Fruchtfliegen, Enchyträen, Infusorien, Artemia und Mückenlarven: Viele Aquarianer und Terrarianer züchten ihr Lebendfutter selbst. Das spart Geld, liefert immer frisches Futter und ist für die Aufzucht winziger Jungfische oft unverzichtbar. Hier finden Sie die wichtigsten Futterzuchten mit Temperaturen, Zeiten und typischen Fehlern.
Warum Lebendfutter?
Lebende Futtertiere lösen den Jagdtrieb aus: Fische können ihr natürliches Beuteverhalten ausleben. Für Jungfische vieler Arten sind Infusorien, Essigälchen oder frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien das erste Futter, weil sie noch kein Trockenfutter aufnehmen. Viele Züchter setzen Lebendfutter außerdem ein, um Elterntiere vor dem Ablaichen gut zu ernähren (mehr dazu im Ratgeber Zierfische züchten).
| Futtertier | Größe | Temperatur | geeignet für |
|---|---|---|---|
| Infusorien (Pantoffeltierchen) | 50–300 µm | ca. 18–29 °C | kleinste Jungfische |
| Essigälchen | 1–2 mm | 20–30 °C | Jungfische |
| Mikrowürmer | 1,5–2 mm | 21–27 °C | Jungfische |
| Artemia-Nauplien | ca. 0,45 mm | ca. 25 °C | Jungfische, kleine Fische |
| Grindalwürmer | bis ca. 10 mm | 20–27 °C | kleine bis mittlere Fische |
| Enchyträen | 2–3 cm | kühl, unter ca. 20 °C | größere Fische, Amphibien |
| Fruchtfliegen | ca. 2–3 mm | 21–27 °C | Oberflächenfische, Pfeilgiftfrösche, kleine Terrarientiere |
Drosophila: Fruchtfliegen züchten
Für die Fütterung nutzt man flugunfähige Zuchtformen „mit Stummelflügeln“. Zwei Arten sind verbreitet:
- Drosophila melanogaster: klein, schnell. Im Labor dauert die Entwicklung vom Ei zur Fliege bei 25 °C rund neun Tage. Im Zuchtglas schlüpfen die ersten neuen Fliegen meist nach 10 bis 14 Tagen.
- Drosophila hydei: etwa doppelt so groß, aber langsamer. Ein Ansatz liefert nach etwa drei Wochen, dann in mehreren Schüben.
So geht der Ansatz: Als Nährboden dient meist Kartoffelpüreepulver mit Hefe und etwas Zucker, angerührt mit einer Mischung aus Wasser und Essig. Ein Gurkenglas oder Becher wird etwa zu einem Drittel gefüllt, oben kommen Holzwolle oder ein Stück Pappe als Kletterhilfe hinein. Der Deckel braucht Luftlöcher mit feiner Gaze oder einen Schaumstoffstopfen. Etwas Lebendhefe oder ein Schimmelhemmer (Nipagin) verhindern Schimmel. Ein Ansatz mit schwarzem Schimmel gehört in den Müll.
Temperatur: ideal 21 bis 27 °C. Über etwa 29 °C werden die Fliegen unfruchtbar, unter 18 °C bricht die Produktion ein. Bei Wärme über etwa 27,5 °C können stummelflügelige Fliegen wieder flugfähige Nachkommen bekommen.
Milben vermeiden: Alte Ansätze nach vier bis fünf Wochen entsorgen, weil das Milbenrisiko mit dem Alter steigt. Neue Ansätze regelmäßig nachlegen, die Gläser gut verschließen und nicht direkt neben Terrarien lagern.
Enchyträen und Grindalwürmer
Enchyträen (Enchytraeus albidus) sind weiße Würmer von 2 bis 3 cm Länge. Sie mögen es kühl: Bei Temperaturen um die 25 °C gehen sie auf Dauer ein, im warmen Aquarium sterben sie. Gehalten werden sie in einer Kiste mit feuchtem, aber nicht nassem Substrat aus Kokosfaser, Torf oder Komposterde mit etwas Sand. Gefüttert wird mit eingeweichtem Brot oder Haferflocken unter einer Glasplatte. Zum Ernten hebt man den Futterklumpen an und sammelt die Würmer ab, die sich darum knäueln.
Grindalwürmer (Enchytraeus buchholzi) werden nur etwa 1 cm lang und vertragen Wärme besser, ideal sind 22 bis 27 °C. Sie lassen sich sauber auf Schaumstoffplatten in einer belüfteten Dose züchten und mit Babybrei oder Haferflocken füttern.
Beide Würmer sind sehr fett- und eiweißreich. Füttern Sie sie deshalb nur ein- bis zweimal pro Woche und nur so viel, wie sofort gefressen wird. Würmer, die sich in den Boden eingraben und dort sterben, belasten das Wasser.
Infusorien: das erste Futter für Jungfische
Infusorien sind Einzeller wie das Pantoffeltierchen, die sich von Bakterien ernähren. So setzen Sie eine Kultur an:
- Ein Glas mit Aquarienwasser füllen und etwas Salat, Kohl oder Kartoffelschale hineingeben.
- Hell, aber nicht in die pralle Sonne stellen, bei etwa 18 bis 29 °C.
- Nach einigen Tagen wird das Wasser trüb (Bakterienblüte), dann wieder klarer. Jetzt haben sich die Infusorien vermehrt.
- Mehrmals täglich ein paar Tropfen bis Milliliter ins Aufzuchtbecken geben.
Wird die Kultur erneut trüb oder riecht faulig, ist sie verbraucht. Am besten laufen zwei bis drei Gläser zeitversetzt, damit immer eine ergiebige Kultur bereitsteht.
Essigälchen und Mikrowürmer
Essigälchen (Turbatrix aceti) sind 1 bis 2 mm lange Fadenwürmer, die in Apfelessig leben. Angesetzt wird mit naturtrübem Apfelessig, gegebenenfalls 1:1 mit Wasser verdünnt, plus ein paar Apfelstücken. Nach etwa einer Woche kann man ernten. Vor dem Verfüttern müssen die Älchen gründlich gespült werden, damit kein Essig ins Becken kommt. Ein großer Vorteil: Sie überleben im Süßwasser lange.
Mikrowürmer (Panagrellus) leben in einem Brei aus Haferflocken, Hefe und Wasser. Eine neue Kultur liefert nach etwa einer Woche, die Würmer kriechen an der Gefäßwand hoch und lassen sich abstreifen. Mit frischem Brei hält eine Kultur bei 20 °C bis zu drei Monate.
Artemia-Nauplien erbrüten
Salinenkrebs-Nauplien sind das Standardfutter in der Fischzucht. Laut Herstelleranleitung braucht man:
- Salzwasser mit 20 bis 30 g Salz pro Liter
- kräftige Belüftung über einen Ausströmerstein
- Licht und rund 25 °C: Dann schlüpfen die Nauplien nach etwa 24 Stunden, bei 20 °C nach 36 bis 48 Stunden
Zum Ernten die Luft abschalten und fünf Minuten warten. Die leeren Schalen steigen auf, die orangefarbenen Nauplien sinken ab und werden abgesaugt, gesiebt und mit Leitungswasser gespült. Verfüttern Sie sie frisch, dann sind sie am nährstoffreichsten. Leere oder nicht geschlüpfte Eier sollten nicht ins Becken, sie können den Darm von Jungfischen verstopfen.
Schwarze Mückenlarven aus der Regentonne
Im Sommer legen Stechmücken der Gattung Culex ihre Eier als kleine schwimmende „Eischiffchen“ mit 150 bis 300 Eiern auf stehendes Wasser. Ein Eimer oder eine Regentonne im Garten reicht. Unter guten Bedingungen dauert die Entwicklung vom Ei bis zur Mücke nur 10 bis 14 Tage, das Puppenstadium etwa zwei bis vier Tage.
Wichtig: Ernten Sie alle paar Tage alle Larven und Puppen ab, spätestens nach fünf bis sieben Tagen. Sonst schlüpfen Mücken und Sie züchten eine Plage für sich und die Nachbarn. Das Umweltbundesamt rät generell, Regentonnen abzudecken. Rote Mückenlarven (Zuckmücken) lassen sich dagegen zu Hause praktisch nicht züchten, weil die Mücken in Gefangenschaft nicht schwärmen und sich nicht paaren.
Vorsicht bei Wildfängen: Futtertiere aus Teichen mit Fischbestand können Parasiten, Süßwasserpolypen (Hydra) oder Planarien einschleppen. Larven aus einer fischfreien Regentonne sind deutlich sicherer.
Milben und Staubläuse in Futterzuchten
Kleine krabbelnde Tierchen in oder neben den Zuchtgefäßen sind meist Milben oder Staubläuse. Staubläuse sind 1 bis 1,5 mm groß, fressen Schimmel und Pilzsporen und vermehren sich bei einer Luftfeuchte über 60 %. Sie beißen nicht und sind weitgehend harmlos, zeigen aber an, dass es zu feucht ist oder etwas schimmelt. Milben befallen vor allem alte Fruchtfliegenansätze. Gegenmittel: Ansätze nicht zu alt werden lassen, Zuchtgefäße trocken stellen, regelmäßig lüften und neue Kulturen räumlich getrennt ansetzen.
Quellen
- Wikipedia: Drosophila melanogaster
- Max-Planck-Gesellschaft: Haltung und Zucht von Drosophila
- Universität Kassel: Hinweise für das Arbeiten mit Drosophila
- Frogforum: Fruit Fly Culturing
- killi.co.uk: Whiteworms
- ANGFA: Grindal worms
- zooplus Magazin: Lebendfutter für Fische
- Wikipedia: Pantoffeltierchen
- Aquariadise: Infusoria
- ANGFA: Vinegar eelworms
- University of Florida IFAS: Microworms
- FAO: Artemia
- Umweltbundesamt: Stechmücken
- ANGFA: Bloodworms
- sera: Worms and Hydra
- Apotheken Umschau: Staubläuse in der Wohnung

