Behandlung von Neurodermitis 1

Neurodermitis-Behandlung nach Stufenschema

Neurodermitis wird in Deutschland nach einem Stufenschema der S3-Leitlinie Atopische Dermatitis behandelt. Grundlage ist immer die Basistherapie mit Pflegecremes. Bei Ekzemen kommen entzündungshemmende Cremes hinzu, bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung Lichttherapie oder Medikamente, die im ganzen Körper wirken. Welche Stufe passt, richtet sich nach dem aktuellen Hautzustand, nicht nach der Diagnose allein.

Das Stufenschema der S3-Leitlinie

Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (AWMF 013-027) teilt die Behandlung in drei Stufen. Jede Stufe schließt die Maßnahmen der vorherigen ein. Man steigt je nach Verlauf auf oder ab.

StufeHautzustandBehandlung
1trockene HautBasistherapie mit Emollienzien, Auslöser meiden
2leichte bis moderate Ekzemezusätzlich Kortison-Cremes (TCS) oder Calcineurininhibitoren (TCI); bei Bedarf juckreizstillende und antiseptische Wirkstoffe
3moderate bis schwere Ekzemezusätzlich Systemtherapie; UV-Therapie vor allem bei Erwachsenen möglich

Die Leitlinie empfiehlt außerdem einen schriftlichen Therapieplan. Er legt fest, was bei einem Schub und was in ruhigen Phasen zu tun ist.

Stufe 1: Basistherapie und Trigger

Rückfettende, wirkstofffreie Pflege stärkt die Hautbarriere und wird auch in beschwerdefreien Zeiten fortgesetzt. Details zu Grundlagen, Menge und Baden finden Sie unter Basistherapie bei Neurodermitis. Zur Stufe 1 gehört auch, persönliche Auslöser zu erkennen und zu meiden, zum Beispiel Allergene in der Wohnung.

Stufe 2: Entzündungshemmende Cremes

Kortison-Cremes (topische Glukokortikoide)

Topische Kortikosteroide sind in der Regel das Mittel der ersten Wahl bei einem Schub. Sie werden in vier Stärkeklassen eingeteilt:

KlasseBeispiele für Wirkstoffe
I – schwachHydrocortison, Prednisolon
II – mittelstarkPrednicarbat, Methylprednisolon, Triamcinolon
III – starkBetamethason, Mometason
IV – sehr starkClobetasol

Welche Klasse, wie lange und auf welche Stellen, legt die Ärztin fest. Als Mengenmaß dient die Fingerspitzeneinheit: der Salbenstrang vom Fingerende bis zum ersten Fingergelenk eines Erwachsenen, etwa 0,5 g. Richtig angewendet sind Kortison-Cremes sicher. Die Leitlinie fordert ausdrücklich, Sorgen vor Kortison offen zu besprechen, statt die Behandlung aus Angst abzubrechen.

Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus)

Diese kortisonfreien Cremes und Salben sind laut Leitlinie die bevorzugte Langzeitbehandlung für empfindliche Stellen: Gesicht, Hautfalten und Genitalbereich. Sie kommen auch zum Einsatz, wenn Kortison nicht wirkt oder nicht vertragen wird. Zugelassen sind sie ab zwei Jahren; die höher konzentrierte Tacrolimus-Salbe erst ab 16 Jahren. Zu Beginn brennen oder jucken sie häufig kurzzeitig. Mit UV-Therapie sollen sie nicht kombiniert werden.

Proaktive Therapie: Schübe verhindern

Ist ein Schub abgeheilt, empfiehlt die Leitlinie bei häufig wiederkehrenden Ekzemen eine proaktive Therapie: Das Kortison- oder Calcineurin-Präparat wird in der Regel zweimal pro Woche auf die früher betroffenen Stellen aufgetragen, auch wenn sie gesund aussehen. Das senkt das Risiko neuer Schübe. Dauer und Präparat bestimmt die Ärztin.

Infektionen behandeln

  • Bei nachgewiesener bakterieller Infektion: antiseptische Cremes; bei großflächiger Infektion Antibiotika zum Einnehmen.
  • Antibiotika-Cremes lehnt die Leitlinie wegen Resistenzen und Allergierisiko ab.
  • Ein Eczema herpeticatum (Herpes-Infektion der Ekzeme) wird sofort mit antiviralen Tabletten oder Infusionen behandelt.

Stufe 3: Lichttherapie und Systemtherapie

Lichttherapie (Phototherapie)

Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis empfiehlt die Leitlinie Schmalspektrum-UVB (311 nm) oder UVA1, höchstens zwei Behandlungszyklen pro Jahr. Bei Kindern und Jugendlichen ist sie nur nach Prüfung des Hauttyps und ohne häufige Zyklen möglich. Keine Lichttherapie erhalten Menschen mit Hautkrebs in der Vorgeschichte, stark lichtgeschädigter Haut oder unter Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Ciclosporin).

Wann kommt eine Systemtherapie infrage?

Laut Checkliste der Leitlinie für Erwachsene müssen drei Punkte zusammenkommen: ein objektiv hoher Schweregrad, eine hohe Belastung (etwa deutlich eingeschränkte Lebensqualität oder gestörter Schlaf) und fehlendes Ansprechen auf eine leitliniengerechte äußerliche Therapie. Auch unter Systemtherapie werden entzündete Stellen weiter mit Cremes behandelt.

Zugelassene Medikamente

WirkstoffGruppe / AngriffspunktAnwendungZugelassen bei Neurodermitis ab
DupilumabBiologikum, blockiert IL-4 und IL-13Spritze6 Monaten (unter 12 Jahren bei schwerer Form)
TralokinumabBiologikum, blockiert IL-13Spritze12 Jahren
LebrikizumabBiologikum, blockiert IL-13Spritze12 Jahren
NemolizumabBiologikum, blockiert den IL-31-Rezeptor (Juckreiz-Botenstoff)Spritze12 Jahren
AbrocitinibJAK-Inhibitor (JAK1)Tablette12 Jahren
UpadacitinibJAK-Inhibitor (JAK1)Tablette12 Jahren
BaricitinibJAK-Inhibitor (JAK1/JAK2)Tablette2 Jahren
CiclosporinImmunsuppressivumKapsel/Lösung16 Jahren; als zeitlich begrenzte Intervalltherapie

Biologika und JAK-Inhibitoren sind für die Langzeitbehandlung vorgesehen. Vor einer JAK-Hemmer-Therapie verlangt die Leitlinie ein Screening auf Infektionen und Risiken, Kontrollen im Verlauf und ab 18 Jahren eine Gürtelrose-Impfung. Bei früheren Thrombosen oder erblich erhöhtem Thromboserisiko sollen JAK-Inhibitoren nicht eingesetzt werden. Ciclosporin erfordert regelmäßige Blutdruck- und Nierenwert-Kontrollen.

Wirkt eine Systemtherapie nach drei bis vier Monaten nicht ausreichend, soll die Behandlung gemeinsam überprüft und gegebenenfalls gewechselt werden. Die Leitlinie nennt dafür konkrete Zielwerte für Hautbefund, Juckreiz und Lebensqualität.

Kortison-Tabletten und Off-Label-Mittel

Kortison zum Einnehmen ist nur als Notfalltherapie bei akuten Schüben für höchstens drei Wochen vorgesehen, nicht als Dauerbehandlung. Methotrexat, Azathioprin und Mycophenolat-Mofetil sind für Neurodermitis nicht zugelassen und kommen nur infrage, wenn zugelassene Mittel nicht wirken oder nicht erlaubt sind.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Kortison-Cremes der Klassen II und III sowie Calcineurininhibitoren an empfindlichen Stellen dürfen weiter angewendet werden.
  • Reicht das nicht, empfiehlt die Leitlinie UV-Therapie (Schmalspektrum-UVB oder UVA1).
  • JAK-Inhibitoren, Methotrexat und Mycophenolat-Mofetil sind in der Schwangerschaft tabu. Von Biologika rät die Leitlinie wegen fehlender Erfahrung ab.
  • Wer eine Schwangerschaft plant, sollte das frühzeitig mit der Hautärztin besprechen.

Was die Leitlinie nicht empfiehlt

  • Antihistaminika als Dauerbehandlung gegen Juckreiz, Antihistamin-Gele
  • Omalizumab (Anti-IgE-Antikörper)
  • allgemeine Diäten, Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine
  • Akupunktur, Phytotherapie, chinesische Kräutermedizin, Eigenblut (autologes Serum)

Schulung, Klinik und Reha

Die Leitlinie empfiehlt eine strukturierte Neurodermitisschulung nach AGNES (Kinder, Jugendliche, Eltern) oder ARNE (Erwachsene). Inhalte und Anmeldung beschreibt der Beitrag Juckreiz lindern bei Neurodermitis. Bei sehr schwerem Verlauf ist eine stationäre oder teilstationäre Behandlung sinnvoll, außerdem ambulante oder stationäre Rehabilitation.

Wann zum Arzt?

  • Wenn ein Schub trotz Basistherapie nicht innerhalb weniger Tage besser wird: Dann ist Stufe 2 nötig, und entzündungshemmende Cremes sind verschreibungspflichtig oder sollten ärztlich dosiert werden.
  • Wenn Sie Kortison-Cremes länger als vereinbart oder immer wieder brauchen: Eine proaktive oder systemische Therapie kann sinnvoller sein.
  • Wenn Juckreiz nachts wach hält oder Arbeit, Schule und Stimmung leiden: Das ist ein Kriterium für die Systemtherapie.
  • Sofort bei Fieber, Bläschen, Eiter oder Krusten auf den Ekzemen (Infektion, Eczema herpeticatum).
  • Unter Systemtherapie bei Fieber, Infektzeichen, Augenentzündung oder Beinschwellung: Rücksprache mit der behandelnden Praxis.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Auswahl, Dosierung und Dauer jeder Behandlung legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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