Allergene in der Wohnung reduzieren 1

Allergene in der Wohnung reduzieren: Milben, Tierhaare, Schimmel

Hausstaubmilben, Tierallergene und Schimmelpilze sind die wichtigsten Allergene in Innenräumen. Bei Menschen mit Neurodermitis, die dagegen sensibilisiert sind, können sie Schübe auslösen; bei Atemwegsallergien verursachen sie Schnupfen und Asthma-Beschwerden. Maßnahmen lohnen sich vor allem dann, wenn eine Allergie nachgewiesen ist. Einzelne Maßnahmen wirken laut Studien wenig; sinnvoll ist ein Paket aus Waschen, Lüften, Luftfeuchte-Kontrolle und weniger Staubfängern.

Erst testen, dann handeln

Die S3-Leitlinie Atopische Dermatitis empfiehlt, Aeroallergene bei Menschen mit Neurodermitis dann so weit wie möglich zu reduzieren, wenn eine Sensibilisierung besteht und diese Allergene nachweislich zu Hautverschlechterungen geführt haben. Ein ungezieltes Allergie-Screening lehnt sie ab. Lassen Sie also zuerst ärztlich klären, ob eine Milben-, Tier- oder Schimmelallergie vorliegt, bevor Sie Geld für Spezialprodukte ausgeben. Wie Innenraumallergene zu den anderen Auslösern passen, zeigt der Überblick Neurodermitis: Ursachen und Auslöser.

Hausstaubmilben

Die Beschwerden verursachen nicht die Milben selbst, sondern Eiweiße in ihrem Kot, die sich im Hausstaub verteilen. Milben leben vor allem in Matratzen, Kissen, Decken, Polstermöbeln, Teppichen und Vorhängen und ernähren sich von Hautschuppen. Sie mögen Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit. Weil das Bett ihr Hauptlebensraum ist, sind Beschwerden nachts und morgens oft am stärksten.

Was Encasings laut Studien bringen

Encasings sind milbendichte Bezüge für Matratze, Kissen und Decke. Die Studienlage ist ernüchternd:

  • Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2015 fand für Neurodermitis 7 randomisierte Studien mit insgesamt 324 Teilnehmenden. Die Evidenz war von sehr niedriger Qualität und reichte nicht für eine Empfehlung.
  • Nur eine Studie zeigte einen mäßigen Nutzen nach sechs Monaten, und zwar für ein Paket aus Encasings, einem milbenabtötenden Spray (Gerbsäure) und einem Staubsauger mit Hochleistungsfilter.
  • Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München bewertet die Studienlage zu Encasings als uneinheitlich; fundierte Belege fehlen.
  • Zur Vorbeugung, also bevor eine Allergie besteht, empfiehlt die S3-Leitlinie Allergieprävention keine Milbenmaßnahmen. Bei nachgewiesener Milbenallergie sollen Maßnahmen zur Allergenreduktion dagegen eingesetzt werden.

Einordnung: Encasings allein sind keine Neurodermitis-Therapie. Bei nachgewiesener Milbenallergie sind sie als Teil eines Maßnahmenpakets vertretbar, vor allem wenn nachts deutliche Beschwerden bestehen.

Maßnahmen gegen Milben

  • Bettwäsche heiß waschen: bei über 60 °C, idealerweise etwa 60 Minuten lang.
  • Empfindliche Textilien: zwei Stunden bei 60 °C in den Wäschetrockner, danach kalt oder lauwarm waschen.
  • Kuscheltiere: über Nacht einfrieren (−20 °C, mindestens fünf Stunden), dann waschen.
  • Schlafzimmer kühl: etwa 18 bis 20 °C; keine Luftbefeuchter und Pflanzen im Schlafzimmer.
  • Staubfänger reduzieren: offene Regale, schwere Vorhänge und Polstermöbel im Schlafzimmer vermeiden.
  • Böden feucht wischen statt trocken fegen, das wirbelt weniger Staub auf.

Tierallergene

Allergene von Tieren stecken in Hautschuppen, Speichel, Talg, Schweiß und Ausscheidungen, nicht in den Haaren selbst. Bei Katzen und Hunden spielen vor allem Fell und Speichel eine Rolle, bei Meerschweinchen der Urin, bei Vögeln Federn und Kot.

  • Sehr langlebig: Tierallergene können noch Monate oder Jahre nach dem Auszug eines Tieres Beschwerden verursachen. Fragen Sie vor dem Einzug in eine neue Wohnung, ob dort eine Katze gelebt hat.
  • Über Kleidung: Katzenallergene haften hartnäckig an der Kleidung von Katzenbesitzern und gelangen so auch in Schulen und Büros.
  • Neue Haustiere: Die S3-Leitlinie Allergieprävention rät Familien mit erhöhtem Allergierisiko und Familien mit Kindern mit Neurodermitis, keine Katze neu anzuschaffen. Von einem Hund rät sie nicht ab. Ohne erhöhtes Risiko macht Haustierhaltung für die Allergieprävention keinen Unterschied.

Lebt ein Tier im Haushalt und ist eine Allergie nachgewiesen, reduzieren diese Schritte die Belastung: das Schlafzimmer tierfrei halten, Textilien und Polster gründlich reinigen, regelmäßig feucht wischen. Ob das reicht oder das Tier abgegeben werden muss, besprechen Sie am besten mit der Allergologin.

Schimmel, Lüften und Luftfeuchte

Schimmel wächst dort, wo es dauerhaft feucht ist: an kalten Außenwänden, Fensterlaibungen, hinter Schränken und im Bad. Die S3-Leitlinie Allergieprävention empfiehlt, hohe Luftfeuchtigkeit und mangelnde Lüftung zu vermeiden. Das Umweltbundesamt nennt konkrete Werte:

SituationEmpfehlung des Umweltbundesamts
Relative Luftfeuchtezwischen 40 und 60 %; mit einem Hygrometer kontrollieren
Kalte Jahreszeit2- bis 3-mal täglich etwa 5 Minuten pro Raum stoßlüften, Fenster weit offen
Warme Jahreszeitlänger lüften, je nach Temperatur und Wind 10 bis 20 Minuten
Schlafzimmernach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen 5 bis 10 Minuten
Küche und Badwährend und direkt nach dem Kochen oder Duschen 5 bis 10 Minuten
  • Kipplüften vermeiden: Es kühlt die Wände aus und treibt die Heizkosten hoch.
  • Möbel mit Abstand zu Außenwänden aufstellen.
  • Kühlere Räume geschlossen halten, damit warme, feuchte Luft nicht an kalten Wänden kondensiert.
  • Wäsche möglichst nicht in Wohnräumen trocknen.
  • Sichtbaren Schimmel nicht nur abwischen, sondern die Ursache beheben; bei größerem Befall oder Bauschäden Vermieter oder Fachbetrieb einschalten.

In der Pollensaison hat Lüften eine Kehrseite: Es holt Pollen herein. Wie Sie beides vereinbaren, steht im Beitrag Pollen und Ekzem.

Luftreiniger und Tabakrauch

Ob Luftreiniger mit Spezialfiltern bei Hausstaubmilben-Allergie helfen, ist laut gesundheitsinformation.de unklar. Milbenallergene sind relativ schwer und liegen überwiegend in Textilien und Staub, nicht dauerhaft in der Luft. Eindeutig ist dagegen: Die S3-Leitlinie Atopische Dermatitis empfiehlt, Tabakrauch zu meiden, und die Leitlinie Allergieprävention rät, aktives und passives Rauchen schon in der Schwangerschaft zu vermeiden.

Überblick: Was lohnt sich?

MaßnahmeEinordnung
Allergie ärztlich abklärenVoraussetzung für alle weiteren Schritte
Rauchfreie Wohnungklar empfohlen
Luftfeuchte 40–60 %, Stoßlüftenempfohlen, beugt Schimmel vor und bremst Milben
Bettwäsche über 60 °C waschensinnvoll bei Milbenallergie, günstig
Encasingsallein nicht belegt; als Teil eines Pakets bei Milbenallergie vertretbar
LuftreinigerNutzen bei Milbenallergie unklar
Keine neue Katze bei erhöhtem Risikolaut Allergiepräventions-Leitlinie empfohlen

Zur Behandlung der Haut selbst siehe Basistherapie und Behandlung nach Stufenschema.

Wann zum Arzt?

  • Wenn Haut oder Atemwege sich regelmäßig zu Hause, nachts oder morgens verschlechtern und im Urlaub bessern: Hinweis auf eine Innenraumallergie.
  • Bei Husten, pfeifender Atmung oder Atemnot: Asthma abklären lassen, besonders bei Kindern mit Neurodermitis.
  • Vor größeren Anschaffungen wie Encasings oder Luftreinigern, um die Allergie zu bestätigen.
  • Wenn eine Milben- oder Tierallergie nachgewiesen ist und Beschwerden trotz Maßnahmen bleiben: Eine Hyposensibilisierung kann bei Atemwegsbeschwerden infrage kommen.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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