Chronisches Handekzem: Erkennen, Vorbeugen, Behandeln 1

Chronisches Handekzem: Erkennen, Vorbeugen, Behandeln

Ein Handekzem gilt als chronisch, wenn es länger als drei Monate anhält oder mindestens zweimal im Jahr wiederkommt. Mindestens 9 % der Bevölkerung haben innerhalb eines Jahres ein Handekzem, Frauen (10,5 %) häufiger als Männer (6,4 %). Es ist die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung. Die Behandlung folgt in Deutschland der S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Auslöser meiden, Haut schützen und pflegen, entzündungshemmend behandeln – je nach Schweregrad in Stufen.

Welche Formen gibt es?

Die Leitlinie unterscheidet Handekzeme nach ihrer Ursache und nach ihrem Erscheinungsbild. Mischformen sind häufig, und die Form kann sich im Lauf der Zeit ändern.

FormAuslöser bzw. MerkmalTypische Stellen
Irritatives Kontaktekzemhäufigste Form; Wasser, Reinigungs- und Lösungsmittel, ReibungFingerzwischenräume, Handrücken, Fingerseiten
Allergisches KontaktekzemKontaktallergie, z. B. gegen Nickel, Duftstoffe, Konservierungsmittel, GummizusätzeStellen mit Allergenkontakt
Atopisches HandekzemNeurodermitis, Beginn oft in jungen JahrenHandinnenflächen, Handgelenke, Fingerzwischenräume
ProteinkontaktdermatitisEiweiße, z. B. aus Lebensmitteln oder Latex; oft zuerst QuaddelnKontaktstellen
Hyperkeratotisches Handekzemdicke Hornhaut, schmerzhafte Risse, wenig Juckreiz; häufiger bei MännernHandinnenflächen
Akut-rezidivierendes vesikuläres Handekzemfrüher „dyshidrotisches Ekzem“; schubweise juckende BläschenFinger, Handinnenflächen
Nummuläres Handekzemmünzförmige Herde, oft bei NeurodermitisHandrücken
Pulpitistrockene, rissige FingerkuppenFingerkuppen

Akut zeigt sich ein Ekzem mit Rötung, Schwellung, Bläschen und Nässen. Chronische Ekzeme sind eher trocken, schuppig, verdickt und reißen ein. Das häufigste Symptom ist Juckreiz, dazu kommen oft Brennen und Schmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

Laut Leitlinie sind in bis zu 59 % der Fälle Umweltfaktoren ursächlich. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • Feuchtarbeit, etwa in Friseursalons, in der Pflege, in Küchen und Reinigungsberufen. In Risikoberufen haben bis zu 40 % der Beschäftigten ein Handekzem.
  • Neurodermitis in der Kindheit, vor allem wenn sie schwer oder anhaltend verläuft. Mehr dazu lesen Sie unter Neurodermitis: Ursachen, Auslöser und Symptome.
  • Kontaktallergien, zum Beispiel gegen Nickel. Warum bei Schmuck Material zählt, erklärt unser Beitrag zu Chirurgenstahl.
  • Früher Beginn und ein bereits früher aufgetretenes Handekzem.
  • Kälte, trockene Heizungsluft und geringe Luftfeuchtigkeit.
  • Rauchen und psychischer Stress, die mit chronischen Verläufen verbunden sind.

Als Feuchtarbeit gilt nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 unter anderem, wenn Beschäftigte regelmäßig mehr als zwei Stunden pro Arbeitstag Hautkontakt mit Wasser oder wässrigen Flüssigkeiten haben oder sich mindestens 15-mal am Tag die Hände waschen. Das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe allein zählt seit der Neufassung nicht mehr als Feuchtarbeit, wohl aber der häufige Wechsel zwischen Handschuhen und Nassarbeit.

Diagnose

Die Diagnose stellt die Hautärztin oder der Hautarzt. Dazu gehören:

  1. Ausführliche Befragung zu Beruf, Haushalt, Hobbys, Handschuhen, Pflegeprodukten und Neurodermitis in der Vorgeschichte.
  2. Untersuchung der Hände und der gesamten Haut, auch der Füße, um andere Erkrankungen zu erkennen.
  3. Epikutantest (Pflastertest): Er soll erfolgen, wenn das Ekzem länger als drei Monate besteht, wenn es auf eine geeignete Behandlung nicht anspricht oder wenn eine Kontaktallergie vermutet wird. Getestet wird mit einer Standardreihe, ergänzt um berufsbezogene Stoffe und eigene Produkte.
  4. Weitere Tests je nach Verdacht: Pricktest bei Eiweiß- oder Latexallergie, Pilzuntersuchung, selten eine Gewebeprobe, etwa zur Abgrenzung von Schuppenflechte.

Therapie in Stufen

Für jede Stufe gilt: Auslöser müssen erkannt und gemieden werden. Die Haut braucht nach dem Abheilen oft noch Wochen bis Monate, bis ihre Barriere wieder voll belastbar ist. In dieser Zeit sollte sie nicht erneut Reizstoffen oder Allergenen ausgesetzt werden.

StufeBehandlung nach S2k-Leitlinie (jeweils zusätzlich zur vorherigen Stufe)
Grundlage für alleregelmäßige Hautpflege, Auslöser meiden oder verringern, Hautschutz umsetzen
Stufe 1: leichtes Handekzemjuckreizstillende und antiseptische Wirkstoffe, Gerbstoffe, Kortison zum Auftragen (schwächere Klasse, kurzzeitig oder in Intervallen), Tacrolimus-Salbe, Leitungswasser-Iontophorese
Stufe 2: mittelschweres bis schweres Handekzemstärkere Kortisonpräparate zum Auftragen, UV-Therapie der Hände, Alitretinoin
Stufe 3: anhaltendes oder chronisch wiederkehrendes Handekzeminnerliche, das Immunsystem regulierende Therapie, z. B. Alitretinoin, Ciclosporin oder bei Neurodermitis zugelassene Antikörper und JAK-Hemmer; Kortisontabletten nur kurzfristig

Hautpflege als Basis

Die Leitlinie empfiehlt Pflegecremes für alle Betroffenen. Ein bestimmtes Produkt ist nicht überlegen. Wichtig sind die persönliche Verträglichkeit und möglichst wenige Allergene wie Duftstoffe. Wie eine gute Basispflege aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag zur Basistherapie bei Neurodermitis.

Kortisoncremes richtig einsetzen

Topische Glukokortikoide sind die wichtigste entzündungshemmende Behandlung. Sie werden kurzzeitig und in der vom Arzt festgelegten Stärke angewendet, danach bei Bedarf in Intervallen. Die Sorge vor Kortison ist verständlich. Bei ärztlich begleiteter, zeitlich begrenzter Anwendung überwiegt der Nutzen. Brechen Sie eine Behandlung nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie Bedenken in der Praxis.

Lichttherapie

Spricht ein mittelschweres bis schweres Ekzem nicht auf Kortison an, kann eine Bestrahlung der Hände mit UV-Licht helfen (Creme-PUVA, Schmalband-UVB oder UVA1). Wegen des Hautkrebsrisikos durch die gesamte UV-Dosis ist sie nicht für die Dauerbehandlung gedacht.

Delgocitinib-Creme

Seit dem 19. September 2024 ist die Creme Delgocitinib (Handelsname Anzupgo) in der EU zugelassen. Sie hemmt als JAK-Hemmer Signalwege der Entzündung. Zugelassen ist sie für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem, wenn Kortisoncremes nicht ausreichend wirken oder nicht infrage kommen. Das IQWiG sah 2025 keinen belegten Zusatznutzen, weil der Hersteller keine geeigneten Vergleichsdaten zur Standardtherapie vorgelegt hat. Das heißt nicht, dass die Creme unwirksam ist, sondern dass ein direkter Vergleich fehlt. Die Leitlinie von 2023 entstand vor der Zulassung.

Tabletten bei schwerem Handekzem

Alitretinoin ist das einzige speziell für schweres chronisches Handekzem zugelassene Medikament zum Einnehmen. Es wirkt besonders bei der hyperkeratotischen Form. Als Vitamin-A-Abkömmling schädigt es das ungeborene Kind; Frauen im gebärfähigen Alter dürfen es nur mit sicherer Verhütung und unter einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm einnehmen. Spricht es nach drei bis vier Monaten nicht ausreichend an, wird es abgesetzt. Andere innerliche Wirkstoffe wie Ciclosporin sind für das Handekzem meist nicht zugelassen und werden nach sorgfältiger Abwägung off-label eingesetzt. Menschen mit Neurodermitis und Handbeteiligung können zudem von den modernen Neurodermitis-Therapien profitieren, die wir unter Neurodermitis-Behandlung nach Stufenschema beschreiben.

Hautschutz im Beruf und zu Hause

Die Leitlinie gibt konkrete Empfehlungen zum Hautschutz:

  • Handschuhe bei Nassarbeit, Reinigungsmitteln und Gefahrstoffen tragen, auch im Haushalt. Passend zur Tätigkeit auswählen, innen sauber und trocken halten.
  • Nicht länger als nötig in flüssigkeitsdichten Handschuhen arbeiten. Ab etwa zehn Minuten Tragezeit Baumwollhandschuhe darunter ziehen und bei Durchfeuchtung wechseln.
  • Einmalhandschuhe nur einmal verwenden.
  • Waschen: nur bei sichtbarer Verschmutzung, lauwarm, mit mildem Reiniger, ohne Bürsten. Danach gründlich abspülen und abtrocknen.
  • Desinfizieren statt waschen: In Pflege und Lebensmittelbereich ist Händedesinfektion bei sauberen Händen hautschonender als häufiges Waschen.
  • Eincremen über den Tag, vor allem nach der Arbeit und vor dem Schlafen. Tagsüber schnell einziehend, abends reichhaltiger.
  • Keine Ringe bei Feuchtarbeit.
  • Im Winter wärmende Handschuhe tragen.

Den Arbeitgeber trifft die Pflicht, geeignete Schutzausrüstung bereitzustellen. Weitere Pflegetipps finden Sie in den Hautpflege bei Neurodermitis im Alltag: Produkte, Kleidung, Wäsche.

Handekzem als Berufskrankheit (BK 5101)

Ist die Arbeit Ursache oder Verstärker des Ekzems, kommt die gesetzliche Unfallversicherung ins Spiel, also die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Das bringt Ihnen Leistungen, die über die normale Krankenversorgung hinausgehen.

  1. Hautarztverfahren: Jede Ärztin und jeder Arzt muss Sie bei Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung zum Hautarzt schicken. Mit Ihrem Einverständnis meldet dieser den Fall mit dem Hautarztbericht an den Unfallversicherungsträger. Auch Betriebsärzte können das Verfahren einleiten.
  2. Sekundärprävention: Der Unfallversicherungsträger übernimmt dann die hautärztliche Behandlung und bietet Hautschutzseminare an, oft mit einem Starterpaket an Schutzhandschuhen und Pflegeprodukten.
  3. Tertiärprävention: Bei schweren Verläufen gibt es ein stationäres Heilverfahren mit drei Wochen Klinik in einem berufsdermatologischen Zentrum und drei Wochen ambulanter Nachbehandlung, bevor Sie an den Arbeitsplatz zurückkehren.
  4. BK-Anzeige: Bleibt das Ekzem trotz mehrmonatiger Therapie und Prävention behandlungsbedürftig oder kehrt es immer wieder, ist eine Anzeige auf Verdacht einer Berufskrankheit Nr. 5101 angezeigt. Melden können Ärzte, Arbeitgeber und auch Sie selbst.

Wichtig: Seit dem 1. Januar 2021 müssen Sie Ihren Beruf nicht mehr aufgeben, damit ein Handekzem als Berufskrankheit anerkannt wird. Der frühere Unterlassungszwang ist weggefallen. Frühe Meldung lohnt sich: Die Hautschutzseminare wirken bei leichtem bis mittelschwerem Ekzem besser als bei schwerem.

Wann zum Arzt?

  • Das Ekzem heilt trotz konsequenter Pflege und Schonung nicht innerhalb weniger Wochen ab oder kommt immer wieder.
  • Es bilden sich schmerzhafte Risse, die Sie bei der Arbeit oder im Alltag behindern.
  • Die Haut nässt stark, eitert, riecht, wird heiß oder Sie bekommen Fieber: Das spricht für eine Infektion.
  • Sie vermuten einen Zusammenhang mit Ihrer Arbeit. Sprechen Sie das offen an, damit das Hautarztverfahren eingeleitet werden kann.
  • Juckreiz stört Ihren Schlaf oder die Erkrankung belastet Sie psychisch.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine hautärztliche Untersuchung und Behandlung.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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