Patienten-Initiative e.V. Hamburg: Patientenrechte und barrierefreie Praxen

Die Patienten-Initiative e.V. setzte sich seit 1984 in Hamburg ehrenamtlich für Patientenrechte, Patientenbeteiligung und eine barrierefreie Gesundheitsversorgung ein. Bundesweit bekannt wurde sie mit Projekten zur Barrierefreiheit: Sie ließ Kliniken von „Barriere-Scouts“ testen, prüfte über 160 Arzt- und Zahnarztpraxen und machte die Ergebnisse in der Web-App „Plan B“ zugänglich. Dieser Artikel stellt die Initiative vor und zeigt, wo Patientinnen und Patienten heute Beratung finden.

Hinweis: Die frühere Website patienteninitiative.de wird nicht mehr vom Verein betrieben. Aktuelle Aktivitäten der Initiative sind nach unseren Recherchen nicht belegt. Kostenlose unabhängige Beratung bietet bundesweit die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) unter 0800 011 77 22.

Seit 1984: eine ehrenamtliche Stimme für Hamburgs Patienten

Die Patienten-Initiative wurde 1984 gegründet. Mitgründerin und langjährige Geschäftsführerin war Kerstin Hagemann, selbst Rollstuhlfahrerin. Der Verein arbeitete ehrenamtlich und saß zuletzt am Alsterdorfer Markt 8 in Hamburg. Er beriet Patientinnen und Patienten, nahm Beschwerden auf und vertrat ihre Interessen gegenüber Kliniken, Ärzteschaft und Politik.

Im Dezember 2022 besuchte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, die Initiative in Hamburg. Er lobte unter anderem die Broschüre zu Patientenrechten in Leichter Sprache und die Checkliste für Arztpraxen und sagte, er unterstütze „die ehrenamtliche Arbeit der Patienten-Initiative sehr gerne“.

Barriere-Scouts: sieben Kliniken auf dem Prüfstand

2014 startete die Initiative mit den Asklepios Kliniken Hamburg ein Kooperationsprojekt, das Asklepios als bundesweit einmalig bezeichnete: Ehrenamtliche Barriere-Scouts, darunter Menschen mit Behinderungen, prüften sieben Hamburger Kliniken auf Barrierefreiheit – Altona, Barmbek, Harburg, Nord, St. Georg, Wandsbek und das Westklinikum. Im November 2014 wurden die Ergebnisse in der Asklepios Klinik Barmbek mit der Fotoausstellung „Barrierefrei. Wir sind dabei!“ und einer Dokumentation mit Empfehlungen vorgestellt.

Barrierefreie Arztpraxen und die Web-App „Plan B“

Ab Ende 2015 nahm sich die Initiative die ambulante Versorgung vor. Hintergrund: In Hamburg leben rund 170.000 schwerbehinderte Menschen, und viele von ihnen können ihre Ärztin oder ihren Arzt nicht frei wählen, weil Stufen, enge Türen oder fehlende Toiletten den Zugang versperren. „Ich kann Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung nicht frei wählen“, sagte Kerstin Hagemann dazu.

  • Projekt: „Barrierefreiheit in Arztpraxen“ zusammen mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle KISS Hamburg, gefördert von der AOK Rheinland/Hamburg bis Ende 2019.
  • Prüfung: Pro Praxis rund 90 Minuten und etwa 250 Fragen, nach Kriterien, die in einer Arbeitsgruppe der Hamburger Landeskonferenz Versorgung abgestimmt wurden.
  • Ergebnis: Die geprüften Praxen standen in der Web-App „Plan B“ – 2020 waren es 156, Anfang 2021 bereits 165 Arzt- und Zahnarztpraxen.
  • Beratung für Praxen: Ab Herbst 2020 bot die Initiative im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg kostenlose Beratungen zur Barrierefreiheit an; die Gesundheitsbehörde unterstützte das Projekt finanziell.

Die Web-App Plan B ist inzwischen nicht mehr erreichbar. Wer eine barrierefreie Praxis sucht, kann bei der Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung nach Merkmalen der Barrierefreiheit filtern oder sich beim Patiententelefon von Ärztekammer und KV Hamburg erkundigen (040 / 20 22 99 222).

Patientenrechte in Leichter Sprache

Ein weiteres Projekt war eine Broschüre, die die Patientenrechte in Leichter Sprache erklärt – mit Illustrationen von Stefan Albers. Dazu kam eine praxistaugliche Checkliste, mit der Arztpraxen ihre Barrierefreiheit selbst prüfen können. Was Patienten heute zustehen, erklärt unser Artikel Patientenrechte in Deutschland.

Netzwerke und Mitwirkung

  • Forum Patientenvertretung in Hamburg: gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg, der Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen und KISS Hamburg.
  • Hamburger Netzwerk für Versorgungsforschung (HAM-NET) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
  • Kassenärztliche Vereinigung Hamburg: Zusammenarbeit bei der Beratung von Praxen.

Die Initiative kommentierte auch bundesweite Themen, etwa die umstrittene Neuvergabe der Unabhängigen Patientenberatung im Jahr 2015.

Wo Patienten heute Hilfe finden

AngebotKontakt
Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), bundesweit0800 011 77 22 (kostenlos); seit Juli 2026 auch Beratungsstelle in Hamburg, Virchowstraße 17–19
Patientenberatung von Ärztekammer und KV Hamburg040 / 20 22 99 222 (kostenlos)
Patientenbeauftragter der Bundesregierungpatientenbeauftragter.de
Verbraucherzentrale HamburgBeratung zu Gesundheit und Pflege

Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler hilft zudem die eigene Krankenkasse. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Patientenrechte: Was tun bei Behandlungsfehlern?

Quellen

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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