bei etwa 5 bis 30 mg pro 100 g. Die heute typische orange Farbe entstand vermutlich erst im 17. Jahrhundert in den Niederlanden.

Rote Bete anbauen

Rote Bete wird von Mitte April bis Anfang Juli direkt gesät, 25 cm zwischen den Reihen und etwa 8 cm in der Reihe. Die Samen sind meist Knäuel aus mehreren Keimen, deshalb muss vereinzelt werden – außer bei „monogermen“ Sorten. Nach drei bis vier Monaten ist die Knolle erntereif. Neben der klassischen roten gibt es gelbe, weiße und rot-weiß geringelte Sorten wie die italienische 'Chioggia', benannt nach einer Stadt bei Venedig. Rote Bete liefert rund 40 kcal pro 100 g und viel Folat, enthält aber auch Oxalsäure.

Rettich anbauen

Rettich ist ein Kreuzblütler und wird mit etwa 20 × 20 cm Abstand gesät. Für das Frühjahr eignen sich frühe Sorten wie 'Ostergruß rosa', für Herbst und Winter lagerfähige Sorten wie 'Münchner Bier', 'Runder Schwarzer Winter' oder 'Hilds Blauer Herbst und Winter'.

  • Schossen und Pelzigkeit: Lange weiße Rettiche schießen, wenn sie zu früh gesät werden – Vlies oder Folie beugen vor. Trockenheit, Hitze und Überreife machen Rettich pelzig.
  • Schädlinge: Gegen Kohl- und Rettichfliege helfen Vlies oder Netz.
  • Lagerung: Schwarze Winterrettiche halten sich bei etwa 0 °C und hoher Luftfeuchte mehrere Monate.

Eine Kuriosität ist der Rattenschwanzrettich: Bei ihm isst man nicht die Wurzel, sondern die langen, scharfen Schoten.

Pastinaken anbauen

Die Pastinake war in Mitteleuropa bis ins 18. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel und wurde 2011 Gemüse des Jahres. Gesät wird von Mitte März bis Anfang Mai etwa 2 cm tief, in Reihen mit 30 bis 40 cm Abstand; später auf 10 cm vereinzeln. Kaufen Sie jedes Jahr frisches Saatgut, denn die Keimfähigkeit lässt schnell nach. Die Keimung dauert zwei bis drei Wochen.

Geerntet wird ab Mitte September. Am besten bleiben die Wurzeln im Beet und werden bei Bedarf bis in den März ausgegraben. Nach kühler Witterung schmecken sie süßer. Vorsicht: Das Laub enthält Furocumarine, die zusammen mit Sonnenlicht Hautreizungen auslösen können. Tragen Sie bei der Arbeit Handschuhe und lange Ärmel.

Schwarzwurzeln anbauen

Die Schwarzwurzel, auch „Winterspargel“ oder „Arme-Leute-Spargel“ genannt, braucht tiefgründigen, lockeren Boden, damit die langen Wurzeln gerade wachsen. Gesät wird im Frühjahr mit 25 × 6 cm Abstand und frischem Saatgut. Die Pflanze ist winterhart; geerntet wird ab Oktober, vorsichtig, damit die Wurzeln nicht brechen. Der klebrige Milchsaft färbt die Hände braun – beim Schälen Handschuhe tragen oder unter Essigwasser arbeiten. In feuchtem Sand halten Schwarzwurzeln bis März.

Knollensellerie anbauen

Knollensellerie wird vorgezogen und erst nach den Eisheiligen bis Ende Juni mit 40 × 40 cm Abstand gepflanzt. Er ist nicht winterhart, verträgt im Oktober aber leichten Frost. Typische Probleme sind die Blattfleckenkrankheit (Septoria), die Möhrenfliege und der Petersilienrüssler. Halten Sie für Doldenblütler wie Sellerie, Möhre und Pastinake eine Anbaupause von mindestens fünf Jahren ein.

Steckrübe: das Gemüse des Hungerwinters

Die Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera), auch Kohlrübe oder Wruke genannt, ist eng mit dem Raps verwandt. Bekannt wurde sie durch den „Steckrübenwinter“ 1916/17: Die Kartoffelernte fiel nur etwa halb so groß aus wie üblich, die Seeblockade der Entente verschärfte die Lage. Die Menschen ernährten sich 1917 oft von weniger als 1.000 Kilokalorien am Tag, und Steckrüben mussten vielerorts die Kartoffel ersetzen. Vorher war die Rübe vor allem Schweinefutter; 1917 erschienen sogar eigene Steckrüben-Kochbücher.

Knollenziest (Japanknolle)

Der Knollenziest (Stachys affinis) stammt aus China und bildet kleine, perlschnurartige Knollen. Nach Europa kam er 1882 durch den Franzosen Pailleux, der ihn auf seinem Hof im französischen Crosnes anbaute – daher der französische Name „Crosnes“. Die Knollen werden im Frühjahr etwa 10 cm tief gelegt und von Oktober bis Februar geerntet. Sie welken schnell, halten sich aber in feuchtem Sand unter 2 °C monatelang. Achtung: Knollenziest breitet sich stark aus, ernten Sie deshalb jede Knolle.

Kartoffeln anbauen

Ist die Kartoffel ein Gemüse? Botanisch ist sie eine Sprossknolle aus der Familie der Nachtschattengewächse. In der Ernährung wird sie meist nicht zum Gemüse gezählt, sondern als Grundnahrungsmittel betrachtet. Im Garten wird sie aber angebaut wie Gemüse:

  • Vorkeimen: Frühkartoffeln vier bis fünf Wochen vor dem Pflanzen hell bei 12 bis 15 °C vorkeimen, bis die Triebe etwa 2 cm lang sind.
  • Pflanzen: ab 8 °C Bodentemperatur, meist Mitte April bis Anfang Mai. Reihen etwa 70 cm, in der Reihe 35 cm, 5 bis 10 cm tief.
  • Anhäufeln: handhoch anhäufeln und drei bis vier Wochen später wiederholen.
  • Kartoffelkäfer: Käfer, gelbe Eigelege und Larven regelmäßig absammeln.
  • Krautfäule: Sie überwintert in Knollen. Befallene Pflanzen nicht kompostieren, drei bis vier Jahre Anbaupause einhalten und robuste Sorten wie 'Orla' oder 'Blaue Anneliese' wählen.
  • Ernte: Lagerkartoffeln etwa zwei Wochen nach dem Absterben des Laubs ernten.

Solanin: Grüne Stellen, Keime und Augen enthalten das giftige Solanin, das sich bei Licht und Wärme bildet und beim Kochen nicht zerstört wird. Schneiden Sie grüne Stellen großzügig weg, verwenden Sie das Kochwasser nicht weiter und geben Sie kleinen Kindern keine ungeschälten Kartoffeln.

Wurzelgemüse richtig lagern

  • Temperatur und Feuchte: Wurzelgemüse knapp über 0 °C bei sehr hoher Luftfeuchte lagern.
  • Sand: Möhren, Rote Bete, Schwarzwurzeln und Sellerie lagenweise in feuchten Sand einschichten.
  • Erdmiete: Im Garten eine Grube mit Stroh und Erde abdecken und mit Draht gegen Wühlmäuse sichern.
  • Kartoffeln: dunkel und nicht unter 5 °C lagern, sonst werden sie süß.
  • Keine Äpfel daneben: Das Reifegas Ethylen macht Möhren bitter. Auch Kartoffeln gehören nicht neben Äpfel.

Weitere Anleitungen: Zwiebeln anbauen und Gemüsegarten anlegen.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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