Blaualgen im Aquarium: erkennen, bekämpfen, vorbeugen

Schmierige, dunkelgrüne Beläge auf Boden, Steinen und Pflanzen, dazu ein muffiger Geruch: Das sind meist Blaualgen. Sie gehören zu den hartnäckigsten Plagen im Aquarium und tauchen auch im Gartenteich auf. Dieser Ratgeber erklärt, was Blaualgen sind, warum sie entstehen und wie Sie sie dauerhaft loswerden.

Was sind Blaualgen?

Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien: Bakterien ohne echten Zellkern, die Photosynthese betreiben. Ihre Farbe kommt vom blauen Farbstoff Phycocyanin, bei manchen Arten zusätzlich vom roten Phycoerythrin. Je nach Mischung sehen die Beläge blaugrün, grün, rötlich oder fast schwarz aus. Viele Arten können Stickstoff aus der Luft binden. Das erklärt, warum sie sich gerade dann gut halten, wenn im Wasser wenig Nitrat vorhanden ist.

So erkennen Sie Blaualgen

  • Aussehen: flächige, schleimige Teppiche („Schmieralgen“), die sich als Haut abziehen lassen.
  • Geruch: muffig bis leicht fischig. Bei starkem Befall riecht man es schon beim Öffnen der Abdeckung.
  • Ort: zuerst an Stellen mit wenig Strömung, auf dem Bodengrund an der Frontscheibe, auf Steinen und älteren Pflanzenblättern.
  • Gasblasen: Unter den Matten bilden sich oft Bläschen, die Teile der Beläge anheben.

Normale Grünalgen sitzen dagegen fester, riechen nicht und lassen sich nicht als zusammenhängende Haut abziehen.

Ursachen: Warum Blaualgen entstehen

Blaualgen sind fast immer ein Zeichen für ein Ungleichgewicht. Die häufigsten Auslöser:

  • Tote Zonen: schwache Strömung und wenig Sauerstoff in Ecken oder hinter Dekoration.
  • Organische Last: Futterreste, Mulm und faulende Pflanzenteile auf dem Boden.
  • Zu viel Futter, zu viele Fische, zu seltene Wasserwechsel.
  • Nährstoffmangel bei Pflanzen: Ist zu wenig Nitrat vorhanden, kümmern die Pflanzen, während Cyanobakterien Stickstoff selbst binden und sich durchsetzen.
  • Licht: zu lange oder zu starke Beleuchtung.
  • Junges Becken: Ein noch nicht eingefahrener Filter begünstigt Blaualgen.

Blaualgen bekämpfen: Schritt für Schritt

  1. Absaugen: Beläge mit dem Schlauch beim Wasserwechsel absaugen, möglichst täglich, bis sie nicht mehr nachwachsen. Stark befallene Pflanzenteile entfernen.
  2. Wasser wechseln: In der akuten Phase größere Wasserwechsel durchführen und den Boden gründlich mulmen.
  3. Strömung verbessern: Filterauslauf anders ausrichten oder eine kleine Strömungspumpe ergänzen, damit keine toten Ecken bleiben. Für mehr Sauerstoff sorgen.
  4. Futter und Licht reduzieren: sparsamer füttern und die Beleuchtungsdauer kürzen.
  5. Nitrat prüfen: Liegt Nitrat nahe null, kann eine vorsichtige Nitratdüngung den Pflanzen helfen, die Blaualgen zu verdrängen. Schnellwachsende Pflanzen unterstützen das.

Verdunkelung: die Dunkelkur

Bei hartnäckigem Befall hilft eine Verdunkelung. Vorher werden die Beläge so gut wie möglich abgesaugt und ein großer Teil des Wassers gewechselt. Dann bleibt das Licht aus, das Becken wird mit Decken oder Pappe komplett abgedunkelt, eine CO₂-Anlage wird abgeschaltet und es wird kaum gefüttert. Häufig empfohlen werden 3 bis 5 Tage, manche Anleitungen beschreiben längere Kuren bis zu rund zwei Wochen. Nach der Kur folgt erneut ein großer Wasserwechsel. Fische und Pflanzen überstehen ein paar dunkle Tage in der Regel gut. Die Ursachen muss man trotzdem abstellen, sonst kommen die Beläge zurück.

Mittel gegen Blaualgen: Antibiotika und Wasserstoffperoxid

Antibiotika wie Erythromycin wirken gegen Cyanobakterien, schädigen aber auch die Filterbakterien. In Deutschland und der EU sind antimikrobielle Tierarzneimittel verschreibungspflichtig und gehören nur in die Hand des Tierarztes. Für eine Algenplage sind sie keine sinnvolle Lösung.

Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3 %) gilt als letztes Mittel. Eine Aquascaping-Anleitung nennt 8 bis 15 ml pro 50 Liter, verteilt über drei bis vier Tage, danach einen Wasserwechsel von mindestens 50 %. Empfindliche Pflanzen wie Riccia können Schaden nehmen, auch die Filterbakterien leiden. Arbeiten Sie mit Handschuhen und Schutzbrille und dosieren Sie lieber vorsichtig.

Blaualgen im Gartenteich: Vorsicht vor Giften

In Seen und Teichen können Cyanobakterien Gifte bilden. Am häufigsten sind in Deutschland Microcystine, die die Leber schädigen. Das Umweltbundesamt nennt für Microcystin-LR einen WHO-Leitwert von 1 µg pro Liter, Blüten können ein Vielfaches davon enthalten. Matten am Gewässergrund können zudem Nervengifte (Anatoxine) enthalten, an denen bereits Hunde gestorben sind. Hunde und kleine Kinder sollten deshalb von sichtbaren Blaualgen-Matten und trübem, verfärbtem Wasser ferngehalten werden.

Blaualgen vorbeugen

  • regelmäßige Teilwasserwechsel und Bodengrund mulmen (mehr dazu im Ratgeber Wasserpflege im Aquarium)
  • gute Strömung ohne tote Zonen
  • maßvoll füttern und den Besatz nicht überziehen
  • genug Nährstoffe für die Pflanzen, kein Nitratmangel
  • Geduld beim Einfahren eines neuen Beckens (siehe Aquarium für Anfänger)

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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