Initiative Kiefergesundheit e. V. 1

Initiative Kiefergesundheit e. V.: Was über den Verein bekannt ist – und was Sie über Kiefergesundheit und CMD wissen sollten

Die Initiative Kiefergesundheit e. V. (IKG) war ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, den Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden 1993 gegründet haben. Ziel war es, die Öffentlichkeit über Zahn- und Kieferfehlstellungen und deren Behandlung aufzuklären. Bekannt wurde die IKG vor allem durch ihren Informationsbus, das KROCKY-Mobil. Die frühere Vereinswebsite ist nicht mehr erreichbar, ob der Verein heute noch aktiv ist, ist nicht bekannt. Diese Seite ist nicht die Website des Vereins. Sie fasst zusammen, was belegt ist, und erklärt die wichtigsten Themen rund um Kiefergesundheit.

Die IKG im Überblick

MerkmalBelegte Angabe
Rechtsformeingetragener, gemeinnütziger Verein
Gründung1993, von Kieferorthopäden
Anschrift (Stand 2012)Ackerstraße 3, 10115 Berlin
Vorstand (Stand 2012)Dr. Ortrun Rupprecht-Möchel (Vorsitzende), Dr. Gundi Mindermann (stellvertretende Vorsitzende)
Bekanntestes ProjektKROCKY-Mobil: Informations- und Aktionsbus mit dem Motto „Gerade Zähne – gerade jetzt“
Maskottchenein grünes Krokodil (KROCKY)

Das KROCKY-Mobil fuhr auf Einladung kieferorthopädischer Praxen und regionaler Arbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege durch Deutschland. Kinder, Eltern und Fachkräfte aus Kitas und Schulen erfuhren dort, warum Zähne und Kiefer wichtig sind, wie gesunde Ernährung hilft und welche Angewohnheiten die Entwicklung des Gebisses stören können. Zum 1. Januar 2012 gab sich der Verein ein neues Logo und erweiterte seine Aufklärung ausdrücklich auf Erwachsene und ältere Menschen. Das Krokodil blieb für die Angebote für Kinder erhalten.

Wer heute verlässliche Informationen zu Zahn- und Kiefergesundheit sucht, findet sie bei den unten genannten Fachgesellschaften und Körperschaften.

Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Kindern

Fehlstellungen sind häufig. Eine Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte im Rahmen der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie untersuchte 2021 über 700 Kinder im Alter von acht und neun Jahren. Etwa 40 % hatten einen kieferorthopädischen Behandlungsbedarf:

Kieferorthopädische Indikationsgruppe (KIG)EinstufungAnteil der 8- bis 9-Jährigen
KIG 3ausgeprägte Fehlstellung10,0 %
KIG 4stark ausgeprägte Fehlstellung25,5 %
KIG 5extrem stark ausgeprägte Fehlstellung5,0 %

Was die Krankenkasse zahlt: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt eine kieferorthopädische Behandlung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, wenn die Fehlstellung in KIG 3, 4 oder 5 eingestuft wird. KIG 1 und 2 zahlen Familien selbst. Während der Behandlung tragen Sie einen Eigenanteil von 20 % (10 % ab dem zweiten gleichzeitig behandelten Kind). Diesen Anteil erhalten Sie zurück, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist. Praxen dürfen eine Kassenbehandlung nicht verweigern oder an private Zusatzleistungen knüpfen.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Unter CMD fassen Fachleute Schmerzen und Funktionsstörungen der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke zusammen. Laut der gemeinsamen wissenschaftlichen Mitteilung mehrerer zahnmedizinischer Fachgesellschaften zeigen sie sich als:

  • Schmerzen in der Kaumuskulatur oder im Kiefergelenk, auch als Zahnschmerz durch Pressen oder Knirschen,
  • eingeschränkte oder unkoordinierte Unterkieferbewegungen, etwa eine verringerte Mundöffnung,
  • Störungen im Kiefergelenk selbst, zum Beispiel Knacken oder Reiben,
  • Störungen beim Zusammenbiss.

Häufig kommen Kopfschmerzen, Schmerzen in den Schläfen oder im Ohrbereich hinzu. Mehr als 80 % der CMD-Betroffenen berichten auch über Nackenschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Habe ich CMD? Drei Fragen

Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) nennt drei Fragen. Wer eine davon mit Ja beantwortet, hat wahrscheinlich eine CMD und sollte das zahnärztlich abklären lassen:

  1. Haben Sie Schmerzen, wenn Sie den Mund öffnen oder kauen?
  2. Haben Sie Schmerzen in den Schläfen, im Gesicht, den Kiefergelenken oder im Kiefer?
  3. Haben Sie in letzter Zeit bemerkt, dass Ihr Kiefer blockiert oder Sie den Mund nicht weit öffnen können?

Gute Nachricht: Die Prognose ist meist günstig

Die meisten funktionsbedingten Schmerzen und Einschränkungen haben eine gute Prognose. Bei vielen Betroffenen mit Muskelschmerzen bessern sich die Beschwerden innerhalb von etwa drei Monaten deutlich. Ein schmerzfreies Knacken im Kiefergelenk als einziger Befund braucht keine Behandlung, solange es Sie nicht stört. Es bedeutet bei den meisten Menschen auch nicht, dass später Probleme folgen.

Wie CMD behandelt wird

Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen ein stufenweises Vorgehen. Umkehrbare Maßnahmen haben Vorrang vor Eingriffen, die Zähne oder Biss dauerhaft verändern.

SchrittMaßnahmen
1. Aufklärung und SelbsthilfeErklärung der Beschwerden, Eigenübungen, Selbstbeobachtung von Pressen und Knirschen, Entspannung, Schlafhygiene, Bewegung
2. Umkehrbare Therapieindividuell angefertigte Aufbissschiene (Okklusionsschiene), Physiotherapie, bei Bedarf Logopädie
3. Bei chronischen Schmerzenmultimodale Behandlung mit Schmerzmedizin, Psychosomatik oder Psychotherapie
4. Nur in besonderen Fällenkieferorthopädische, prothetische oder chirurgische Behandlung, etwa bei bestimmten Erkrankungen des Kiefergelenks

Zur Aufbissschiene: Fertigschienen oder weiche Schienen eignen sich nur für kurze Zeit, empfohlen sind bis zu vier Wochen. Für eine längere Anwendung sollte eine Schiene aus hartem Kunststoff individuell angefertigt werden. Seit Juli 2024 gibt es dazu die S2k-Leitlinie „Okklusionsschienen zur Behandlung craniomandibulärer Dysfunktionen“.

Vorsicht bei dauerhaften Eingriffen: Es besteht internationaler Konsens, dass Zähne zur Behandlung einer CMD nicht ohne Weiteres beschliffen oder mit Kronen umgebaut werden sollten. Solche Schritte kommen erst infrage, wenn eine umkehrbare Vorbehandlung den neuen Biss erfolgreich getestet hat.

Was Sie selbst tun können

  • Zähne auseinander: In Ruhe berühren sich die Zähne nicht. Merksatz: „Lippen zu, Zähne auseinander, Zunge locker.“ Kleine Erinnerungszettel oder ein Handy-Hinweis helfen, Pressen tagsüber zu bemerken.
  • Kiefer schonen: In akuten Phasen weichere Speisen, kleine Bissen, kein Kaugummi, nicht mit den Zähnen an Stiften oder Fingernägeln kauen.
  • Wärme: Feuchtwarme Umschläge entspannen verspannte Kaumuskeln.
  • Entspannung und Bewegung: Progressive Muskelentspannung, regelmäßige Bewegung und Pausen am Schreibtisch senken die Grundanspannung. Eine sanfte Massage von Nacken und Schultern kann sich gut anfühlen, ersetzt aber keine Physiotherapie.
  • Schlaf: Schlechter Schlaf verstärkt Muskelverspannungen und Schmerzempfinden. Ein dunkler, ruhiger Schlafraum hilft, zum Beispiel mit einer Schlafmaske.

Wann zum Zahnarzt oder Arzt?

  • Schmerzen im Kiefer, in den Schläfen oder vor dem Ohr halten länger als zwei bis drei Wochen an oder kehren immer wieder.
  • Sie können den Mund plötzlich nicht mehr richtig öffnen oder schließen (Kieferklemme oder Kiefersperre). Dann sollten Sie noch am selben Tag zahnärztliche Hilfe suchen.
  • Die Beschwerden begannen nach einem Unfall oder Schlag.
  • Es kommen Schwellung, Fieber, Taubheitsgefühl im Gesicht oder Hörprobleme hinzu.
  • Ihre Zähne zeigen Abnutzung oder Risse, oder Ihr Umfeld bemerkt nächtliches Knirschen.

Notfall: Plötzliche Schmerzen im Unterkiefer zusammen mit Druck in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Wählen Sie dann sofort den Notruf 112.

Erste Anlaufstelle ist Ihre Zahnarztpraxis. Bei komplexen Beschwerden können Zahnärztinnen und Zahnärzte mit dem Zertifikat „Spezialist für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT)“ weiterhelfen. Die Fachgesellschaft bietet dafür eine Spezialistensuche an.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Er steht in keiner Verbindung zur Initiative Kiefergesundheit e. V.

Melanie ist eine Marketing-Managerin mit einer Leidenschaft für Kreativität und Innovation. Neben ihrer beruflichen Laufbahn schreibt Melanie für Parifar und verbindet dabei ihre beiden anderen Hobbies - Reisen und DIY.

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