Bei Neurodermitis reizen viele Alltagsdinge die Haut: parfümierte Produkte, kratzige Stoffe, Waschmittelreste, Schweiß und Chlorwasser. Wer diese Reize reduziert und die Pflege fest in den Tag einbaut, hat weniger Schübe. Dieser Beitrag zeigt die praktische Routine vom Morgen bis zum Abend. Welche Creme-Grundlage passt und wie viel Sie brauchen, erklärt der Beitrag zur Basistherapie.
Eine Tagesroutine, die funktioniert
- Morgens: kurz und lauwarm duschen oder nur Gesicht und Hände waschen. Haut trocken tupfen, sofort eincremen. Eine leichtere Creme stört unter der Kleidung weniger.
- Tagsüber: Handcreme griffbereit halten und nach jedem Händewaschen nachcremen. Kinder bekommen eine eigene Pflegetube für Kita oder Schule.
- Nach Sport oder Schwimmen: abduschen, abtupfen, eincremen.
- Abends: Pollen und Schweiß abduschen, danach eine reichhaltigere Pflege. Verordnete entzündungshemmende Cremes nach Plan auftragen, mit etwa 15 Minuten Abstand zur Pflege.
Hilfreich ist ein fester Platz für die Pflegeprodukte, zum Beispiel neben dem Waschbecken und am Bett. Was sichtbar steht, wird seltener vergessen.
Pflege- und Kosmetikprodukte auswählen
Die S3-Leitlinie empfiehlt Körperpflegeprodukte, die keine relevanten Reizstoffe oder Kontaktallergene enthalten, und rät von alkalischen Seifen ab. Im Alltag bedeutet das:
- Duftstofffrei: Duftstoffe gehören zu den häufigsten Kontaktallergenen. Auch „natürliche“ Düfte aus Pflanzenextrakten zählen dazu.
- Mild reinigen: seifenfreie Waschlotionen statt Seifenstück; sparsam dosieren und gründlich abspülen.
- Wenige Inhaltsstoffe: Je kürzer die Liste, desto geringer das Risiko einer Reaktion.
- Siegel als Orientierung: Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) vergibt ein Logo für Produkte ohne allergisierende Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe.
- Neues einzeln testen: Ein neues Produkt einige Tage an einer kleinen Stelle, etwa der Armbeuge, ausprobieren, bevor Sie es großflächig verwenden.
Reagiert die Haut wiederholt auf Produkte, klärt ein Epikutantest in der Hautarztpraxis, welcher Inhaltsstoff verantwortlich ist.
Kleidung: glatt, weit, atmungsaktiv
Die Leitlinie rät ausdrücklich, hautreizende Textilien mit rauen, groben Fasern wie Wolle zu meiden. Das Allergiezentrum Schweiz (aha!) gibt diese Hinweise:
| Gut verträglich | Eher meiden |
|---|---|
| Baumwolle, Leinen, glatte Seide, Viskose, Modal, Lyocell | grobe Wolle, kratzige Strickware |
| weite, luftige Schnitte | enge Kleidung, die reibt |
| helle Stoffe (weniger Farbstoff) | Polyacryl, Polyamid, Elasthan direkt auf der Haut (fördern Schwitzen) |
| geprüfte Textilien, z. B. mit „Oeko-Tex Standard 100“ | stark färbende Kleidung („separat waschen“, „kann abfärben“) |
- Etiketten heraustrennen, weil sie reiben.
- Die unterste Kleidungsschicht auf links tragen, damit Nähte nicht scheuern.
- Im Zwiebelprinzip anziehen, um Überhitzung zu vermeiden.
Spezialkleidung: In der britischen CLOTHES-Studie mit 300 Kindern mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis brachte spezielle Seidenkleidung zusätzlich zur Standardbehandlung keinen messbaren Vorteil. Teure Therapietextilien sind daher keine Pflicht.
Wäsche waschen
- Neue Kleidung vor dem ersten Tragen waschen, am besten mehrmals.
- Waschmittel ohne Duft- und Farbstoffe verwenden; Flüssigwaschmittel lösen sich leichter auf.
- Nicht überdosieren und gründlich ausspülen; bei Bedarf einen zusätzlichen Spülgang wählen.
- Auf Weichspüler und Hygienespüler verzichten.
- Bettwäsche heiß waschen, wenn eine Hausstaubmilben-Allergie besteht (siehe Allergene in der Wohnung).
Schwitzen, Sport und Schwimmen
Laut Leitlinie soll körperliche Aktivität bei Neurodermitis nicht eingeschränkt werden. Schweiß reizt die Haut aber, wenn er lange auf ihr bleibt:
- atmungsaktive, weite Sportkleidung aus Baumwolle oder glatten Funktionsfasern tragen
- direkt nach dem Sport lauwarm abduschen und eincremen
- vor dem Schwimmen eine wasserabweisende, fettreiche Pflege auftragen
- nach Chlorwasser gründlich abduschen, abtupfen und eincremen
Sonne und Sonnenschutz
Sonnenbrand und Hitze verschlechtern die Haut. Der DAAB empfiehlt Sonnenschutzmittel ohne Farb- und Duftstoffe. Die Reihenfolge ist wichtig: zuerst die normale Pflege, dann die Sonnencreme darüber. Mittagssonne meiden und lieber Kleidung und Hut als Schutz nutzen. Eine ärztliche UV-Therapie (siehe Behandlung nach Stufenschema) ist etwas anderes als Sonnenbaden: Sie wird genau dosiert und überwacht.
Weitere Alltagsreize
- Heizungsluft: Im Winter trocknet warme Raumluft die Haut aus. Räume nicht überheizen, in dieser Zeit fettreicher pflegen.
- Tabakrauch: Die Leitlinie empfiehlt, Tabakrauch zur Vorbeugung von Schüben zu meiden. Das gilt auch für Passivrauch in der Wohnung und im Auto.
- Hände: Häufiges Händewaschen, Putzmittel und Nässe fördern Handekzeme. Bei Haus- und Nassarbeit Baumwoll-Unterziehhandschuhe unter Schutzhandschuhen tragen. Mehr dazu im Beitrag Chronisches Handekzem.
- Berufswahl: Jugendliche mit Neurodermitis und früherem Handekzem sollten laut Leitlinie keine Feuchtberufe wählen, zum Beispiel Friseurhandwerk oder Pflege. Eine Berufsberatung mit der Hautärztin lohnt sich vor der Ausbildung.
Wann zum Arzt?
- Wenn die Haut trotz dieser Maßnahmen immer wieder aufflammt: Dann braucht es einen Behandlungsplan mit entzündungshemmenden Cremes.
- Wenn Sie vermuten, auf ein Produkt, Metall oder Textil allergisch zu reagieren: Epikutantest.
- Wenn im Beruf Handekzeme auftreten: Hautarzt aufsuchen; bei berufsbedingtem Handekzem kann ein Hautarztverfahren der Unfallversicherung eingeleitet werden.
- Sofort bei nässenden, verkrusteten oder eitrigen Stellen, Bläschen oder Fieber.
Quellen
- DDG/BVDD: Leitlinienimplementierungshilfe S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (Stand 04/2026)
- DAAB: Textilien und Waschen
- DAAB: Hitze und Neurodermitis – unsere Ratschläge
- aha! Allergiezentrum Schweiz: Neurodermitis – Tipps für Kleidung
- Thomas KS et al.: Silk garments plus standard care compared with standard care for treating eczema in children (CLOTHES Trial). PLoS Medicine 2017
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Hautpflege bei Neurodermitis
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.






