Zierfische züchten: Grundlagen, Zuchtutensilien, Pastellgrundel und Skalare

Wenn die eigenen Fische ablaichen und die ersten Jungfische durchs Becken schwimmen, ist das für viele Aquarianer der schönste Moment im Hobby. Damit die Nachzucht gelingt, braucht es etwas Planung: passende Zuchtbecken, das richtige Erstfutter und Wissen über die jeweilige Art. Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen der Zierfischzucht und stellt zwei beliebte Arten vor: die Pastellgrundel und den Skalar.

Grundlagen: So gelingt die Nachzucht

  • Art kennen: Freilaicher, Höhlenbrüter, Offenbrüter und Lebendgebärende brauchen jeweils andere Bedingungen.
  • Elterntiere gut ernähren: abwechslungsreich und mit hochwertigem Futter, gern auch Lebendfutter.
  • Eigenes Zuchtbecken: Im Gesellschaftsbecken werden Eier und Jungfische meist gefressen.
  • Erstfutter vorbereiten: Infusorien oder Artemia-Kulturen müssen bereitstehen, bevor die Jungfische freischwimmen.
  • Wasserqualität: Jungfische wachsen nur in sauberem Wasser gut.

Zuchtutensilien: Laichrost, Ablaichkasten und Schwammfilter

HilfsmittelWofür
Laichrost (Ablaichgitter)Ein feines Gitter, oft mit Pflanzen oder Moos belegt, für Freilaicher und Bodenlaicher. Die Eier fallen hindurch und sind vor den Eltern sicher. Nach dem Ablaichen kommen die Eltern heraus, nach dem Schlupf das Gitter.
AblaichkastenEin Einhängekasten für Lebendgebärende. Das Weibchen sitzt oben, die Jungfische fallen durch einen Rost in den unteren Teil.
Schwammfilter mit LuftheberIdeal für Aufzuchtbecken: Jungfische werden nicht angesaugt und finden auf dem Schwamm zusätzlich Mikroorganismen.
Hamburger MattenfilterEine Filtermatte über die Beckenbreite, per Luftheber betrieben. Sie wird nicht ausgewaschen, nur die Oberfläche abgesaugt.
Laichhöhlen und -substrateTonhöhlen, Rohrstücke oder Schieferplatten, je nach Art.
Artemia-BrutanlageFür frische Nauplien als Erstfutter.

Pastellgrundel (Tateurndina ocellicauda) züchten

Die Pastellgrundel stammt aus Bächen im Osten von Papua-Neuguinea. Sie wird etwa 7 bis 7,5 cm lang, Weibchen bleiben kleiner. Mit ihren blauvioletten Flanken, roten Punkten und dem dunklen Fleck vor der Schwanzflosse gehört sie zu den hübschesten Kleinfischen. An das Wasser stellt sie keine besonderen Ansprüche; Richtwerte sind 22 bis 26 °C und ein pH-Wert bis etwa 7,2.

Zucht: Pastellgrundeln sind Höhlenbrüter. Ein Stück Rohr, eine Tonhöhle oder ein Steinspalt genügt. Das Paar reinigt die Höhle, das Weibchen heftet die Eier an Decke oder Wände. Die Angaben zur Eizahl schwanken je nach Quelle stark, von etwa 30 bis zu 200. Danach übernimmt das Männchen: Es vertreibt das Weibchen, bewacht das Gelege und fächelt ihm Frischwasser zu. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach etwa drei bis zehn Tagen und schwimmen ein bis zwei Tage später frei.

Aufzucht: Die Jungfische sind winzig. Sie brauchen zunächst Infusorien, nach einigen Tagen dann frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Geschlechtsreif werden Pastellgrundeln mit etwa sechs bis acht Monaten.

Skalare (Pterophyllum scalare) züchten

Der Skalar kommt aus dem Amazonasgebiet und den Flüssen Guayanas. Er wird etwa 15 cm lang und bis zu 25 cm hoch und kann bei guter Pflege bis zu 15 Jahre alt werden. Skalare leben in Gruppen und brauchen ein hohes Becken. Die österreichische Tierhaltungsverordnung nennt als Mindestmaß 100 × 40 × 50 cm, 24 bis 30 °C und mindestens fünf Tiere; für die Zucht sind kleinere Becken erlaubt.

Paarbildung: Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Am einfachsten zieht man eine Gruppe Jungtiere auf und lässt die Paare sich selbst finden. Ein Paar grenzt dann ein Revier ab und kann in ein eigenes Zuchtbecken umgesetzt werden. Ein verlässliches äußeres Merkmal, um das Alter eines erwachsenen Skalars zu bestimmen, gibt es nicht.

Ablaichen: Skalare sind Offenbrüter. Das Paar putzt eine senkrechte Fläche – ein breites Pflanzenblatt, eine schräg gestellte Schieferplatte, manchmal leider auch den Heizstab. Große Gelege umfassen einige hundert, in Einzelfällen bis zu 1000 Eier. Nach etwa 60 Stunden schlüpfen die Larven. Sie hängen zunächst mit Kopfdrüsen am Substrat, zehren vom Dottersack und schwimmen nach rund fünf Tagen frei. Dann ist frisch geschlüpftes Artemia das ideale Erstfutter.

Brutpflege oder künstliche Aufzucht: Beide Eltern bewachen Eier und Jungfische. Viele Paare fressen ihre Gelege aber selbst. Züchter nehmen das Substrat mit den Eiern deshalb oft heraus und ziehen sie in einem separaten Becken mit leichter Belüftung auf.

Aufzucht der Jungfische

  • Oft und wenig füttern: bis zu sechs kleine Portionen am Tag. Welches Futter wann passt, steht im Ratgeber Lebendfutter selbst züchten.
  • Häufig Wasser wechseln: Stoffwechselprodukte bremsen das Wachstum. Erfahrene Züchter wechseln mehrmals pro Woche bis zu 50 %.
  • Nach Größe sortieren: Würfe unterschiedlichen Alters nicht mischen, größere Geschwister von kleineren trennen.
  • Kranke oder verkrüppelte Tiere aussortieren und tierschutzgerecht behandeln, im Zweifel mit Rat vom Tierarzt.

Fischzimmer und Zuchtraum einrichten

Wer viele Becken betreibt, richtet oft einen eigenen Raum ein. Erfahrungen aus der Praxis:

  • Raum statt Becken heizen: Ob man den Raum oder jedes Becken einzeln heizt, kostet ähnlich viel Energie. Eine gute Isolierung von Wänden, Decke und Tür senkt die Kosten aber deutlich. Viele heizen den Raum auf eine Grundtemperatur und nutzen Heizstäbe nur für Becken, die es wärmer brauchen.
  • Feuchtigkeit: Offene Becken bringen viel Feuchtigkeit in die Luft. Abdeckungen, Lüften und gegebenenfalls ein Luftentfeuchter verhindern Schimmel und Kondenswasser an kalten Wänden.
  • Luft umwälzen: Ein Ventilator gleicht Temperaturunterschiede zwischen oberen und unteren Regalebenen aus.
  • Statik: Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm. Mehrere große Becken bringen schnell Hunderte Kilogramm auf den Boden. Klären Sie die Belastbarkeit im Zweifel mit einem Fachmann.

Wohin mit überzähligen Jungfischen?

Erfolgreiche Zucht bringt oft mehr Fische, als man selbst halten kann. Geben Sie Nachzuchten an andere Aquarianer, Vereine oder den Fachhandel ab. Niemals aussetzen: Nach § 40 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz braucht das Ausbringen von Tieren in die freie Natur eine Genehmigung. Das Aussetzen von Heimtieren verstößt zudem gegen das Tierschutzgesetz. Auch Aquarienwasser gehört in den Abfluss, nicht in Teiche oder Bäche, damit keine Pflanzen oder Krankheitserreger in die Natur gelangen.

Wie Sie Ihr erstes Becken richtig einrichten, lesen Sie im Ratgeber Aquarium für Anfänger.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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