Die Ruhrpott-Revue, im Essener Norden oft einfach „Ruhri-Theater“ genannt, ist ein Mehrgenerationen-Theaterprojekt aus Essen-Altenessen. Seit 2010 bringt ein Ensemble aus ehrenamtlichen Laien jedes Jahr eine neue Musikrevue auf die Bühne – mit viel Ruhrpott-Humor, Live-Band und der Figur „Kumpel Anton“ im Mittelpunkt. Gespielt wird vor allem in der Zeche Carl.
Hinweis: Die frühere Domain ruhrpott-revue.de wird nicht mehr vom Theater genutzt. Die offizielle Website des Ensembles mit aktuellen Terminen und Tickets finden Sie unter ruhrpottrevue.de (ohne Bindestrich).
Die Idee: Kleinkunst für alle Generationen
Die Ruhrpott-Revue wurde am 24. November 2009 als „Kleinkunst-Mehrgenerationen-Kulturprojekt“ gegründet, im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010. Die Idee entstand im September 2009 im Umfeld der offenen Seniorenarbeit der AWO. Zu den Gründern gehörten Karlheinz Freudenberg (AWO), Dietmar Fleischer (Wohnquartier4), die Theaterpädagogin Erika Römer und Bodo Roßner, der als Projekt- und Theaterleiter die Revue über viele Jahre prägte.
Das Ensemble beschreibt sich selbst als „bunt, schräg, authentisch … vor allem musikalisch“. Jedes Programm erzählt vom Leben im Revier, vom Strukturwandel und von der Identität des Ruhrgebiets. Auf der Bühne stehen Amateure verschiedener Generationen – 2013 waren es rund 35 Ehrenamtliche, für 2022 nennt die Website 30 Mitwirkende.
Vom Gemeindesaal zur Zeche Carl
- Anfänge: Geprobt wurde zunächst in einem evangelischen Gemeindesaal im Wohnquartier4.
- 2011: Gründung des Trägervereins Kulturverein Ruhrpott-Revue e.V., im August als gemeinnützig anerkannt.
- 2013: Premiere von „Kumpel Anton im Multi-Kulti-Land“ in der ausverkauften Zeche Carl mit rund 250 Plätzen, unter anderem mit AWO, DGB-Jugend und der Studiobühne Essen als Partnern.
- 2013 bis 2015: eigenes kleines Haus mit etwa 110 Plätzen auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fritz.
- Seit 2016: wieder Hauptspielstätte in der Zeche Carl.
- 2019: Jubiläumsshow „10 Jahre Ruhrpott-Revue“ in der Kaue der Zeche Carl.
Finanziert wurde das Projekt anfangs von AWO und Kirchengemeinde, später mit Mitteln von Bezirk, Stadt und Land sowie Sponsoren aus der Region.
Die Programme im Überblick
| Jahr | Programm |
|---|---|
| 2010–2011 | Kumpel Anton geht in Rente |
| 2012 | Kumpel Anton genießt die Rente |
| 2013 | Kumpel Anton im Multi-Kulti-Land |
| 2014–2016 | Lohntütenball-Trilogie: „Früher war allet besser?!“, „Meine Olle liest Oswald Kolle!“, „Knalli, Knalli auffe Zeche“ |
| 2017 | Kumpel Antons Grüne-Hauptstadt-Vision |
| 2018 | Villa Kohlenstaub – Schicht im Schacht! |
| 2019 | Döner trifft Pommes Rot-Weiß |
| 2022 | Kumpel Anton hat Rücken |
| 2024–2025 | Kumpel Anton macht Urlaub |
| 2026 | Wohnung gesucht – Trubel in der Bertholdstraße |
Kumpel Anton und seine Else
Im Zentrum fast jeder Revue steht Kumpel Anton, ein waschechter Ruhrpott-Kumpel, gespielt von Gründer Bodo Roßner, an seiner Seite Ehefrau Else. Anton geht in Rente, feiert den Lohntütenball, träumt von der grünen Hauptstadt oder macht Urlaub – und immer geht es dabei um den Alltag im Revier, mit Ruhrdeutsch, Live-Musik und Lokalkolorit. Laut der Website des Theaters ist Bodo Roßner am 27. Juli 2026 im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben.
Spielort Zeche Carl in Altenessen
Die Zeche Carl an der Wilhelm-Nieswandt-Allee 100 in Essen-Altenessen ist eine der bekanntesten Kulturadressen im Essener Norden. Die Schachtanlage stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist mit dem Namen des Industriellen Friedrich Grillo verbunden. Die Kohleförderung endete 1929, die Anlage wurde 1970 stillgelegt. Seit 1977 ist sie ein soziokulturelles Zentrum mit Konzerten, Kursen und Lesungen. Die Ruhrpott-Revue hat hier ihre Hauptspielstätte und feierte 2019 ihr Jubiläum in der historischen Kaue.
Die Zwerge und die Grüne Hauptstadt
Viel Aufmerksamkeit im Netz bekam die Revue Anfang 2017: Ein Videoausschnitt aus „Kumpel Antons Grüne-Hauptstadt-Revue“, in dem als Zwerge verkleidete Darsteller über Essen als Grüne Hauptstadt Europas singen, machte im Netz die Runde. Das Blog Ruhrbarone kommentierte den Clip spöttisch und recherchierte, dass das Projektbüro der Grünen Hauptstadt die Produktion im Rahmen der Bürgerprojekte mit 1.000 Euro gefördert hatte. Über diese Bürgerprojekte konnten sich Initiativen aus der Stadt am Themenjahr beteiligen.
Verwurzelt im Stadtteil
- AWO Essen: Der Verein ist korporatives Mitglied der AWO, aus deren Seniorenarbeit die Revue hervorging.
- Mitmachaktionen: etwa die „Kultur-Wäscheleine“ in CARLs Garten an der Zeche Carl oder die Spendenaktion „Bänke für müde Gelenke“ 2017.
- Rot-Weiss Essen: Bei der Dauerkartenwette 2023/24 von RWE-Fans zugunsten der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder spendete ein Ensemblemitglied Freikarten fürs „Ruhri-Theater“.
Besuch: Termine und Tickets
Gespielt wird meist an einzelnen Terminen im Frühjahr und Herbst, überwiegend in der Zeche Carl, gelegentlich auch an anderen Orten in Essen. 2025 kosteten die Karten für „Kumpel Anton macht Urlaub“ 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Aktuelle Termine, Preise und den Kartenvorverkauf finden Sie auf der offiziellen Website ruhrpottrevue.de und im Programm der Zeche Carl.
Wer vor oder nach der Vorstellung noch einkehren möchte, findet in Altenessen am Karlsplatz den Biergarten Altenessen (Haltestelle Karlsplatz, Linien U11 und U17).
Weitere Theater- und Kleinkunstvereine stellen wir im Artikel Künstlervereine in Düsseldorf vor.
Quellen
- Ruhrpott-Revue: offizielle Website
- Ruhrpott-Revue: Programme
- Ruhrpott-Revue: Aktuelles
- AWO Essen: Ruhrpott-Revue läutet Urlaub beim Maifest ein (2024)
- Zeche Carl: Ruhrpott-Revue (2025)
- Stadt Essen: Altenessen-Süd, Kultur und Freizeit
- Wikipedia: Zeche Carl
- Ruhrbarone: Grüne Hauptstadt Europas (2017)
- Tollhaus Hafenstraße: Dauerkartenwette 2023/2024
- Lokalkompass: Mitmach-Projekt der Ruhrpott-Revue
- Biergarten Altenessen: Anfahrt

