damenundherren e.V.: Düsseldorfer Off-Kultur im Friseursalon (2003–2022)

Der damenundherren e.V. war fast zwanzig Jahre lang einer der bekanntesten Orte der Düsseldorfer Off-Kultur. In einem ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee zeigten junge Künstlerinnen und Künstler Ausstellungen, es gab Konzerte, Lesungen, Impro-Theater und – nach eigenen Angaben – die erste Düsseldorfer Pecha Kucha Night und die erste Silent Reading Party in NRW. 2017 verlor der Verein seine Räume, 2022 löste er sich auf. Hier lesen Sie seine Geschichte.

Zwölf Leute, ein Friseursalon: die Gründung 2003

Gegründet wurde der Verein am 15. Februar 2003 von zwölf jungen Leuten im Café Nooij an der Hoffeldstraße in Flingern. Noch im selben Jahr bezog er sein Vereinsheim: einen ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee 35. Die Adresse liegt in der Friedrichstadt, wird wegen des Straßennamens aber oft Oberbilk zugeordnet. Der Name „damenundherren“ – meist kleingeschrieben – passt zum früheren Friseurladen, der Verein selbst hat das nach den verfügbaren Quellen aber nie ausdrücklich so erklärt.

Offener Raum statt Galerie: Konzept und Selbstverwaltung

Der Verein verstand sich als gemeinnütziger, nichtkommerzieller und offener Raum für junge, experimentelle Kunst, die in den klassischen Ausstellungshäusern kaum Platz fand. Über Projekte entschieden die Mitglieder in monatlichen offenen Sitzungen mit Mehrheit. Alle arbeiteten ehrenamtlich, feste Öffnungszeiten gab es nicht.

Finanziert wurde das Programm über Zuschüsse und Partys. Die Stadt förderte nur einzelne Projekte, keine laufenden Kosten; 2015 waren es zum Beispiel 2.300 Euro aus dem Fonds für bildende Kunst und 2.000 Euro für Konzerte. Vereinsmitglied Axel Kopp kritisierte 2012 öffentlich das Missverhältnis zwischen „Millionen für die Hochkultur“ und „Groschen für die Off-Szene“.

Pecha Kucha, CryptoParty, Silent Reading: das Programm

Das Programm war bunt: Vernissagen, Impro-Theater, Lesungen, Konzerte, Filmabende und Kneipenabende. Einige Beispiele:

JahrVeranstaltung
2011Fotoausstellung „Body Sculptures“ von Anne Ackermann und Jaane Christensen über Geschlechterrollen und Schönheitsideale
2012„Malerschule auf den Barrikaden“, eine Veranstaltung von Thomas Giese, auf die der Wikipedia-Artikel über den Maler Emanuel Leutze verweist
2014CryptoParty, ein Workshop zur Verschlüsselung
2016Silent Reading Party: vier Stunden gemeinsames, stilles Lesen
mehrfachPecha Kucha Nights, Kurzvorträge mit je 20 Bildern; nach Vereinsangaben die ersten in Düsseldorf

Außerdem war der Verein Mitinitiator der MicroPopWeek, eines nichtkommerziellen Musikfestivals in Düsseldorf.

Ärger an der Oberbilker Allee

Ab 2015 wurde es schwierig. Es gab Streit mit Nachbarn und der Bauaufsicht, Konzerte und Partys durften in den Räumen nicht mehr stattfinden – damit fiel auch eine wichtige Einnahmequelle weg. Anfang 2016 kündigte der Vermieter den Mietvertrag, es folgte ein Rechtsstreit. Im Februar 2017 feierte der Verein an Altweiber mit einer Karnevalsparty Abschied von der Oberbilker Allee.

Zwischenzeitlich bespielte der Verein mit Unterstützung der Stadt das Haus Kolvenbach am Rheinpark in Golzheim, unter anderem im Sommer 2015. Nach dem Auszug boten andere Orte der Szene Räume an, etwa das zakk, die Brause, das WP8 und das FFT.

Raumnot und die Debatte um die Off-Kultur

Das Schicksal des Vereins wurde zum Beispiel in der Düsseldorfer Kulturpolitik. 2015 übergaben Off-Kultur-Initiativen dem damaligen Oberbürgermeister Thomas Geisel ihre Forderungen. 2018 nannten Grüne, SPD und FDP in einem Ratsantrag „Brause“, „Damen und Herren“ und „Datscha“ als Beispiele für die Verdrängung der freien Szene. Noch 2022 hieß es in der Lokalpresse, die Kunstvereine Brause, Reinraum und damenundherren suchten verzweifelt nach Räumen.

Trauerzug über die Kö: Auflösung und Abschied

Ein erster Antrag auf Auflösung scheiterte 2020: „Zu reich sind die Erinnerungen und zu groß die Hoffnungen auf einen neuen gemeinsamen Ort.“ Am 1. September 2022 beschlossen die verbliebenen Mitglieder dann die Auflösung.

Gefeiert wurde trotzdem: Am 17. Juni 2023 lud der Verein zum Abschiedsfest in den Kunstraum Kö an der Königsallee, mit Kuchen und Trödel, dem Vereinschor, Konzerten, einer Party auf zwei Etagen und einem Trauerzug über die Kö unter dem Motto „Wir tragen das duh zu Grabe“. Der befreundete Kunstverein reinraum schrieb zum Abschied: „Das war für viele von uns Salon und Initialzündung!“ Einen Nachfolgeverein gibt es nicht.

Mehr über die Düsseldorfer Kulturszene lesen Sie in unseren Artikeln über die Künstlervereine in Düsseldorf, die Theaterkantine und den Kunst und Haltung e.V.

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

Nach oben scrollen