Basistherapie bei Neurodermitis 1

Basistherapie bei Neurodermitis

Die Basistherapie ist die regelmäßige Pflege der Haut mit wirkstofffreien, rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Präparaten, sogenannten Emollienzien. Sie ist die Stufe 1 der Neurodermitis-Behandlung und wird laut S3-Leitlinie auch in beschwerdefreien Phasen fortgesetzt, um Schübe zu verhindern. Die wichtigsten Regeln: mindestens zweimal täglich, großzügig, direkt nach dem Waschen und in einer Grundlage, die zum aktuellen Hautzustand passt.

Warum Pflege bei Neurodermitis Therapie ist

Neurodermitis-Haut hat eine gestörte Barriere: Sie verliert mehr Wasser und lässt Reizstoffe leichter eindringen (mehr dazu im Überblick Neurodermitis: Ursachen und Auslöser). Emollienzien ersetzen fehlende Fette und binden Feuchtigkeit. Die Leitlinie formuliert das als starke Empfehlung: Menschen mit Neurodermitis sollen Emollienzien regelmäßig und bedarfsgerecht anwenden, auch im schubfreien Intervall.

Die Basistherapie ersetzt bei Ekzemen keine entzündungshemmende Behandlung. Wann Kortison- oder Calcineurin-Cremes dazukommen, beschreibt die Seite Behandlung nach Stufenschema.

Die richtige Grundlage je nach Hautzustand

Entscheidend ist das Verhältnis von Fett zu Wasser. Grundregel: Je akuter und nässender die Haut, desto wasserhaltiger die Grundlage. Je trockener und chronischer, desto fetter.

GrundlageEigenschaftenGeeignet für
Lotionhöchster Wasseranteil, kühlt, verdunstet schnell und kann dadurch austrocknengroßflächig, wenig trockene Haut, warme Tage
Crememehr Wasser als eine Salbe, zieht schnell eintagsüber, Sommer, leicht entzündete Haut
Salbe / Fettsalbeviel Fett, bildet einen lang anhaltenden Schutzfilmsehr trockene, schuppige, verdickte Haut; Winter; nachts

Die Leitlinie empfiehlt, die Pflege an die Jahreszeit anzupassen: im Sommer eher hydrophile (wasserreiche) Cremes, im Winter Präparate mit höherem Fettgehalt. Viele Betroffene brauchen deshalb zwei Produkte, etwa eine Creme für den Tag und eine reichhaltigere Salbe für die Nacht.

Inhaltsstoffe: was sinnvoll ist, was nicht

  • Feuchthaltefaktoren: Harnstoff (Urea), Glycerin und Propylenglykol binden Wasser in der Hornschicht.
  • Barrierelipide: Ceramide und Phospholipide, etwa aus Soja- oder Sheabutter, ergänzen fehlende Hautfette.
  • „Emollienzien plus“: Die Leitlinie nennt Präparate mit zusätzlichen Wirkstoffen, zum Beispiel proteinfreiem Haferextrakt oder bestimmten Bakterienlysaten.
  • Reine Öle meiden: Von reinen Pflanzenölen wie Kokos- oder Olivenöl als Pflege rät die Leitlinie ab.
  • Reizstoffe und Kontaktallergene meiden: Die Leitlinie empfiehlt Pflegeprodukte ohne relevante Reizstoffe oder Kontaktallergene. Praktisch heißt das: ohne Duftstoffe und möglichst wenige Zusätze.

Harnstoff bei Babys und Kleinkindern

Harnstoff ist bei Erwachsenen ein bewährter Feuchthaltefaktor. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann er die Haut reizen und brennen. Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München empfiehlt harnstoffhaltige Pflege deshalb erst ab einem Alter von zwei Jahren. Auch bei Erwachsenen brennt Harnstoff auf entzündeter oder aufgekratzter Haut; dort ist eine harnstofffreie Pflege angenehmer.

Wie oft und wie viel eincremen?

  • Häufigkeit: mindestens zweimal täglich den ganzen Körper, bei sehr trockener Haut öfter.
  • Menge: großzügig. Ein Erwachsener mit Neurodermitis braucht nach Angaben des Allergieinformationsdienstes etwa ein Kilogramm Pflegeprodukt pro Monat. Kleine 50-ml-Tuben reichen daher nicht; Spender- oder Großpackungen sind praktischer.
  • Zeitpunkt: unmittelbar nach dem Baden oder Duschen auf die trocken getupfte Haut (starke Empfehlung der Leitlinie).
  • Technik: mit sauberen Händen in Wuchsrichtung der Haare auftragen, nicht kräftig einmassieren.
  • Kombination mit Kortison: Zwischen einer Kortison-Creme und der Pflege etwa 15 Minuten Abstand lassen.

Tipps für Kinder, die sich nicht gern eincremen lassen, finden Sie im Ratgeber Neurodermitis bei Kindern im Alltag.

Baden und Duschen

Wasser allein trocknet die Haut aus, deshalb empfiehlt die Leitlinie schonende Reinigung:

  • kurz duschen oder baden, 5 bis 10 Minuten
  • mäßig warmes Wasser, nicht über 35 °C
  • keine alkalischen Seifen; stattdessen milde, seifenfreie Waschlotionen (Syndets) sparsam verwenden und gut abspülen
  • Haut vorsichtig trocken tupfen, nicht rubbeln
  • sofort danach eincremen

Ölbäder: Eine britische Studie mit 483 Kindern von 1 bis 11 Jahren (BATHE, 2018) fand keinen zusätzlichen Nutzen rückfettender Badezusätze, wenn ohnehin regelmäßig eingecremt wird. Fachgesellschaften empfehlen sie daher nicht routinemäßig. Bei stark entzündeter oder infizierter Haut ist besonders schonende Reinigung wichtig; ob ein antiseptischer Zusatz nötig ist, entscheidet die Ärztin.

Kosten: Was die Krankenkasse zahlt

Wirkstofffreie Pflegepräparate mit Arzneimittelstatus sollen laut Leitlinie bei Kindern bis zum 12. Geburtstag (bei Entwicklungsstörungen bis 18) zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Fragen Sie in der Kinderarztpraxis danach. Erwachsene zahlen die Basispflege in der Regel selbst.

Häufige Fehler

FehlerBesser
Nur bei Beschwerden crementäglich, auch wenn die Haut gut aussieht
Zu wenig Produktgroßzügig auftragen, Großpackungen nutzen
Ganzjährig dasselbe Produktim Winter fetter, im Sommer wasserreicher
Lange, heiße Bäderkurz und mäßig warm, danach sofort cremen
Parfümierte Lotionen, Kokosölduftstofffreie Emollienzien aus der Apotheke

Praktische Tipps zu Duschgel, Kleidung, Waschmittel, Sport und Sonnenschutz finden Sie unter Hautpflege im Alltag.

Wann zum Arzt?

  • Wenn die Haut trotz konsequenter Pflege gerötet, nässend oder stark juckend bleibt: Dann liegt ein Ekzem vor, das entzündungshemmend behandelt werden muss.
  • Wenn ein Pflegeprodukt brennt, juckt oder die Haut verschlechtert: Eine Kontaktallergie gegen Inhaltsstoffe lässt sich per Epikutantest abklären.
  • Bei Babys vor dem ersten Einsatz harnstoffhaltiger Produkte.
  • Sofort bei Krusten, Eiter, Bläschen oder Fieber.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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