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Pollen können Ekzeme auslösen: Neurodermitis in der Pollensaison

Ja, Pollen können bei Neurodermitis Ekzem-Schübe auslösen, allerdings nur bei Menschen, die gegen diese Pollen sensibilisiert sind. Eine placebokontrollierte Studie aus Hannover hat das 2015 für Gräserpollen nachgewiesen: Die Haut verschlechterte sich vor allem an unbedeckten Stellen. Wer seinen Auslöser kennt, kann sich in der Pollensaison gezielt schützen und die Behandlung rechtzeitig anpassen.

Was die Forschung zeigt

In der Studie von Werfel und Kollegen (Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2015) wurden Erwachsene mit Neurodermitis und nachgewiesener IgE-Sensibilisierung gegen Gräser in einer Pollenkammer untersucht. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen wurden sie entweder Luft mit Knäuelgras-Pollen oder sauberer Luft ausgesetzt; weder sie noch die Untersuchenden wussten, welche Luft es war. Das Ergebnis:

  • Die Pollen-Gruppe zeigte eine signifikante Verschlechterung der Neurodermitis.
  • Besonders betroffen waren Hautstellen, die der Luft ausgesetzt waren, weniger die bedeckten.
  • Im Blut stiegen typische Botenstoffe der allergischen Entzündung an.

Der Mechanismus: Die gestörte Hautbarriere lässt Pollenallergene leichter eindringen, dort lösen sie bei Sensibilisierten eine Entzündung aus.

Typische Anzeichen eines Pollen-Schubs

  • Verschlechterung in einem festen Zeitfenster, das zur Blüte einer bestimmten Pflanze passt
  • Ekzeme vor allem an unbedeckter Haut: Gesicht, Augenlider, Hals, Dekolleté, Hände und Unterarme
  • oft gleichzeitig Heuschnupfen-Beschwerden wie Niesen, Fließschnupfen oder juckende Augen
  • Besserung an Regentagen, wenn weniger Pollen fliegen

Ein Symptom-Tagebuch, in dem Sie Hautzustand und Pollenflug nebeneinander notieren, macht den Zusammenhang sichtbar.

Ist Pollen wirklich mein Auslöser?

Die S3-Leitlinie empfiehlt eine Allergiediagnostik nur bei passender Vorgeschichte, kein ungezieltes Screening. Die Ärztin prüft per Haut-Pricktest oder Bluttest (spezifisches IgE), ob eine Sensibilisierung besteht. Ein positiver Test allein reicht nicht: Er muss zum zeitlichen Verlauf Ihrer Schübe passen. Laut Leitlinie soll der Kontakt zu solchen Aeroallergenen nur dann möglichst reduziert werden, wenn sie bereits nachweislich zu Hautverschlechterungen geführt haben.

Pollenflugkalender für Deutschland

Die Zeiten sind Durchschnittswerte und schwanken je nach Region und Witterung. Laut Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst beginnen mehrere Pollenarten inzwischen früher zu fliegen, darunter Birke, Esche, Gräser und Beifuß.

PflanzeMöglicher PollenflugHauptzeit
HaselJanuar bis MaiJanuar bis März
ErleJanuar bis MaiJanuar bis März
BirkeFebruar bis JuniMärz bis Mai
EscheFebruar bis JuniApril bis Mai
GräserApril bis OktoberMai bis Juli
RoggenApril bis AugustMai bis Juni
BeifußMai bis OktoberJuli bis September
AmbrosiaJuli bis OktoberAugust bis September

Tagesaktuelle Vorhersagen bieten der Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes und die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Schutzmaßnahmen in der Pollensaison

  1. Abends abduschen und Haare waschen: Der DAAB betont, Pollen zuerst von Haut und Haaren abzuwaschen und erst danach einzucremen.
  2. Kleidung wechseln: Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen oder lagern.
  3. Richtig lüften: tagsüber Fenster geschlossen halten. In der Stadt am besten zwischen 6 und 8 Uhr lüften, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr.
  4. Pollenschutzgitter: Sie halten mindestens 85 % der Pollen ab, zumindest am Schlafzimmerfenster sinnvoll.
  5. Draußen planen: Längere Aufenthalte auf blühenden Wiesen und Feldern meiden; Spaziergänge nach einem Regenschauer sind günstiger.
  6. Garten: Rasen kurz halten, aber nicht selbst mähen.
  7. Auto: Fenster geschlossen, Pollenfilter der Lüftung regelmäßig wechseln.
  8. Hautbarriere stärken: Die Basistherapie konsequent weiterführen. Wie das geht, steht im Beitrag Basistherapie bei Neurodermitis.

Pollen gelangen auch über Kleidung und Haustiere in die Wohnung. Weitere Maßnahmen für Innenräume finden Sie unter Allergene in der Wohnung reduzieren: Milben, Tierhaare, Schimmel.

Behandlung eines Pollen-Schubs

Ein Pollen-Schub wird wie jeder andere Schub nach dem Stufenschema behandelt, meist mit Kortison- oder Calcineurin-Cremes. Wer jedes Jahr zur gleichen Zeit Schübe hat, sollte mit der Hautärztin eine proaktive Therapie für die Saison besprechen: Die zuvor betroffenen Stellen werden dann vorbeugend zweimal pro Woche behandelt. Für Menschen mit schwerer, vor allem saisonal auftretender Neurodermitis sieht die Leitlinie JAK-Inhibitoren auch als Intervalltherapie vor. Details im Beitrag Behandlung nach Stufenschema.

Hilft eine Hyposensibilisierung?

Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, AIT) gewöhnt das Immunsystem über Jahre an das Allergen. Die Leitlinie ist hier klar: Besteht wegen Heuschnupfen oder allergischem Asthma eine Indikation für eine AIT, soll sie auch bei gleichzeitiger Neurodermitis durchgeführt werden. Die Neurodermitis ist also kein Hindernis.

Als Behandlung der Neurodermitis selbst ist die AIT nicht belegt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2016 mit 12 Studien und 733 Teilnehmenden fand keine einheitlichen Belege für eine Wirkung auf das Ekzem; die Qualität der Studien war niedrig. Die meisten untersuchten Therapien richteten sich gegen Hausstaubmilben, nur wenige gegen Pollen.

Wann zum Arzt?

  • Wenn sich die Haut jedes Jahr zur gleichen Zeit verschlechtert: Allergietest und Plan für die Saison.
  • Wenn zusätzlich Heuschnupfen, Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot auftreten: Asthma abklären lassen.
  • Wenn Augenlider und Augen stark gerötet, geschwollen oder schmerzhaft sind.
  • Sofort bei Bläschen, Eiter, Krusten oder Fieber auf den Ekzemen.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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